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Potsdam Beim Hofbäcker begann die Tradition
Lokales Potsdam Beim Hofbäcker begann die Tradition
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12:40 26.10.2015
Seit 1931 nimmt die Bäckerei Braune das ganze Erdgeschoss ein, auch Eingang und Durchfahrt sind verlegt.Dieses Bild entstand um 1900. Quelle: privat
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Potsdam

Die Bäckerei Braune gehört zu den Traditionsgeschäften der Potsdamer Innenstadt. Seit fünf Generationen wird von der Familie in der Friedrich-Ebert-Straße 101 gebacken. Nur die Kontinuität des Namens ist gebrochen. Der Ur-Ur-Enkel von jenem Gustav Braune, der 1853 die Schrippendynastie begründete, ist der Konditormeister Werner Gniosdorz. Der Familienname ging wegen eines sturen Standesbeamten zu DDR-Zeiten verloren. Werner Gniosdorz’ Mutter Käte Braune hatte den Bäckermeister Josef Gniosdorz geheiratet – und wurde gezwungen, den Namen des Bräutigams anzunehmen.

Heute zeigt sich die Bäckerei im Erscheinungsbild von 1931. Mit Steinsockel und einer seltenen selbstleuchtenden Reklame. Quelle: Bernd Gartenschläger

Ansonsten ist bei Braunes alles echt. „Hier werden keine Teiglinge abgebacken - das widerstrebt mir. Bei uns wird alles selbst im Hause hergestellt“, sagt Werner Gniosdorz. Der Verkaufsschlager sind die Herdschrippen, die nach alter ostdeutscher Manier direkt auf der Steinplatte des Ofens gebacken werden. „Bei uns kriegen sie auch eher ein Schweineohr als einen Muffin“, sagt er über Modeerscheinungen. Das Geschäft wirkt dabei alles andere als verstaubt.

Die selbstleuchtende Reklame gibt in der Innenstadt nur zwei Mal

1931 hatte Großvater Wilhelm Braune das Haus modernisiert. Die Steinfassade mit der Leuchtreklame ist seitdem unverändert geblieben. Dieser Schriftzug unterscheidet sich von anderen Potsdamer Geschäften: „Wir sind neben dem Lichthaus Ammon die einzigen, die noch mit einer selbstleuchtenden Reklame werben dürfen“, sagt Gniosdorz. Eine Messingverzierung mit dem Familiennamen an der Eingangstür führt in den holzgetäfelten Laden. Es sei denn, es ist Montag, denn an der Tradition des „blauen Montags“, also geschlossenem Geschäft im Ausgleich für den Sonnabend, hät die Firma fest. Auch drei Wochen Betriebsferien im Sommer für die ganze Belegschaft gehören zur internen Tradition.

Wilhelm Braune ist der Großvater des heutigen Inhabers Werner Gniosdorz. Das Foto zeigt ihn um 1940 in der Backstube. Quelle: privat

Schriftverkehr und Fotografien wurden in der Familie aufgehoben, darunter sogar eine königliche Urkunde, in der das Haus 1743 dem ersten Bäcker an dieser Adresse als Schenkung überlassen wird. Erst vor kurzem erfuhr Gniosdorz etwas Neues über seine Ahnen. Gustav Braune kam 1840 als Müllerssohn von der Eulenmühle bei Ziesar nach Potsdam. Er lernte hier das Bäckerhandwerk und „anschließend arbeitete er sieben Jahre beim königlichen Hofbäcker Gericke, zuletzt als Werkmeister. Das wusste ich selbst noch nicht!“ Der heutige Müller der Eulenmühle hat selbst für eine Publikation recherchiert und das herausgefunden.

Das Geschäft hat einiges überstanden. Bei Gustav Braune brannte das Haus nieder und musste neu errichtet werden. Opa Wilhelm war nicht nur der Modernisierer, sondern überlebte auch zwei Mal Kriegsgefangenschaft in beiden Weltkriegen. Vater Josef wehrte die drohende Verstaatlichung 1972 ab.

Werner Gniosdorz hält an vielen Traditionen seines Unternehmens fest, auch wenn er den alten Ofen nach seinem Dienstantritt schnell erneuert hat. Quelle: MATHIAS MARX

Jede Generation hatte eine Herausforderung zu meistern

Werner Gniosdorz selbst ist seit dem Sommer 1989 Inhaber und hat das Geschäft über die Wendezeit gerettet. Eine seiner ersten Maßnahmen war der Austausch des Kohleofens von 1922 mit einem modernen Gerät im Jahr 1990. „Den Abriss des alten Ofens haben wir noch in Ostmark bezahlt, den Aufbau des neuen schon in Westgeld“, erinnert er sich. Nach einem dramatischen Umsatzrückgang in den ersten Monaten kamen viele Kunden bis Weihnachten zurück. Die Bäckerei überlebte den Systemwechsel. Heute hat er 18 Mitarbeiter, zwei davon feiern in diesem Jahr ihr 25-jähriges Dienstjubiläum.

Auf der Rückseite alter Rechnungen wirbt die Bäckerei mit ihrem Standort „im Mittelpunkt der Stadt“. Quelle: privat

„Vor vier Jahren hätte ich beim Ausblick in die Zukunft gesagt ,Mal sehen’“, sagt er über einen potenziellen Nachfolger. Seine Kinder hatten andere berufliche Wege eingeschlagen. Seine jüngere Tochter studierte erst Biologie und arbeitete bereits in ihrem Beruf. Dann wurde sie doch noch Konditorin und arbeitet derzeit in einer Schokolaterie. „Ich habe die Hoffnung, dass sie irgendwann übernimmt“, sagt Gniosdorz. Vielleicht kommt sogar ein Herr Braune daher und knüpft mit ihr an die verlorene Namenstradition an.

>>>Folge #1: Der Herausgeber des historischen Kalenders Peter Rogge

>>>Folge #2: Laufen lernen im Porzellanladen

Von Peter Degener

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