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Potsdam Babyleiche in Potsdam: Wer ist die Mutter?
Lokales Potsdam Babyleiche in Potsdam: Wer ist die Mutter?
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10:01 18.12.2015
Auf dem Bornstedter Friedhof ist das Baby beerdigt. Quelle: Foto: Kaufmann
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Potsdam

Kommenden Dienstag würde die Kleine Geburtstag feiern, ihren vierten. Die Tochter von Katrin Krämer ist jetzt neun Monate alt. „Ich bekomme eine Gänsehaut, wenn ich darüber nachdenke, was da passiert ist“, sagt die junge Mutter und schiebt den Kinderwagen mit ihrem Baby aus dem Rewe-Markt in Potsdam-West, nur rund 200 Meter weiter von der Stelle, wo das Mädchen ohne Namen gefunden wurde. Einen Tag vor Heiligabend im Jahr 2011. Eingewickelt in ein blutiges Handtuch aus dem Discounter. Tot. Umgebracht, kurz nach der Entbindung.

Ein roter Regionalzug fährt vorbei. Am Bahndamm am Ende des meist menschenleeren Mietgaragenkomplexes in der Kantstraße war die Säuglingsleiche gefunden worden. Kurzzeitig wurde darüber spekuliert, ob das Kind vielleicht aus einem vorbeifahrenden Zug geworfen wurde, aber die Tatortspuren widerlegten diese Theorie schnell: Die Mutter wurden im näheren Umfeld vermutet.

Auf dem Handtuch wurden DNA-Spuren gefunden

Weil auch die Fernseh-Fahndung in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ keine Hinweise brachte, griffen die Ermittler im Juli 2014 zur Ultima Ratio: Mehr als 700 Potsdamer aus dem Wohngebiet rund um die Fundstelle wurden zum Massen-Gentest geladen. Auf dem Frotteehandtuch, in das die kleine Leiche gewickelt worden war, waren DNA-Spuren von einer Frau und einem Mann sichergestellt worden – mutmaßlich die Eltern.

„Ich musste keine Speichelproben abgeben", sagt Katrin Krämer, obwohl sie mit ihren 28 Jahren genau innerhalb der Probanendegruppe lag. Sie sei erst vor zwei Jahren in die Gegend gezogen. Andere, die zum Tatzeitpunkt in Potsdam-West lebten, waren inzwischen weggezogen und nicht zum Test erschienen. Andere entzogen sich ohne Grund. Der Test ist freiwillig. „Wir versuchen immer noch, die fehlenden Leute zur Abgabe einer Probe zu animieren“, sagt Nils Delius, Sprecher der Staatsanwaltschaft Potsdam. „Der Fall wird nicht einfach zur Seite gelegt.“ Eine gute Handvoll Leute habe gar nicht auf die Einladung reagiert. Knapp eineinhalb Jahre nach dem Massentest im Potsdamer Polizeipräsidium sind zudem noch immer nicht alle Proben ausgewertet und abgeglichen. „Das ist sehr aufwendig und erfordert Zeit“, erklärt Staatsanwalt Delius.

„Mit den Nachbarn spricht man nicht groß über den Test oder das, was passiert ist. Man hat allgemein nicht so viel Kontakt hier“, sagt ein Garagenmieter, der wegen seines Rentenalters nicht zur Speichelprobe musste. Es klingt nicht wie die Stigmatisierung der Gegend, sondern wie eine allgemeine Gesellschaftsbeschreibung: Wer weiß schon in größeren Neubaublöcken wie jenen rund um die Kantstraße genau was seine Nachbarn machen? Ein Stück weit klingt die Erklärung des Rentners auch wie eine Entschuldigung, wie oft in solchen Fällen. Eine hochschwangere Frau, die plötzlich keinen Bauch mehr hat. Und kein Baby. Fällt das niemandem auf? Offenbar nicht.

Ähnlicher Fall in der Uckermark

In Gartz (Uckermark) gibt es einen ähnlichen, ebenfalls ungelösten Fall von Kindstötung.

Ein totes Baby war dort im Mai 2014 bei Mäharbeiten auf einer Wiese entdeckt worden.

Das Mädchen steckte in einer schwarzen Mülltüte. Laut Obduktion war der Säugling bei der Geburt „vollständig entwickelt und lebensfähig“ und starb eines „nicht natürlichen Todes“.


Von der Mutter fehlt bis heute jede Spur. Im Frühjahr hatt die Polizei erneut Flugblätter in der Region verteilt und auf Hinweise gehofft – vergeblich.

Die Staatsanwaltschaft Neuruppin ermittelt wegen Totschlags gegen unbekannt.

Auf dem Bornstedter Friedhof bleiben viele Menschen am Grab stehen

Wie kommt es dazu, dass so etwas passiert? In welcher ausweglosen Extremsituation muss sich die Mutter befunden haben? Diese Fragen, sagt Jutta Erb-Rogg, stellten auch die Besucher auf dem Bornstedter Friedhof immer wieder, die am Grab an der Mauer nahe des Eingangs stehen bleiben. „Die Geschichte berührt die Leute“, erzählt Friedhofsleiterin Erb-Rogg. „Die Aufmerksamkeit ist immer noch groß, nicht nur in der Zeit vor Weihnachten.“ Auf dem Grab zwei Blumensträuße in Steckvasen. Nicht mehr ganz frisch, aber auch noch nicht verwelkt. „Nette Menschen kümmern sich um das Grab“, sagt sie. Gartenbaufirmen etwa, die ohnehin auf dem Friedhof zu tun haben, harken das Laub um die Stelle, wo das Baby im Februar 2012 unter großer Anteilnahme begraben wurde.

„Das Konzept des Grabs geht auf“, erklärt Jutta Erb-Rogg. Nicht nur die goldene Kugel auf dem Grabstein des Berliner Steinmetz Michael Spengler ist ein Blickfang und zieht die Leute an. Auch die bewusst sehr klein gehaltene Inschrift animiere die Menschen, näher zu treten. „War auf Erden fern von jenem Großen, das gebend durch die Zeiten geht“ steht auf dem Stein, ein abgewandeltes Zitat aus dem Gedicht „Sie war“ von Rainer Maria Rilke. Eine Elegie für ein unerwünschtes Kind. Sie war nur kurz am Leben. Sie trägt keinen Namen. Aber vergessen, sagt Jutta Erb-Rogg, ist das tote Mädchen aus Potsdam-West nicht.

Von Marion Kaufmann

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