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Barberini schon jetzt ein Besuchermagnet

Neues Wahrzeichen von Potsdam Barberini schon jetzt ein Besuchermagnet

Vorhang auf für das Museum Barberini in Potsdam: Obwohl die Wände noch kahl sind, kamen am Montag Neugierige aus nah und fern. Schon im Vorfeld war der Ansturm riesig: Mehr als 10.000 Voranmeldungen gab es online. Manch einer nahm lange Zugfahrten auf sich, um bei der Vorpremiere des Museums dabei zu sein.

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Vor-Premiere: Blick ins Eingangsfoyer des Palais Barberini. Die große Eröffnung wird erst am 23. Januar gefeiert.

Quelle: Julian Stähle

Innenstadt. Wenn alles so gewesen wäre wie sonst, dann hätte Martin Papke am Montag auf der Elbe gearbeitet. Der 46-Jährige, der früher Kapitän auf großer Fahrt war, ist Lotse. Und privat sehr kulturinteressiert. Deshalb nahm er sich am Montag frei, bestieg den Zug von Hamburg nach Berlin, dann weiter nach Potsdam. Am Alten Markt wartete schon das Objekt der Begierde: Das vollendete Museum Barberini, das im glänzenden Sonnenschein zum ersten Mal seine Drehtür für Besucher öffnete. Diesen Moment hatte sich Papke – geborener Potsdamer und vor ein paar Jahren in die Hansestadt „ausgewandert“ – nicht entgehen lassen wollen. „Ich bin beeindruckt, wie alles auf sinnvolle, überschaubare Räume reduziert wird. Wenn noch Kunst dazukommt, entsteht eine angenehme, fast familiäre Atmosphäre“, sagte er fast andächtig beim Rundgang durch die hohen, farblich zurückhaltend gehaltenen Räume und lobte: „Es ist ja nicht unbedingt üblich, ein Museum im leeren Zustand zu zeigen.“

Elb-Lotse Martin Papke blickt auf die Freundschaftsinsel

Elb-Lotse Martin Papke blickt auf die Freundschaftsinsel.

Quelle: Julian Stähle

Schon im Vorfeld hatte sich die unter dem Motto „#EmptyMuseum“ stehende Besichtigungswoche, die bis 4. Dezember geht, als Renner erwiesen: „Mit den Tickets hat es sehr gut geklappt“, freute sich Direktorin Ortrud Westheider, während sich die Neugierigen vom säulengeschmückten Foyer aus zur Erkundungstour aufmachten. Die Stimmung: Fast wie vor der Weihnachtsbescherung oder bevor sich der Vorhang zu einer großen Theaterpremiere hebt. Mehr als 10 000 Online-Bestellungen hatte es im Vorfeld für ein Gratisticket gegeben. Die Tickets wurden gestern am Eingang flugs eingescannt.

Postkarten-Ausblicke von den oberen Etagen des Barberini

Aber auch Kurzentschlossene, die spontan vorbeischauten, kamen am Nachmittag an der Kasse noch zum Zuge. Ausgangspunkt für die Führungen waren entweder das Foyer oder der Lelbachsaal, benannt nach dem Berliner Unternehmer Abris Lelbach. Er hatte beim Barberini-Projekt – zusammen mit dem jetzigen Bauherrn und Mäzen Hasso Plattner – den Stein ins Rollen gebracht. Vom Lelbachsaal aus und den anderen Räumen zum Alten Markt konnte man gestern eine Postkarten-Aussicht genießen. Wann hat man schon die Skulpturen auf dem Dach des Alten Rathauses fast zum Greifen nah? Sogar die Historische Mühle bei Sanssouci konnte man – winzig klein wie ein Lego-Spielzeug – ganz weit hinten am Horizont erkennen.

Die Skulpturen auf dem Alten Rathaus zum Greifen nah

Die Skulpturen auf dem Alten Rathaus zum Greifen nah.

Quelle: Julian Stähle

Eine kleine weißhaarige Dame hatte allerdings keine Augen für die Aussicht. Inmitten all des Gewusels stand Doris Wagner in der Ausstellung zur Geschichte des kriegszerstörten Barberini. Der Blick der 73-Jährigen hing an dem Schwarz-Weiß-Foto eines wohlgekleideten kahlköpfigen Herrn: „Das war mein Urgroßvater – er war Säckelmeister und Kastellan im Barberini“, erzählte die Babelsbergerin. Uropa Rudolf Mahnkopf lebte mit seiner großen Familie fast 60 Jahre im Palais, ehe er 1937 hochbetagt starb.

Doris Wagner mit einem Zeitungsartikel über ihren Urgroßvater Rudolf Mahnkopf

Doris Wagner mit einem Zeitungsartikel über ihren Urgroßvater Rudolf Mahnkopf.

Quelle: Julian Stähle

Zuvor hatte er jahrzehntelang als Verwalter der Säle im Gebäude gearbeitet, die von städtischen Vereinen genutzt wurden. In der Familie Mahnkopf/Wagner ist immer noch die Geschichte vom Weihnachtsfest im Barberini lebendig: „Die großen Flügeltüren gingen auf und dahinter stand dann der große Baum.“

Rudolf Mahnkopf, der Kastellan des Palais Barberini

Rudolf Mahnkopf, der Kastellan des Palais Barberini.

Quelle: Julian Stähle

Auch die Nachfahren des ehemaligen Kinobetreibers im Palais kamen gestern vorbei, um alte Ankündigungen von Filmvorführungen vorbeizubringen – alles für die historische Dokumentation zum Haus.

Eigene App fürs Museum

Am gestrigen Premierentag wurden bis 17.30 Uhr 2835 Buchungen für Besuche verzeichnet.

Während der Besichtigungswoche finden bis Sonntag täglich Führungen und Vorträge statt. Infos unter www.museum-barberini.com.

Eine eigene Barberini- App ermöglicht die Begegnung mit der
bewegten Geschichte. Man kann mit alten Fotos und Zeitzeugen-Erinnerungen die Räume durchwandern.

Wer leibliche Stärkung für den Aufstieg in die Höhenluft der dritten Etage brauchte oder eine süße Belohnung danach, war im Erdgeschoss gut aufgehoben. Hier zeichnet der Potsdamer Gastronom Ralph Junick für die Café-/Restaurant-Karte verantwortlich. Einen Museumsshop gibt es natürlich auch. Dort findet man unter anderem lehrreiche Kinderliteratur: Von „Der Junge, der Picasso biss“ bis zu „Kein Bock auf Kunst? So überstehst du jeden Museumsbesuch“. Zumindest das zweite Werk werden Eltern beim Barberini-Rundgang ziemlich sicher nicht brauchen.

Von Ildiko Röd

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