Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Zombie-Demo: Bergmann-Beschäftigte protestieren für bessere Arbeitsbedingungen
Lokales Potsdam Zombie-Demo: Bergmann-Beschäftigte protestieren für bessere Arbeitsbedingungen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:22 02.02.2019
Am 30.01.2019 Mitarbeiter des Bergmanns Klinikum protestieren Quelle: varvara Smirnova
Potsdam

Rund 200 Beschäftigte des Potsdamer Klinikums Ernst-von-Bergmann sind am Mittwoch für bessere Arbeitsbedingungen auf die Straße gegangen. Viele von ihnen hatten sich als Zombies und Geister verkleidet, um auf ihre Überlastung aufmerksam zu machen. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hatte zu dem Protest aufgerufen. Das Klinikum ist ein kommunales Krankenhaus: Die Stadt Potsdam ist der alleinige Gesellschafter, Oberbürgermeister Mike Schubert fungiert als Aufsichtsratsvorsitzender. Deshalb zog die Demonstration zum Rathaus, dort tagte zeitgleich die Stadtverordnetenversammlung.

„Wir gefährden täglich Menschenleben“

„Wir wollen einfach Antworten“, begründete eine Krankenschwester den Protest. Sie arbeitet in der Zentralen Notaufnahme, ihren Namen möchte sie – ebenso wie ihre Kollegen auf der Demonstration – nicht nennen. „Die Bedingungen zur Patientenversorgung werden immer schlechter, wir gefährden hier täglich Menschenleben“, sagte ein Arzt, der sich dem Zug angeschlossen hat.

Zu wenig Zeit für die Patienten, Mehrbelastung durch hohe Krankenstände, wirtschaftlicher Druck auf die Angestellten: Die Klagen der Beschäftigten wiegen schwer. „Wir haben alle ein Helfersyndrom“, sagte eine der Notaufnahme-Schwestern, „sonst hätten wir diesen Beruf ja nicht gewählt. Dies nutze ihr Arbeitgeber aber bewusst aus, sagt die Frau: „Wenn jemand ausfällt, klingelt eben das Telefon und es heißt, du musst den jetzt ersetzen.“ Sie sage dann nicht nein, weil sie wisse, dass sonst die Patienten leiden müssten, sagte die Krankenschwester.

Krankenhaus-Sprecherin Damaris Hunsmann verteidigte diese Politik: „Es ist ein ganz normaler Vorgang in jedem Krankenhaus, dass Dienstpläne geändert werden, wenn jemand krank wird“, sagt sie. Die Krankmeldungen im vergangenen Jahr bewegten sich auf normalem Niveau, sagte Damaris Hunsmann auf MAZ-Anfrage.

Mehr als 2000 Überlastungs-Anzeigen

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi widerspricht: „Im vergangenen Jahr gab es im Potsdamer Klinikum 2221 Gefährdungsanzeigen wegen Überlastung“, sagte die Gewerkschafterin Susanne Feldkötter. Zudem fordern die beschäftigten mit Unterstützung der Gewerkschaft einen neuen Tarifvertrag, der an sich an West-Löhnen orientiert und den Wiedereintritt in den kommunalen Arbeitgeberbund. „Wir versuchen seit drei Jahren, einen neue Tarifrunde anzusetzen“, hält Kliniksprecherin Damaris Hunsmann dagegen. Es scheitere nicht am Klinikum, sondern an der Gewerkschaft. „Wir zahlen seit einiger Zeit freiwillige Zuschläge, um unsere Mitarbeiter nicht zu benachteiligen.“

Zu wenig Zeit für die Patienten, Mehrbelastung durch hohe Krankenstände, wirtschaftlicher Druck auf die Angestellten: Die Klagen der Beschäftigten wiegen schwer. Freie Tage würden gestrichen, wenn ein Kollege ausfiele. Krankenhaus-Sprecherin Damaris Hunsmann verteidigte das: „Es ist ein ganz normaler Vorgang in jedem Krankenhaus, dass Dienstpläne geändert werden, wenn jemand krank wird“, sagt sie. Die Krankmeldungen im vergangenen Jahr bewegten sich auf normalem Niveau, sagte Damaris Hunsmann auf MAZ-Anfrage.

Dem Wiedereintritt in den Kommunalen Arbeitgeberverband erteilte Oberbürgermeister Mike Schubert eine Absage. „Das Krankenhaus kann das nicht finanzieren, also müsste das Geld aus dem Kommunalhaushalt kommen.“ Dies sei in den vergangenen Jahren mehrfach angegangen worden, aber an der aufzubringenden Summe von rund vier Millionen Euro gescheitert. Auch Mike Schubert kritisierte die Gewerkschaft: „Seit zwei Jahren gibt es ein Gesprächsangebot von mir, doch es wird nicht angenommen.“ Dass Probleme im Klinikum bestünden und gelöst werden müssten, sei jedoch klar.

Von Saskia Kirf

Er war in der Nacht zum Samstag in Bergholz-Rehbrücke mit seinem Motorrad auf winterglatter Fahrbahn ausgerutscht und hatte sich lebensbedrohlich verletzt. Jetzt ist der 36-Jährige im Klinikum seinen Verletzungen erlegen. Offenbar war Glätte nicht der einzige Unfallgrund.

30.01.2019

Die Verwaltung fordert den Abriss des Kinderbauernhofs Groß Glienicke, weil seine Bauten ohne Genehmigung saniert wurden und im Landschaftsschutzgebiet liegen. Ein Gutachten widerspricht dem klar.

30.01.2019

Aus dem Rathaus kamen bisher vor allem Einwände – Landschaftsschutzgebiet, seltene Tierarten, kein Bedarf. Doch mit dem Bau eines Privat-Badebeckens für die Wohnanlage „Havelwelle“ gewinnt auch das Projekt einer öffentlichen Badestelle für Potsdam-West wieder an Schwung.

02.02.2019