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„Benötigt würde ein Anbau“

Interview zum Potsdam-Museum „Benötigt würde ein Anbau“

Die Landeshauptstadt besitzt mit ihrer großen Sammlung an bildender Kunst einen Schatz, der im Depot schlummert, weil Ausstellungsmöglichkeiten fehlen: Der Vorsitzende des Fördervereins, Markus Wicke, über den Erweiterungsbedarf des Potsdam-Museums.

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Markus Wicke, der Vorsitzende des Museums-Fördervereins.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Innenstadt. Stadt und Land wollen erheblich in die Modernisierung des Hauses der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte (HBPG) investieren. Das weckt Begehrlichkeiten auch am anderen Ende des innerstädtische Museumsquartiers.

Wie bewerten Sie die angekündigte Neuausrichtung des HBPG?

Markus Wicke: Das war sicher überfällig. Überrascht waren wir über die Aussage, dass die Stadt sich in Größenordnungen daran beteiligt, schließlich handelt es sich vorrangig um eine Einrichtung des Landes. Wir gönnen das natürlich dem HBPG, aber dann müssen wir uns auch fragen: Was ist denn das parallele Angebot der Stadt Potsdam an ihr eigenes Museum? Wir haben uns als Verein sehr in unseren Forderungen zurück gehalten, was zusätzliche Investitionen für das Haus angeht. Aber das ist jetzt vorbei. Mit dem Beschluss, auch künftig jährlich eine Million Euro der Stadt in die Pflege der Anlagen von Schlössern und Gärten zu zahlen, gibt es einen weiteren Grund. Es scheint genug Geld für die Aufgaben Anderer da zu sein. Aber dann ist es an der Zeit, dass auch das eigene Haus bedacht wird, nämlich das Potsdam Museum. Denn es ist genau wie das HBPG von der veränderten Situation in der Mitte betroffen. Vor allem durch das Museum Barberini als direktem Nachbarn.

Was fordern Sie?

Erster Punkt ist die Neuausrichtung der ständigen Ausstellung zur Stadtgeschichte. Hier gibt es aber erfreulicherweise bereits Bewegung. Zweiter Punkt, da sind wir wesentlich unzufriedener, ist die Depotsituation. Im Herbst sollte ein Sachstand zum geplanten Zentraldepot her, der ist aber aufs nächste Jahr verschoben worden. Es gibt weder einen Zeitplan, noch einen Ort, noch eine Finanzierung dafür. Das Thema drängt, denn sämtliche aktuell genutzten Depots sind nur Provisorien. Die Stadt bezeichnet sich immer als Kunst- und Kulturstadt und hier geht es genau um die Kunst- und Kulturschätze der Stadt.

Wäre der Depotneubau der Schlösserstiftung an der Friedrich-Engels-Straße ein Modell für das Projekt der Stadt?

Das kann ich so nicht sagen, weil wir den Bedarf beim städtischen Depot nicht kennen, das auch Bestände der Denkmalpflege und des Stadtarchivs aufnehmen soll. Aber die Stiftung hat da einen Befreiungsschlag unternommen, der ihr großartig gelungen ist. Und man soll sich ja immer an den besten orientieren.

Steht noch das Thema einer Erweiterung des Museums für die bildende Kunst, das 2015 im Museumskonzept festgeschrieben wurde?

Sicher. Vorgesehen war dafür der Galerieraum im Sockelgeschoss des Hauses. Da ist Museumsdirektorin Jutta Götzmann aber der Meinung, dass dieser Raum für Sonderausstellungen unverzichtbar ist. Also reden wir über eine Erweiterung. Und das ist auch keine vermessene Forderung. Potsdam ist die einzige Stadt in dieser Größenordnung in Deutschland, die über keine ständige Kunstausstellung verfügt, in der sie ihre städtische Sammlung präsentiert. Schauen Sie sich etwa die Städtische Galerie in Dresden oder das Behnhaus Drägerhaus in Lübeck an. Die Erweiterung wäre sinnvoll auch für den selbstbewussten Auftritt der Stadt gegenüber dem Barberini. Das Alte Rathaus mit dem Potsdam-Museum ist das Schaufenster der Landeshauptstadt am Alten Markt. Und da muss es sich die Stadt auch leisten, ihre Künstler zu präsentieren. Wir haben in Potsdam sehr gute Orte für die zeitgenössische Kunst – den Kunstraum, das Kunsthaus, das sans titre, es gibt tolle Privatgalerien. Aber es gibt keinen dauerhaften Ort für die Präsentation der Geschichte der Potsdamer Kunst mit Künstlern, die in Potsdam gewirkt haben, die in Potsdam gelebt haben, oder die Potsdam als Motiv hatten.

Gäbe die Sammlung des Museums so eine Dauerausstellung denn überhaupt her?

Absolut. Auch da gibt es ja ein Konzept. Ein Sammlungskonzept, in dem alles benannt ist. Wir haben Landschaftsmaler mit überregionaler Ausstrahlung aus dem Potsdamer Raum wie Karl Hagemeister und Philipp Franck, wir haben Carl-Gustav Wegner. Wir haben die Künstler des 20. Jahrhunderts, Hans Klohss, Otto Heinrich. Wir haben den riesigen Bestand aus der Zeit der DDR mit Künstlern wie Barbara Raetsch, Karl Raetsch, Peter Rohn – die Liste kann man ewig fortsetzen. Das Potsdam-Museum hat mit der Geburtstagsrunde von Karl Raetsch gerade ein einziges Potsdamer Gemälde in der aktuellen DDR-Kunstausstellung des Barberini, was einmal mehr zeigt, dass das Barberini richtigerweise nicht den Fokus auf Potsdamer Künstler hat.

