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Potsdam Beschuldigter fühlte sich Gott gleich
Lokales Potsdam Beschuldigter fühlte sich Gott gleich
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00:20 04.08.2018
Das „Minsk" war bis zur Bluttat Ende Oktober 2017 eine Zuflucht für Obdachlose. Quelle: MAZ-Archiv
Potsdam

Die beiden Pakistaner kamen Sonntagmittag auf die Wache. Mit Händen und Füßen und ein paar Brocken Englisch gaben sie den Polizisten zu verstehen, dass am Brauhausberg Schreckliches geschehen ist. Von zwei Toten ist die Rede. Über einen Trampelpfad gelangen die Beamten wenig später auf die Terrasse des ehemaligen Restaurants „Minsk“. Dort liegt Marek W. – aschfahl, kalt, das Blut auf seinen Wunden ist schon trocken.

„Wir sind sofort von einem Tötungsdelikt ausgegangen“, sagt Dienstgruppenleiter Hans H. Er habe umgehend die Mordkommission und die Kriminaltechnik angefordert. Danach sei er mit seinen Leuten den Blut- und Schleifspuren gefolgt: durch eine unverschlossene Nebentür hinein ins Gebäude, die Treppe hinauf, quer durch den ehemaligen Speise- und Tanzsaal, über den kleinen Flur in ein fensterloses Nebengelass, das vielleicht mal eine Vorratsraum war. „Dort standen zwei Betten“, berichtet H. Der Mann, den die Polizisten dort finden, lebt – an seinen Schuhsohlen klebt Blut.

Die Polizei nimmt zunächst jemand anderen als Tatverdächtigen fest

Die Beamten nehmen den Mann, der kaum Deutsch spricht und ihnen die Farbkopie eines rumänischen Ausweises vorlegt, vorläufig fest: Er steht unter Verdacht, Marek W. so zugerichtet zu haben – bis Slawomir M. am Tatort erscheint und sich bekennt. „Ich wollte ihn nicht töten“, sagt er den Polizisten. „Ich bin kein Mörder. Aber ich habe mich mit Marek geschlagen und ich habe ihn da liegen gelassen.“

Seit Montag steht Slawomir M. vor dem Landgericht Potsdam, das darüber befinden muss, ob er dauerhaft in einem psychiatrischen Krankenhaus unterzubringen ist. Der 42-jährige Pole soll zur Tatzeit Ende Oktober 2017 schuldunfähig gewesen sein. „Ich war in einem schwierigen psychischen Zustand“, so M. – mit psychiatrischen Dingen habe er ja schon „eine gewisse Erfahrung“.

„Ich kann mir das einfach nicht verzeihen“

Beinahe zehn Jahre seines Lebens hat Slawomir M. in Nervenkliniken verbracht, weil er unter paranoid-schizophrenen Schüben leidet. Um die Jahrtausendwende hat er seine Mutter erschlagen. „Ich habe sie sehr geliebt“, so M. „Ich kann mir das einfach nicht verzeihen. Ich hatte damals eine fürchterliche Psychose und war nicht schuldfähig. Aber das wird mich bis zum Ende meines Lebens bedrücken.“

Dass Slawomir M. womöglich wieder in eine Psychose abgleitet, dafür gab es im Herbst 2017 Vorzeichen. Vor der Tat im Minsk habe er sich großartig, Gott und Jesus ähnlich gefühlt. „Ich hatte den Eindruck, dass ich ein Außergewöhnlicher bin“, sagt M. Die Polizei habe ihn einmal in die Aue gebracht. „Aber ich wollte nicht in ein psychiatrisches Krankenhaus“, sagt M. „Deshalb habe ich den Arzt dort hinters Licht geführt und gesagt, dass alles in Ordnung ist.“

Wahnvorstellungen von einem unguten Geist

Aber: Nichts ist in jenen Tagen in Ordnung. „Mir schien, dass im Minsk ein unguter Geist herrscht“, so Slawomir M. „Ich war mir dessen bewusst, dass das vielleicht eine Wahnvorstellung ist.“ Seine Wut, seine Raserei, die er am 28. Oktober 2017 an drei Trinkkumpanen ausließ und die Marek W. zum Verhängnis wurde, könne er sich dennoch nicht erklären: „Zwanzig Jahre war mir das nicht passiert.“

Bevor er sich der Polizei stellte, war Slawomir M. schon einmal zum Tatort zurückgekehrt. „Ich habe Mareks Puls gefühlt und seinen Herzschlag – da war aber nichts mehr“, sagt er. Dann habe er Angst bekommen, dass er den beiden anderen Bekannten auch „etwas Heftiges angetan“ habe. Auf die Frage des Vorsitzenden Theodor Horstkötter, ob er geweint habe, zögert Slawomir M. einen Augenblick. „Es ist möglich“, sagt er dann. „Es ist eine furchtbare Sache, wenn ein Mensch nicht mehr am Leben ist.“

Der Prozess wird am morgigen Donnerstag fortgesetzt.

Von Nadine Fabian

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