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Bedachtsamkeit und Spiellaune

Vorabendkonzert zur 18. Potsdamer Schlössernacht Bedachtsamkeit und Spiellaune

Das Stavanger Symfoniorkester aus Norwegen bestritt das weitgehend gelungene Vorabendkonzert zur 18. Potsdamer Schlössernacht. Vor allem Solistin Tine Thing Helseth an der Trompete überzeugte vor königlicher Kulisse.

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Solistin Tine Thing Helseth und Dirigent Christian Vasquez.

Quelle: B.G.

Innenstadt. Vielleicht haben sich die Besucher des Vorabendkonzertes vom Freitag während der nassen Stunden der „eigentlichen“ Schlössernacht einen Tag später noch einmal nachträglich gefreut, wie gut bei ihnen die äußeren Umstände zusammengefunden hatten: alles trocken, nicht zu warm und nicht zu kalt, das finale Feuerwerk und die Parkillumination vom Feinsten. Natur und atmosphärische Gestaltung spielten also bestens mit, und wenn irgendetwas die romantische Stimmung ausbremsen konnte, dann waren es eher die Servicekräfte vor Ort, bei denen die Unfreundlichkeit – das fast schon gewohnte Übel aller Großveranstaltungen in diesen angespannten Zeiten – proportional zur Überforderung stieg, sowie eine ebenso ausgewalzte wie verklemmt-unbedarfte Anmoderation.

Aber irgendwann war das alles durch, und dann galt’ vor der – im farbigen Kunstlicht besonders berauschenden – Kulisse der Communs endlich der Musik; also dem Stavanger Symfoniorkester, wie es sich im heimischen Norwegisch nennt, und seinem Chefdirigenten Christian Vasquez. Letzterer, Jahrgang 1984, kommt aus der großartigen „Sistema“-Schule José Antonio Abreus in seiner venezolanischen Heimat wie beispielsweise auch Gustavo Dudamel, präsentiert sich allerdings deutlich anders: diskret zurückgenommen und verhalten bedachtsam.

Ein musikalischer Lego-Baukasten

Lateinamerika-Klischees waren demzufolge Fehlanzeige: weder bei Sibelius’ „Finlandia“ zu Beginn noch in Tschaikowskys ausladender 5. Sinfonie am Programmende gab es Temperamentsausbrüche oder auch nur dramatischen Drive zu erleben, sondern ein eher additives Entwicklungsprinzip, das jedes Motiv sorgfältig formte und hinstellte, aber daraus keine große Erzählung machte. So entstand eine Art musikalischer Lego-Baukasten mit ausgewogenen Klangbalancen (was ein Lob für die Verstärkertechnik einschließt) und schönen lyrischen Momenten, dessen Resultat aber naturgemäß eher nüchterne Ingenieursbauten als visionäre Kathedralen waren. Wenn Tschaikowskys „Schicksalsmotiv“ gewaltsam in den langsamen Satz seiner e-moll-Sinfonie einbrach, wirkte das beispielsweise kaum als tragische Kollision, sondern eher wie der lärmende Auftritt eines aufdringlichen Verwandten, der sich in Zeitpunkt und Ton vergriffen hat.

Virtuose Solistin mit Spiellust

Überzeugender fanden sich Dirigent und Orchester in ihre gleichsam dienende Rolle bei Haydns Trompetenkonzert – aber mit Tine Thing Helseth stand da auch eine Solistin auf der Bühne, bei der man gern einen Schritt zurücktritt. Die Osloerin spielte frisch, gelöst und rückte mit delikat-sanglichen Legatopassagen dem Militanz-Klischee ihres Instrumentes zu Leibe. Nie stellte sie ihre erstaunliche Virtuosität eitel in den Vordergrund, sondern vermittelte selbst bei der großen Kadenz des Kopfsatzes und in der wirbelnden Zugabe mit Smetanas „Komödiantentanz“ den Eindruck einer elementar-fröhlichen, fast kindhaften Spiellust: ein Geschenk an die Hörer, aber bestimmt auch an sich selbst.

Von Gerald Felber

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