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Potsdam Baustart bei Sturm und unter Protest
Lokales Potsdam Baustart bei Sturm und unter Protest
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19:16 29.10.2017
Rund 100 Menschen protestieren während der Feierlichkeiten zum Baustart des Garnisonkirchturms. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Der Wiederaufbau des Turms der 1945 zerstörten und 1968 abgerissenen Potsdamer Garnisonkirche hat nun auch offiziell begonnen. Zum Baustart wurde am Sonntag auf dem Baufeld ein Gottesdienst unter freiem Himmel gefeiert. Rund 100 Menschen protestierten lautstark gegen die Garnisonkirche und riefen unter anderem „Heuchler“ und „Schande“.

Potsdam, 29. Oktober 2017 – Mit einem Festgottesdienst unter freiem Himmel hat die Stiftung Garnisonkirche den Startschuss für den umstrittenen Wiederaufbau des Turms der Potsdamer Garnisonkirche gegeben. Dabei war viel Prominenz vor Ort. Rund 100 Menschen haben lautstark gegen den Wiederaufbau protestiert.

„Unglaubliche Respektlosigkeit“

Brandenburgs ehemaliger Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) sagte angesichts der Proteste, er habe auf dem Gottesdienst Menschen getroffen, die vor 27 Jahren mit viel Mut auf die Straße gegangen seien, damit die jungen Leute heute demonstrieren könnten. „Dass solche Menschen nun ’Heuchler’ genannt werden, ist eine unglaubliche Respektlosigkeit und niveaulos“, so Platzeck.

„Zentrum für Frieden und Versöhnung“

Der neue Turm solle wie einst über zwei Jahrhunderte hinweg wieder ein architektonisches Zeichen in der Stadtlandschaft werden, sagte der evangelische Altbischof und Kuratoriumsvorsitzende der Baustiftung, Wolfgang Huber: „Und er soll werden, was er noch nie war, ein Zentrum für Frieden und Versöhnung.“

Die Garnisonkirche in Potsdam ist eine Kirche mit bewegter Vergangenheit. 1732 eingeweiht, wird sie im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt, die Ruine 1968 gesprengt. 2017 beginnt mit dem Turm der Wiederaufbau. Berühmt-berüchtigt ist sie durch den „Tag von Potsdam“.

„Wir wissen, dass die Garnisonkirche in die unheilvolle Geschichte unseres Landes nicht nur an einem einzelnen Tag verwickelt war“, betonte Huber: „Eben darum wollen wir an diesem Ort Geschichte kritisch erinnern.“ Mit der Nutzung der Garnisonkirche zur Inszenierung der Reichstagseröffnung 1933 durch die Nazis sei das Gotteshaus zu einem symbolischen Ort „für die Vorbereitung einer unvergleichlichen Gewaltherrschaft“ geworden, betonte der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD): „Wo sollten wir die Notwendigkeit des Friedens erkennen, wenn nicht hier?“

> Multimedia-Story zur Garnisonkirche

„Dort, wo noch bis 1968 große Teile des Turms der Garnisonkirche von Krieg und Zerstörung zeugten und die Gemeinde das Gebäude wieder mit Leben füllte, beginnen wir neu“, betonte Huber: „Wir wollen uns der Verantwortung stellen, die sich aus geschichtlichem Versagen und Unheil ergibt.“ Der Gottesdienst zum Baustart stand unter dem Motto „Eine Kultur des Friedens bauen“.

Wolfgang Huber. Quelle: Bernd Gartenschläger

Der Wiederaufbau des Turms ist wegen der preußischen Militärgeschichte der Garnisonkirche und der Nutzung durch die Nazis weiter umstritten. Zuletzt hatten sich Kritiker deshalb auch an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gewandt, der Schirmherr des Bauprojekts ist. Brandenburgs früherer Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) und der EKD-Friedensbeauftragte Renke Brahms, die beide dem Kuratorium der Baustiftung angehören, riefen zum Dialog mit den Kritikern auf.

Der Grundstein für den rund 90 Meter hohen und nach Stiftungsangaben rund 40 Millionen Euro teuren neuen Turm wurde bereits 2005 gelegt, der Wiederaufbau sollte aus Spenden finanziert werden. Aus Geldmangel wurde der Baustart jedoch immer wieder verschoben. Inzwischen hat der Bund zwölf Millionen Euro für das Bauvorhaben freigegeben, die evangelische Kirche stellt fünf Millionen Euro an Krediten zur Verfügung. Zunächst soll für rund 26 Millionen Euro eine schmucklose Grundvariante errichtet werden, weil unter anderem für den Turmaufsatz weiter das Geld fehlt.

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Von epd, Ildiko Röd, MAZonline

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