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Potsdam „Barbara und Charly sagen Tschüs“
Lokales Potsdam „Barbara und Charly sagen Tschüs“
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14:19 31.08.2016
Die Wirtsleute Barbara und Charly Rothenburg mit dem Potsdamer Cartoonisten Bernd A. Chmura am Abschiedsabend. Quelle: Joachim Liebe
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Potsdam

Eine Bundeskanzlerin „kommt nie einfach irgendwo rein“. Das sagt Barbara Rothenburg, die Wirtin des gleichnamigen Cafés in der Gutenbergstraße, die Angela Merkel vor drei Jahren am Rande einer CDU-Wahlkampfveranstaltung auf dem Bassinplatz zu Gast hatte. Vorher musterten einige „Herren in Schwarz“ das Lokal, die Toiletten, den Hinterausgang, „und dann kam sie“.

Merkel war der namhafteste Gast in der 18-jährigen Geschichte des „Rothenburg“: „Prominenter als die Kanzlerin – geht nicht“, sagt die Wirtin. Obwohl im „Rothenburg“ viele bekannte Gesichter verkehrten. Bildende Künstler und Musiker gehörten zu den Stammgästen. Unter Intendant Uwe Eric Laufenberg wurde das Café zur Kantine des Hans-Otto-Theaters, bevor das Ensemble im September 2006 das neue Haus in der Schiffbauergasse eröffnen konnte.

Vor 20 Jahren, im Sommer 1996, hatten Charly und Barbara Rothenburg den Vertrag für die Räume unterschrieben. „Wir wollten in ein altes Haus, das Historie hat und Atmosphäre.“ Mehr als eineinhalb Jahre bauten sie um und aus. Am 4. April 1998 war Eröffnung, fast 15 Jahre lang gab es Kneipenfeiern mit Büfett für die Stammgäste zum des „Rothenburg“.

Für viele Potsdamer war das Lokal ein zweites Wohnzimmer. Freitags gab es Musik und Kleinkunst und an den Wänden immer wieder wechselnde Ausstellungen. Stammtische gab es so viele, dass Barbara Rothenburg sie gar nicht mehr alle zusammenbekommt. Allein am Dienstag trafen sich bis zuletzt die Französisch-Reformierte Gemeinde neben der katholischen Arche und dem Männerchor der Singakademie – jede Gruppe an ihrem eigenen Tisch.

Am Dienstagabend gaben die Rothenburgs, beide sind 63, ihren Ausstand. Die Wirtin eröffnete das Büfett mit den Worten „Barbara und Charly sagen Tschüs.“ Es soll einen Nachfolger geben, der aber nicht mehr den Namen Rothenburg führt. Bleiben wird die vom Potsdamer Cartoonisten Bernd A. Chmura gemalte Dame mit Hut an der Seitenwand des Hauses. Zur Zeit ihrer Entstehung kurz nach der Eröffnung des Cafés hoch umstritten, wurde sie gerade denkmalgerecht überarbeitet. Doch nun sei es an der Zeit, aufzuhören, sagt die Wirtin: „Sollen sie mich tot mit den Füßen nach vorn hier raustragen? Nee!“

Von Volker Oelschläger

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