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Baubeginn für das Brunnenviertel

MAZ zu Hause in ... Waldstadt III Baubeginn für das Brunnenviertel

Im Sommer ist Baubeginn für das Brunnenviertel auf dem Gelände des früheren Plattenwerks an der Heinrich-Mann-Allee in Potsdam. Auf dem Nachbargrundstück wird schon seit Monaten flott gearbeitet. Im Herbst soll dort die Dreifeldhalle des Tennisclubs Rot-Weiß eröffnet werden.

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Außenwandfertigung 1987 im damaligen Plattenwerk.

Quelle: Foto: Hübner

Waldstadt. Noch tanzt der Staub im nördlichen Abschnitt des einstigen Plattenwerkes an der Grenze zur Waldstadt I. Doch in wenigen Monaten sollen sich hier die Kräne für ein neues Wohngebiet drehen. 65 Millionen Euro sollen insgesamt investiert werden. Im Sommer könnte nach Mitteilung der Bauträgergesellschaft KW-Development der Baubeginn für das Brunnenviertel mit seinen elf Mehrfamilienhäusern sein. Die ersten der insgesamt 373 Wohnungen werden „voraussichtlich im Frühjahr 2018 übergeben werden können“, so Christian Neumann von der Vermarktungsgesellschaft Verimag, die seit einigen Wochen mit einem Infopavillon vor Ort ist.

Weiter ist man auf der anderen Seite des Geländes im Zwickel zwischen der Heinrich-Mann-Allee und der Wetzlarer Straße. Auf 26 000 Quadratmetern entstehen eine Dreifeld-Tennishalle, zehn Tennisplätze und ein Funktionsgebäude mit öffentlicher Gaststätte. Am 22. April feierte der Tennisclub Rot-Weiß das Richtfest für die Halle. Am 1. Oktober soll dort voraussichtlich der Spielbetrieb eröffnet werden. Am 1. Mai 2017 schließlich soll laut Vorstandschef Heinz-Hermann Schulte-Loh die erste Freilichtsaison auf dem neuen Gelände starten.

Rot-Weiß-Vorstand   Heinz-Hermann Schulte-Loh in der künftigen Tennishalle

Rot-Weiß-Vorstand Heinz-Hermann Schulte-Loh in der künftigen Tennishalle

Quelle: Bernd Gartenschläger

Über Jahrzehnte wurde im Plattenwerk für die Baustellen des Wohnungsbaukombinats Potsdam produziert, das seine Zentrale in den 1980er Jahren gleich gegenüber auf der anderen Seite der Heinrich-Mann-Allee an der heutigen Straße Zum Jagenstein im Wohngebiet Waldstadt II hatte. Anfang der 1990er Jahre geschlossen, wurde im November 2015 mit der einstigen Sanitärraumzellenproduktion die letzte Halle des Plattenwerks abgetragen.

Über die Jahre gab es immer wieder einmal neue Spekulationen zur Nutzung des 70 000 Quadratmeter großen Geländes. In Erinnerung ist die 2005/06 geführte Diskussion über den Bau eines Fußball-Stadions mit bis zu 30 000 Zuschauerplätzen für die Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft 2011, mit dem das Aus des Karl-Liebknecht-Stadions in Babelsberg besiegelt worden wäre. Mehrfach brannte es – mal in einem Büro im Obergeschoss der Montagehalle, dann wieder in einer Baracke mit Asbestdach, von der nur ein flacher Haufen Schutt und Asche blieb. 2009 thematisierte die Arbeitsgemeinschaft Jugend- und Soziokultur die Freigabe der Begrenzungsmauern des riesigen Areals als legale Fläche für Sprayer.

Luisenviertel, Brunnenviertel, Waldstadt III

Bei vielen Anwohnern hieß das geplante Viertel auf dem alten Plattenwerksgelände schon immer Waldstadt III, obwohl das neue Quartier mit seinen rund 370 Wohnungen viel kleiner als die Waldstadt I mit ihren rund 3360 Wohnungen und die Waldstadt II mit ihren 5590 Wohnungen ist.

Die Investoren des neuen Wohngebiets hingegen stellten sich zunächst mit der Bezeichnung Luisenviertel vor. Namenspatin wäre die bei der Bevölkerung seinerzeit populäre Königin Luise von Preußen (1776-1810).

Das Brunnenviertel als neue Bezeichnung ist eine Reaktion auf die Entscheidung der Stadt, die Hauptplanstraße Brunnen-Allee zu nennen, so Christian Neumann von der Vermarktungsgesellschaft Verimag auf MAZ-Anfrage. Der Name bezieht sich laut Neumann zudem auf einen Brunnen im Zentrum des Viertels.

Beraten wurde über die Straßennamen für das Brunnenviertel im November 2015 im Kulturausschuss.

Die zweite, südlichere Planstraße soll im Ergebnis dieser Beratung „Sophie-Alberti-Straße“ genannt werden. Die Namenspatin (1826-1892), eine in Potsdam lebende Schriftstellerin, veröffentlichte ihre Bücher teils unter ihrem bürgerlichen Namen, teils unter dem Pseudonym Sophie Verena.

Über den Umzug des 1919 gegründeten Tennisclubs Rot-Weiß an die Wetzlarer Straße war lange verhandelt worden. Auf dem bisher von den Sportlern genutzten Gelände hinter der Sporthalle an der Heinrich-Mann-Allee, laut Schulte-Loh mit ihren alten Bäumen „eine der schönsten Anlage im Land Brandenburg“, soll ein neues Viertel mit 700 Wohnungen gebaut werden. Als Entschädigung bekam der Tennisclub zwei Millionen Euro von der städtischen Bauholding Pro Potsdam. Das Geld fließt in die neuen Sportanlagen.

Animation des künftigen Brunnenviertels auf de Baustelle

Animation des künftigen Brunnenviertels auf de Baustelle.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Offen ist bislang, was auf dem Gelände zwischen dem Brunnenviertel im Norden und den Tennisplätzen im Süden geschieht. Geplant ist stilles Gewerbe, dessen Gebäude zugleich die Geräusche der Tennisplätze schlucken sollen. Nach Mitteilung von Rathaussprecher Jan Brunzlow sind dafür bei der Stadt bisher jedoch weder Anträge gestellt, noch Projekte vorgestellt worden.

Vereinsvorstand Schulte-Loh könnte alles in allem mit dem Deal zufrieden sein, er ist es aber nicht. Denn es gibt eine Mauer, die ihn stört. Die Abgrenzung zur Wetzlarer Straße mit dem dahinter liegenden Bahndamm ist den Tennissportlern willkommen, sie soll nach Möglichkeit sogar mit Ranken begrünt werden. Die Mauer zur Heinrich-Mann-Allee hingegen „steht falsch“, so Schulte-Loh: „Ich will sie auch nicht haben: Ich nehme zwar Geschenke an, aber nicht diese Mauer.“

Von Volker Oelschläger

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