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Potsdam Bekenntnis zu dauerhaftem Kreativ-Quartier
Lokales Potsdam Bekenntnis zu dauerhaftem Kreativ-Quartier
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06:32 26.04.2018
Das Rechenzentrum mit der benachbarten Baustelle für den Wiederaufbau des Turms der Garnisonkirche. Quelle: MAZ
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Innenstadt

Am Sonnabend ist das Ergebnis des Szenario-Workshops zur Zukunft der Kultur- und Kreativwirtschaft präsentiert worden. Fazit: An der Plantage soll ein dauerhaftes Kreativ-Quartier mit zehntausend Quadratmetern Nutzfläche für die Kultur- und Kreativwirtschaft und weiteren zehntausend Quadratmetern für Wohnungen und Gastronomie entstehen. Darauf haben sich Kreative und Vertreter von Politik, Verwaltung sowie Sanierungsträger geeinigt. Wo genau, steht allerdings noch nicht fest. Klar ist nur: westlich des Kutschpferdestalls. Infrage kommen dabei etwa das Gelände der Alten Feuerwache oder des ehemaligen Langen Stalls. Die zehntausend Quadratmeter sind doppelt soviel Fläche wie am Standort Rechenzentrum.

Das Thema eines langfristigen Erhalts des Rechenzentrums als Sitz der Kultur- und Kreativwirtschaft sei bei den drei Sitzungen des Workshops während der vergangenen Wochen bewusst ausgeklammert worden, hieß es am Sonnabend auf Nachfrage. Klar ist nur: Für den Fall, dass die Künstler und Kreativen das Rechenzentrum nach 2023 verlassen müssen, soll ein bruchloser Übergang gewährleistet sein. „Danach ein oder zwei Jahre Pause zu machen, geht nicht“, bekräftigte Jakobs bei der Abschlusspressekonferenz den Anspruch auf Kontinuität.

Bis Ende 2018 sollen die nötigen stadtpolitischen Beschlüsse herbeigeführt werden, um in den nächsten fünf Jahren den dauerhaften Standort der Kultur- und Kreativwirtschaft an der Plantage zu schaffen.

Die Plantage mit der Garnisonkirche und dem Langen Stall (rechts hinter der Kirche) um 1930 Quelle: unbekannt

Doch auch der Weiterbetrieb des Rechenzentrums bis 2023 ist nach jetzigem Stand noch keineswegs gesichert - de facto würde der Mietvertrag der Künstler und Kreativen nämlich bereits Ende August auslaufen. Die Weiterführung hängt von der Zustimmung der Garnisonkirchenstiftung ab, der ein Teil des Rechenzentrumsgrundstücks gehört. Laut Jakobs werden Stiftungsvertreter erneut am kommenden Freitag tagen – er hoffe auf eine Zustimmung.

Baustelle des Rechenzentrums, aufgenommen am 2. Dezember 1969. Quelle: MAZ/MV/Annelies Jentsch

Während das „Wo“ des künftigen Kreativ-Quartiers bei dem Szenario-Workshop eine nachrangige Rolle spielte und im Ungefähren belassen wurde, ging es in erster Linie um das „Wie“ einer Vision für die Ausgestaltung des Ortes: Hier konnten sich die Workshop-Teilnehmer einvernehmlich auf ein Szenario einigen – mit „breitem Konsens“, wie es hieß.

Geplant ist zunächst eine Bedarfsanalyse für die Künstler. Für den Betrieb des Standortes soll eine Rechtsform – zum Beispiel Stiftung oder GmbH – gefunden werden, die den Standort langfristig für die angestrebte Nutzung sichert. Die Stiftung oder eine andere Rechtsform soll dann auch Eigentümerin des Grundstücks werden; den Betrieb des Zentrums könnte eine GmbH übernehmen. Für das Grundstück soll eine Verkehrswertberechnung erstellt werden.

Mosaik am Rechenzentrum. Quelle: Bernd Gartenschläger

Keine Option ist hingegen ein rein kommunal betriebenes Kreativzentrum. Dieses Szenario hatte laut Jakobs zwar auch im Workshop zur Debatte gestanden, war aber verworfen worden. Genauso wenig seien laufende städtische Zuwendungen für den Betrieb geplant, betonte Jakobs. Der Standort soll die Kosten selbst erwirtschaften. Das nunmehr gewählte Modell erfordere ein „hohes Maß an Eigenverantwortung“, auch hinsichtlich der Erwirtschaftung der Mittel, die zum Erhalt des Kreativ-Zentrums erforderlich sind.

Stadtverordnete diskutieren die Pläne

Die Ergebnisse des Szenario-Workshops sollen im April als Mitteilung den Stadtverordneten vorgestellt und im Juni als Beschlussvorschlag zur Vorbereitung der Umsetzung in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht werden.

Verworfen wurde beim Workshop auch das privatwirtschaftliche Modell eines Kreativzentrums, das von einem Privaten errichtet und dann vermietet wird. Das Modell eines Kultur- und Kreativzentrums mit rein basisdemokratischer Orientierung kam aus Sicht der Beteiligten ebenfalls nicht infrage.

Im Vorfeld hatte der Beteiligungsrat kritisiert, dass er vom Oberbürgermeisterbüro von der Teilnahme am Szenario-Workshop ausgeschlossen worden sei. „Es war keine bewusste Ausgrenzung, sondern wir wollten usn bewusst auf die Betroffenen fokussieren“, sagte Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) dazu am Sonnabend.

Wie die Finanzierung des Baus und des anschließenden Betriebs funktionieren könnte, skizzierte der Regisseur Jan Gabbert, der sich in einer der Untergruppen des Workshops mit dem Thema der Rechtsform des Kreativstandorts befasst hatte: Die Grundstücke, die ins Eigentum etwa einer Stiftung überführt werden, stellen die Voraussetzung für die Aufnahme von Bankkrediten dar. Baukosten und laufender Betrieb sollen dann über die Mieteinnahmen finanziert werden.

Blick über die Plantage zur Garnisonkirche. Diese Fotografie entstand in den 1930er Jahren. Quelle: Archiv

Die am Workshop beteiligten Künstler und Kreativen äußerten sich am Sonnabend sehr zufrieden. „Die Verdoppelung der Fläche für die Kultur- und Kreativwirtschaft ist ein Riesenerfolg“, sagte Anja Engel, Kulturmanagerin des Kunst- und Kreativhauses Rechenzentrum.

Kritik an den bestehenden Verhältnissen kam hingegen vom Musiker Christian Näthe, der als Vertreter der Potsdamer Bands an dem Workshop teilnahm. Bei der abschließenden Pressekonferenz machte er auf den derzeit bestehenden Raumbedarf der Musiker aufmerksam.

Kristina Tschesch von der Kulturlobby Potsdam erklärte, mit der dauerhaften Sicherung von Flächen in der Mitte „könnte das ewige Nomadentum der Kreativen in dieser Stadt endlich beendet werden“. Allerdings liege nun noch ein langer Planungs- und Gestaltungsprozess vor allen Beteiligten, betonte Tschesch.

Die Ergebnisse des Workshops sollen im April als Mitteilung den Stadtverordneten vorgestellt und im Juni als Beschlussvorschlag zur Vorbereitung der Umsetzung in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht werden.

Von Ildiko Röd

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