Warum genügt es nicht, wenn das Museum immer wieder einmal mit einer Sonderausstellung einen Blick auf seine Schätze gewährt?

Das Potsdam-Museum muss den regionalen Fokus pflegen, und das kann sich nicht in Sonderausstellungen erschöpfen. Wir haben in der Sammlung auch Werke mit überregional bekannten Künstlern aus der DDR-Zeit wie Kurt Querner, Ilse Fischer, Magnus Zeller. Es gab im damaligen Kulturhaus am Alten Markt einen eigenen Raum für eine Schenkung mit großartigen Werken von Otto Niemeyer-Holstein. Auch diese Arbeiten sind seit Jahren im Depot und werden nicht gezeigt. Ich glaube, das Interesse daran wäre sehr groß. Ich kenne sehr viele private Sammler in Potsdam, die sagen, dass sie es toll fänden, wenn diese Bilder gezeigt würden. Wir haben es auch bei den schönen Sonderausstellungen wie „Stadtbild – Kunstraum“ oder „Die wilden 80er“ gemerkt, dass das Interesse an Potsdamer Kunst groß ist. Nicht zuletzt erleben wir auf dem Kunstmarkt, wie die Preise für Potsdamer Bilder etwa von Karl Hagemeister, Hans Klohss oder Otto Heinrich gerade durch die Decke gehen. In Potsdam aber, wo es den größten Bestand ihrer Arbeiten gibt, werden sie nicht dauerhaft gezeigt.

Wo sollte die Erweiterung für eine ständige Kunstausstellung denn überhaupt hin?

Da der Platz im Haus nicht ausreicht, müsste man über einen Anbau nachdenken. Benötigt würden vielleicht 800 Quadratmeter für eine angemessene Ausstellung. Man könnte hinten anbauen, da war ohnehin einmal ein Platz für Plastiken vorgesehen. Und wenn das nicht geht, muss man über eine Filiallösung an anderer Stelle nachdenken. Dass das nicht von heute auf morgen geht, ist uns klar. Aber wenn die Stadt sagt: Ja, das wollen wir, dann können wir als Verein zum Beispiel sagen, wir legen eine Spendenkampagne auf, die sehr groß sein wird. Es gibt in Potsdam mittlerweile viele private Kunstsammler, die ein Interesse daran hätten. Ein weiterer Punkt ist, dass das Potsdam-Museum ständig Geschenke und Leihgaben bekommt, die auch nicht gezeigt werden können. Man braucht einen Ort, um diese Neuerwerbungen zeigen zu können. Das Potsdam Museum hat gerade Bilder von Bernhard Heisig als Dauerleihgabe, sie wurden kurz gezeigt und sind jetzt wieder verschwunden. Sein großartiger „Fensteröffner“ gehört eigentlich ständig präsentiert. Es gibt auch immer wieder Leute die sagen, sie würden dem Museum gern etwas schenken. Aber wo wird es landen? Ach, im Depot. Na, das ist ja nicht so schön.

Wie ist die Lage bei der umfangreichen fotografischen Sammlung?

Auch da gibt es Platzprobleme: Man kann Fotos nicht ständig ausstellen. In der Moritzburg in Halle beispielsweise gibt es eine wechselnde Ausstellung zum Fotobestand. Wir haben eine tolle Fotosammlung im Museum, es gibt auch immer wieder Sonderausstellungen, aber auch da sollte man eine ständige Präsenz haben. In der Ausstellung zur Stadtgeschichte gibt es einen Fotoraum, der aber eher historischen Charakter hat. Aber die Leute vergessen, dass wir einen Rom-Preisträger in der Stadt haben – Göran Gnaudschuhn, der letztes Jahr in der Villa Massimo war und gerade fast jede Woche überregional in der Zeitung ist. Oder Frank Gaudlitz. Mit solchen Leuten, die auch international bekannt sind, können wir uns ja schmücken. Deshalb sollte nicht nur die bildende Kunst eine Rolle spielen in der ständigen Ausstellung, sondern auch die Fotografie.

Das Alte Rathaus wurde für das Potsdam-Museum erheblich umgebaut und vor gerade fünf Jahren neu eröffnet. Klingt das alles vor diesem Hintergrund nicht etwas vermessen?

Damals war das Museum Barberini noch nicht da. Es konnte keiner ahnen, dass der Scheinwerfer sich damit noch einmal schärfer auf das Alte Rathaus richtet. Die Stadt wäre gut beraten, jetzt noch einmal Geld zu investieren. Es gibt ein großes Interesse an dem Haus, es war eine gute Entscheidung, das Museum dort neu zu eröffnen. Aber die Stadt muss es noch einmal anders aufstellen.

Der Förderverein des Potsdam-Museums

Der Förderverein des Potsdam-Museums wurde 2005 von Mitarbeitern des Hauses wie Hannes Wittenberg und Peter Hermann, dem früheren Generaldirektor der Schlösserstiftung Hans-Joachim Giersberg und dem Stadthistoriker Hartmut Knitter gegründet. Markus Wicke ist seit 2006 ehrenamtlicher Vorsitzender.

Erste Initiative des Vereins war ein Memorandum zum drohenden Niedergang des Potsdam-Museums, das damals ein Schattendasein in einem Holänderhaus in der Benkertstraße führte.

Eine zentrale Forderung, der Umzug in einen repräsentativen Sitz, wurde mit dem Umbau des Alten Rathauses erfüllt, das ab 2012 schrittweise als „Potsdam-Museum – Forum für Kunst und Geschichte“ neu eröffnet werden konnte.

Der Verein hat aktuell 225 Mitglieder und konnte 2017 aus Spenden 44 000 Euro zur Förderung des Museums zur Verfügung stellen. Weitere Informationen im Internet unter www.wirtragen.org

Von Volker Oelschläger

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