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Potsdams nervigste Rolltreppe endlich repariert

Treppe am Hauptbahn seit Wochen defekt Potsdams nervigste Rolltreppe endlich repariert

Wochenlang haben am Potsdamer Hauptbahnhof die Rolltreppen gestreikt. Fahrgäste und Bahnkundenverband sind stocksauer, sprechen von einem Skandal und fordern Konsequenzen. Und die Bahn sagt: „Normalerweise gehen Reparaturen bei uns schneller.“ Normalerweise.

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Endlich in Bewegung: Die Rolltreppen zu den Fern- und Regionalbahngleisen am Hauptbahnhof können wieder benutzt werden.

Quelle: CHRISTEL KÖSTER

Potsdam. Die gute Nachricht vorweg: Seit Dienstag erreichen Fahrgäste am Potsdamer Hauptbahnhof die Regional- und Fernbahngleise wieder über die Rolltreppen. Über deren wochenlangen Ausfall aber ist Karsten Müller vom Deutschen Bahnkunden-Verband (DBV) noch immer sauer. Er bezweifelt die Begründung der Deutschen Bahn AG für die lange Dauer der Störung und fordert die Politik auf, zu verhindern, dass es noch einmal zu derartigen Einschränkungen kommt.

Normalerweise ist nicht immer normalerweise

„Normalerweise gehen Reparaturen bei uns schneller“, sagte Bahn-Sprecher Burkhard Ahlert am Dienstag gegenüber der MAZ. „In diesem Fall aber mussten größere Teile ausgetauscht werden.“ Diese hätten von dem Dienstleister, der mit der Wartung der Rolltreppen beauftragt ist, erst bestellt werden müssen. Das will Karsten Müller, der Vorsitzender des DBV-Regionalverbandes Potsdam-Mittelmark ist, nicht gelten lassen. „In Kaufhäusern funktioniert das doch auch“, sagte er der MAZ. „Stellen Sie sich mal vor, die würden über fünf Wochen eine Rolltreppe sperren und den Kunden sagen: Da müssen erst Ersatzteile bestellt werden. Undenkbar ist das!“

Bahnkundenverband spricht von einem Skandal

In einem Schreiben hatte Müller bereits einen Tag zuvor beklagt, dass die Zu- und Abgänge am Potsdamer Hauptbahnhof „sowieso schon unterdimensioniert“ seien. Regelmäßig würden sich bei der Ankunft der Züge vor der Rolltreppe und der Steintreppe dichte Menschentrauben bilden. „Aktuell war ein Bahnsteig nur über die Steintreppe erreichbar, die zudem noch am Ende des Bahnsteigs liegt“, heißt es darin weiter. Gegenüber der MAZ ergänzte Müller: „Warum öffnet man nicht, wenigstens für die Umsteiger, den immer noch vorhandenen Verbindungstunnel zwischen den Gleisen?“ Der lange Ausfall der Rolltreppen sei ein Skandal, so Müller. Er sieht die Politik in der Pflicht.

Deutscher Bahnkunden-Verband (DBV)

Als „Lobby der Bahnkunden“ versteht sich der Deutsche Bahnkunden-Verband. Dabei vertritt der eingetragene Verein nach eigenen Angaben sowohl die Interessen von Fahrgästen im Nahverkehr, von Reisenden im Fernverkehr und Kunden im Güterverkehr.

1990 in Berlin gegründet, hat der bundesweit tätige Dachverband heute über 7500 Mitglieder. Diese sind in verschiedenen DBV-Landesverbänden organisiert, die sich wiederum in Regionalverbände, Vereine und Initiativen untergliedern.

Parteipolitisch neutral und auch ansonsten unabhängig beschäftigen sich die ehrenamtlichen DBV-Mitglieder mit Themen wie Mobilität auf der Schiene, Infrastruktur, Finanzierung und barrierefreies Reisen.

Neben der Interessenvertretung von Bahnkunden erarbeiten DBV-Mitglieder auch alternative Verkehrsmodelle, Verbindungen und gesetzliche Regelungen. Eines der Ziele des Verbraucherschutzvereins ist die Verbesserung des Kundenservices bei der Deutschen Bahn AG. Daneben widmen sich die DBV-Landesverbände der „Bewahrung von eisenbahngeschichtlichen Werten“ und zeichnen „verdiente Personen bei der Förderung von Eisenbahnverkehr“ aus.

Stadt, Land und Verkehrsverbund müssten mehr Druck auf die Deutsche Bahn AG und deren zuständiges Tochterunternehmen DB Station & Service AG ausüben, findet der Bahnkunden-Verband. Der Bahnhof sei „Dreh- und Angelpunkt für den Tourismus für die Stadt und Tausende von Pendlern“. Müller forderte die Landesregierung und den Verkehrsverbund auf, die Deutsche Bahn AG für „solche massiven Mängel zu bestrafen“, zum Beispiel durch Strafzahlungen oder eine Reduzierung der in Potsdam „sehr hohen“ Stationsgebühren. „Jeder Halt eines Regionalzuges oder einer S-Bahn in Potsdam Hauptbahnhof kostet 55 Euro. Gemeinsam mit Cottbus sind dies die höchsten Stationsgebühren im Land und deutschlandweit“, so Müller. „Egal, ob Rolltreppen funktionieren oder nicht – die kassieren.“

Ministerium spricht von bedauerlichem Zustand

Doch dazu wird es nicht kommen. „Es ist ein sehr bedauerlicher Zustand, dass über einen längeren Zeitraum Rolltreppen nicht nutzbar sind“, sagte Steffen Streu, Pressesprecher von Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (parteilos) auf MAZ-Anfrage. Aber die Landesregierung habe in der Sache keine Einflussmöglichkeiten, da keinerlei vertragliche Verbindung mit der DB Station & Service AG bestehe. Allerdings gebe es regelmäßige Konsultationen mit dem Unternehmen bezüglich der Qualität. „Wir können das nur zum Thema machen“, so Streu weiter, „und das machen wir auch“.

Von Marcel Kirf

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