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Beinarbeit und ein Brautpaar am Tag der Arbeit

Erster Mai in Potsdam Beinarbeit und ein Brautpaar am Tag der Arbeit

Mehrere hundert Menschen zogen bei der Demonstration zum 1. Mai hinter dem Truck der Gewerkschaften durch die Innenstadt. Schwingende Fahnen, Trillerpfeifen – fast kam ein bisschen Arbeiterklassenflair auf. Für Stimmung sorgte ein als Paar in Brautkleid und schwarzem Anzug auf dem Truck – es sollte die Botschaft der Demo näherbringen.

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Botschaft der Demo, zu der die Gewerkschaften aufgerufen hatten: Lebenszeit ist nicht nur Arbeitszeit

Quelle: Bernd Gartenschläger

Innenstadt. Wer denkt, dass generell am 1. Mai nicht gearbeitet wird, ist schief gewickelt: Die Gewerkschaften arbeiten immerhin daran, dass der ursprüngliche Gedanke des Tages der Arbeit nicht verloren geht. Zwischen 350 und 400 Menschen zogen am Montag hinter einem Truck her, um für die Rechte der Arbeitnehmer zu demonstrieren. Mit dabei: Frank Techen, Regionsgeschäftsführer des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) und Susanne Stumpenhusen, Vorsitzende des Verdi-Landesbezirk Berlin-Brandenburg.

Auf der Ladefläche des Trucks posierten ein junger Mann und eine junge Frau, die als Braut und Bräutigam gekleidet waren. Botschaft: Lebenszeit ist nicht nur Arbeitszeit; Beruf ist nicht alles. In der Hand hielten sie Schaumgummi-Dreiecke mit der Ziffer 35 – symbolisch für die Forderung nach der 35-Stunden-Woche.

Fußgängerfrei hieß es auf der Breiten Straße

Fußgängerfrei hieß es auf der Breiten Straße.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Susanne Feldkötter vom Verdi-Bezirk Potsdam-Nordwestbrandenburg solidarisierte sich in ihrer Rede mit den Personalschlüssel-Forderungen des „Weißen Blocks“ an Kliniken – benannt nach dem Gesundheitsweiß der Arbeitskleidung. Im Demo-Zug wehten einträchtig vereint die Fahnen von SPD, Linken und Grünen im Wind; dazu schrillten ab und zu mehrere Trillerpfeifen.

„Vor ein paar Jahren war noch weniger los am 1. Mai, da war auch die Route kürzer“, erzählte ein Ordner mit langer Erster-Mai-Erfahrung über das Aufleben des Traditionsdatums, das auf einen Generalstreik in den USA am 1. Mai 1886 zurückgeht. Damals ging es darum, eine Verkürzung der Arbeitszeit auf acht Stunden am Tag zu erreichen.

Beinarbeit war beim Marsch gefragt. Denn die Demonstranten wählten nicht den kürzesten Weg, der vom Treffpunkt am Platz der Einheit hinüber zum Landtag am Alten Markt gerade mal fünf Minuten gedauert hätte. Stattdessen wurde das Ganze in eine Art einstündigen Stadtspaziergang verwandelt. Von der Hauptpost über die Friedrich-Ebert-Straße durch die Charlottenstraße, anschließend weiter zur Zeppelinstraße und entlang der Breiten Straße bis zum Alten Markt.

Mit wehenden Fahnen in Richtung Alter Markt

Mit wehenden Fahnen in Richtung Alter Markt.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Zeit genug also, um über die Bedeutung nachzudenken, die der 1. Mai – über die historische Wertschätzung hinaus – für das heutige Potsdam haben kann: „Ganz und gar nicht altmodisch“, findet Bürgermeister und Kämmerer Burkhard Exner (SPD) das Anliegen.

Schließlich gehe es nach wie vor um gute und soziale Arbeitsbedingungen sowie um die Beseitigung von Lohnungleichheit. „Wir haben zum Beispiel wenig Tarifbindung im Land Brandenburg, weil es viele kleine Betriebe gibt“, schilderte Exner ein Problem.

Für SPD-Fraktionschef Pete Heuer ist es wichtig, „die Gewerkschaften in ihren Kämpfen zu unterstützen. Die moderne Arbeitswelt mit ihrer starken Digitalisierung muss heute neu bewertet werden.“

Witziges Detail

Witziges Detail: Obelix schleppte den Hinkelstein.

Quelle: Bernd Gartenschläger

„Die sozialen Gegensätze wachsen auch in Potsdam – deshalb muss man bewusst gegensteuern“, sagte Linken-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg: „Einkommensentwicklung und Arbeit ergeben sich nicht im Selbstlauf.“

Ähnlich äußerte sich Linken-Kreischef Sascha Krämer, der den wahrscheinlich jüngsten Demonstranten – seinen kleinen Sohn im Kinderwagen – mitgebracht hatte: „Auch in Potsdam ist es wichtig, für gerechtere Löhne, bessere Arbeitsbedingungen, mehr Personal im Gesundheits- und Pflegesektor, bezahlbares Wohnen – für mehr Leben und weniger Arbeit auf die Straße zu gehen.“

Die beiden Grünen-Stadtverordneten Andreas Walter und Uwe Fröhlich liefen mit, „weil man der sozialen Kälte etwas entgegensetzen muss“.

Lutz Boede („Die Andere“) wollte den Stadtpolitikern der anderen Parteien die Treueschwüre zur gerechten Sache nicht so recht abnehmen, denn: „Wenn ich sehe, dass uns die Parteien beim Kampf um eine bessere Bezahlung im Ernst-von-Bergmann-Klinikum nicht unterstützen, finde ich das schon komisch“, sagte Boede, der am Alten Markt an einem Unterschriftentisch stand. Dort fand die zentrale Erste-Mai-Kundgebung mit großem Familienfest statt.

Von Ildiko Röd

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