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Beliebtes Babelsberg: Dorf, ohne Dorf zu sein

MAZ-Stadtteilserie Beliebtes Babelsberg: Dorf, ohne Dorf zu sein

Dritter Teil unserer Potsdamer Kiezserie: Babelsberg, einst städtebauliches Schmuddelkind, hat sich rausgeputzt. Ob in Cafés, Raucherbars, Eisdielen, Fußballkneipen oder gediegenen Restaurants – vielerorts kann man hier Fünfe grade sein lassen. Babelsberg ist zu einem der beliebtesten Quartiere geworden.

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Auf dem Weberplatz vor der Friedrichskirche lässt es sich schön entspannen.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Babelsberg. Zwei Dinge fallen einem sofort ein, wenn man über Babelsberg nachdenkt: Film und Fußball. Dank der hier immer mal wieder arbeitenden Hollywoodstars von George Clooney bis Claire Danes gehören die mehr als 100 Jahre alten Filmstudios an der August-Bebel-Straße zur Champions League. Aufgeregt ist deshalb niemand wirklich – weil etliche alteingesessene Babelsberger zu DDR-Zeiten selbst mal in den Defa-Studios gearbeitet haben. Und weil die scheuen Stars eh nicht im Stadtbild auftauchen. Wer Filmluft schnuppern will, kann das seit 1991 im benachbarten Filmpark Babelsberg mit seinen Stunt- und Musketiershows. Filmfans kommen seit bald 100 Jahren im Thalia-Kino auf ihre Kosten. Wer das sportliche Vergnügen der Fußball-Regionalliga Nordost sucht, geht ins kleine, aber feine Karl-Liebknecht-Stadion zum Traditionsverein SV Babelsberg 03.

In den vergangenen Jahren hat sich Babelsberg, einst städtebauliches Schmuddelkind, rausgeputzt. Ob in Cafés, Raucherbars, Eisdielen, Fußballkneipen oder gediegenen Restaurants – vielerorts kann man hier Fünfe grade sein lassen. „Babelsberg ist zu einem der beliebtesten Quartiere in Potsdam geworden“, sagt Jan Kickinger, beim Stadtkontor für die Babelsberger Sanierungsgebiete zuständig. In einem Vierteljahrhundert ist der Kiez praktisch runderneuert worden. Die Stadtkontor-Bilanz: In Babelsberg Nord ist das Straßennetz zu etwa 80 Prozent saniert. Städtische Gebäude sind weitgehend modernisiert, bei etwa zehn Prozent der Wohnhäuser gibt es noch Sanierungsbedarf. In Babelsberg Süd sind seit 2014 die Erneuerung des Straßennetzes und der städtischen Gebäude beendet. Rund zehn Prozent der privaten Gebäude müssen noch saniert werden. „Der Stadtteil hat sich positiv entwickelt“, so Kickinger. Eines der letzten unsanierten Häuser steht an der Ecke Liebknecht-/Breitscheid-Straße. Eine über die Welt verstreute Erbengemeinschaft hat sich nun endlich geeinigt – möglich, dass noch in diesem Jahr dort die Bauarbeiten starten. „Ich bin optimistisch“, sagt der gebürtige Babelsberger.

Gefragt nach den Schwächen des Stadtteils, landet Kickinger beim Einzelhandel: „Ein bisschen schwierig“ sei die Situation nach wie vor. Und richtig: Dem ausgiebigen Shoppen frönt man nicht in Babelsberg. Alles, was man zum täglichen Leben braucht, gibt es zwar, außerdem Haushaltswaren, Elektrogeräte, Fahrräder, Klamotten und Parfüm, aber mit Stern-Center, Potsdamer Innenstadt und Berliner Einkaufstempeln sei der Stadtteil „umzingelt“ von attraktiven Angeboten, sagt Kickinger. Der Weberpark, versteckt an der Tuchmacherstraße liegend, beherbergt Super- und Drogeriemärkte, Heimtierbedarf, hat sich ansonsten auf medizinische Serviceleistungen spezialisiert.

Motor für den Einzelhandel sollen Babelsbergs Feste sein – wie der beliebte Böhmische Weihnachtsmarkt, der erneut an zwei Wochenenden stattfinden wird. Und nach zwei Jahren Pause steigt vom 10. bis 12. Juni wieder ein Weberfest – ohne „Böhmischen“ Zusatz, dafür mit frischem Konzept. Tradition und Moderne sollen verbunden, Raum für lokale Künstler geschaffen werden, so Kickinger. Lokale Künstler finden immer wieder auch im soziokulturellen Zentrum Lindenpark – 1900 als Ausflugslokal erbaut – ein Zuhause.

Ein Zuhause ist Babelsberg seit den 1990ern für den Künstler Fredo Folcini. Schwerlich kann man mit dem 56-Jährigen in einem Straßencafé sitzen, ohne dass jemand ein Hallo rüber ruft oder kurz auf einen Schwatz bleibt. Folcini ist das, was man einen „bunten Hund“ nennt. Der Regisseur, Drehbuchautor und Maler ist kiezbekannt – auch dank unermüdlicher Genusstouren durch die bunte Gastroszene. Was Folcini an seinem Quartier liebt? „Die Babelsberger sind eine nette, kleine, eingeschworene Gemeinschaft“, sagt er und witzelt: „Wenn ich mal nach Potsdam will, dann brauche ich ein Visum.“ Damit spielt Folcini auf das besondere Selbstverständnis der Babelsberger an. Man gehört zwar stadtpolitisch seit 1939 zu Potsdam, doch ein Babelsberger würde sich nur unter Schmerzen als Potsdamer bezeichnen. Babelsberg ist ein Dorf, ohne dörflich zu sein. Und die Bewohner bleiben gern daheim. Das wird in den nächsten Monaten einfacher als bisher. Wegen Bauarbeiten fährt zwischen S-Bahnhof Griebnitzsee und Hauptbahnhof Schienenersatzverkehr. Und wegen der umfassenden Sanierung am S-Bahnhof Babelsberg enden die Tramlinien 94 und 99 am Rathaus.

Von Ricarda Nowak

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