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Bauen für Fortgeschrittene

Investitionen in Potsdamer Schulen Bauen für Fortgeschrittene

DDR, Denkmalschutz, Container – Rohbau, mittendrin, fast fertig: Die Sommertour des Oberbürgermeisters über die Bildungsbaustellen der Landeshauptstadt endete an drei ausgewählten Schulen in drei unterschiedlichen Bauphasen. An allen Standorten wurde klar: Die Stadt greift tief in die Kasse, Bauingenieure und Architekten greifen tief in die Trickkiste.

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Auf Schilfhof-Tour mit Architekt Marco Gierisch (l.) und Jann Jakobs: Der Keller der Schilfhof-Schule wird für eine größere Mensa umgebaut.

Quelle: Nadine Fabian

Potsdam. Gruben-Feeling mitten im Schlaatz: Mit Helmen bewehrt und mit tastendem Schritt bahnen sich Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) und seine Beigeordnete Noosha Aubel (parteilos) auf ihrer Sommertour über die Bildungsbaustellen der Stadt den Weg durch die Tiefen der Gesamtschule am Schilfhof. Kaum zu glauben, dass sich in diesen Räumen in nicht mal einem Jahr wieder 350 Schüler zum Mittag niederlassen. Zwar war die Mensa schon zuvor im Keller, doch der wird nun großzügig umstrukturiert. Weil es aber nicht so einfach ist, Wände zu versetzen – Stichwort: Statik – greifen Bauingenieure und Architekten tief in die Trickkiste.

Erst stützen, dann schneiden

Erst stützen, dann schneiden: Neue Durchbrüche im Kellergeschoss sind wegen der Statik nicht so einfach umzusetzen.

Quelle: Nadine Fabian

Drei Schulen in drei Baustadien stehen beim dritten und letzten Teil der Sommertour auf dem Plan: Neben der Gesamtschule am Schilfhof, deren linke Hälfte derzeit kaum mehr ist als ein Rohbau, sind das die Grundschule am Humboldtring mit ihrem Containerbau und das Humboldt-Gymnasium an der Heinrich-Mann-Allee, dessen Altbau kurz Ende der Sanierung steht. Bei den Arbeiten am denkmalgeschützten Haus kam es zu unvorhergesehenen Herausforderungen. Im Dachgeschoss war eine Schwammsanierung fällig. Zudem mussten Wandputz und Unterlagsböden wegen Haftzugproblemen und Rissen zurückgebaut werden. Nun folgt der Abriss der Baracke. Insgesamt wurde am Humboldt fünf Jahre gearbeitet. Budget: 9,35 Millionen Euro.

Mit 5,2 Millionen Euro schlägt die Grundschule am Humboldtring zu Buche. Die zweizügige temporäre Grundschule mit Hort für 364 Schüler soll bis Oktober fertig sein – später als erwartet, denn das Grundstück musste zunächst auf Kampfmittel abgesucht und der Verlauf diverser Leitungen verändert werden. Inzwischen steht die dreigeschossige Containeranlage: Der Einzug ist greifbar nah.

Kaum zu glauben, dass die Erweiterung der Grundschule am Humboldtring aus Containern errichtet wurde

Kaum zu glauben, dass die Erweiterung der Grundschule am Humboldtring aus Containern errichtet wurde.

Quelle: Nadine Fabian

Auch in den Schilfhof kehrt nach den Ferien das Leben zurück. Eine Haushälfte wurde bereits 2012 saniert und wird normal genutzt. Mit den neuen 7. Klassen wird es dort aber zu eng – deshalb wird im Schichtbetrieb unterrichtet und nach den Herbstferien in Containern. Der Mitteltrakt der Schule soll im Winter fertig werden, der Klassenraumtrakt im Mai 2018.

Architekt Marco Gierisch knipst die Handylampe an und präsentiert das hinter einer Luke verborgene Zwischengeschoss. Bei einer Deckenhöhe 1,40 Meter ist nur Platz für ein paar Rohre. „Früher nannte man das Karzer“, scherzt Jakobs. Dann geht’s weiter über Geröll und durch Pfützen, vorbei an schroffen Wänden, losen Kabeln und frischen Betonseen – eine gute Gelegenheit, sich mit einem Handabdruck zu verewigen: So schnell wird das Gebäude sicher nicht wieder angepackt.

Startklar

Startklar: Oberbürgermeister Jann Jakobs und Bildungsbeigeordnete Noosha Aubel vor der Gesamtschule am Schilfhof, deren eine Hälfte bereits 2012 saniert wurde.

Quelle: Bernd Gartenschläger

5,2 Millionen Euro steckt die Stadt in die Schilfhofschule. Wenn die Bauarbeiter fertig sind, haben sie jeden Quadratzentimeter angetastet. „Innen, außen, energetisch, Brandschutz – einmal alles“, beschreibt Gierisch die Sanierung der 1983 eröffneten Schule vom Typ Erfurt. Gierisch ist Experte für diese Art Schulbau, der nicht nur aus damaliger Sicht „eine super Sache“ ist. Der charakteristische H-förmige Grundriss lasse viel Licht hinein. Reichlich Eingänge und Treppen erschließen das Haus optimal. „Aber: Schaut man sich die heutigen Vorgaben an, ist die Substanz an der Grenze ihrer Belastbarkeit.“ Der Umbau hole nun raus, was rauszuholen ist, um das Haus auf den neusten Stand zu bringen und ausreichend Raum für die wachsende Gesamtschule zu schaffen.

200 Millionen Euro für Potsdams Schulen

Das Schulinvestitionsprogramm der

Stadt umfasst über 200 Millionen Euro. Zu den wichtigsten Projekten zählen neben den besuchten Baustellen die Grundschulen Bornim und Bornstedter Feld sowie der Standort Gagarinstraße.

Der Schulentwicklungsplan 2014 war mit 55 Klassenzügen in Grundschulen gestartet, für 2025 liegt die Prognose bei 75. Im weiterführenden Bereich lagen die Kapazitäten 2014 bei 59 Zügen, für 2022/23 werden 75 erwartet.

 

Von Nadine Fabian

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