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Besetzung mit Ansage – so lief sie ab

Fachhochschule Potsdam Besetzung mit Ansage – so lief sie ab

Seit Wochen hängen in der Stadt Plakate, auf denen eine Besetzung der Potsdamer Fachhochschule als Alternative zum Abriss angepriesen wird. Die Großaktion am Donnerstag kam also wenig überraschend. Für manche am Alten Markt ist an diesem Tag klar, dass sie der Stadt nichts mehr glauben, berichten unsere Reporterinnen.

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Protest gegen FH-Abriss geht weiter

Feuerwehr, Demonstranten und Schaulustige am Gebäude der Fachhochschule Potsdam während des Protests gegen den geplanten Abriss.
 

Quelle: MAZonline

Potsdam.  Die junge Frau mit den weißblonden Dreadlocks bekommt lauten Applaus, als sie das Gebäude verlässt. Die rund 200 Teilnehmer des Protestcamps vor der Fachhochschule klatschen und jubeln – die Frau im Maleranzug hatte sich zuvor vom Dach der Fachhochschule abgeseilt und begonnen, die Fassade zu streichen. Zwar wurde die Aktion nach wenigen Minuten von Polizei und Feuerwehr unterbunden. „Aber wenigstens konnten wir mal anfangen, umzugestalten.“

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Potsdam, 13. Juli 2017: Aktivisten haben am Donnerstag die Fachhochschule am Alten Markt besetzt, um gegen den geplanten Abriss zu protestieren.

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Anfangen, umzugestalten – so könnte das Motto der FH-Besetzung und des Protestcamps vor dem wenig schmucken Gebäude lauten. Stattdessen prangt an der Hochschule ein Banner „Bitte stehen lassen“, das Camp hat sich selbst den Titel „Protestcamp gegen die Abrisspolitik der Stadt, die Menschen zu Besetzungen zwingt“ gegeben. „Wenig griffig“, wie auch Anmelder André Tomczak zugeben muss. Das Camp firmiert als Demonstration, bis Sonntag Abend sollen die Sofas, Stühle und Teppiche auf dem Alten Markt bleiben. Sogar eine Skate-Rampe haben die Camper mitgebracht. Und einen runden Tisch. Der war eigentlich – gleich dem historischen Vorbild – als Diskussionsort gedacht, ist aber nun zum Buffet umfunktioniert worden. Blechweise Kuchen, dazu frisches Obst, Getränke, sogar heißen Kaffee gibt es hier.

 Spontan wirken Camp und Besetzung nicht gerade. Zumal seit Wochen in der Stadt Plakate hängen, auf denen eine Besetzung als Alternative zum Abriss angepriesen wird. Eine, die am Donnerstag Nachmittag kaum zur Arbeit kommt, ist Nele Hübner. Die 21-jährige ist studentische Mitarbeiterin an der FH. Nur mit Mühe kann sie die Polizisten am Eingang überzeugen, sie ins Gebäude zu lassen. Dennoch hat Hübner Verständnis für das Vorgehen der Abrissgegner. „Ich bin ganz klar für den Erhalt des Gebäudes“, sagt die Studentin, „es muss ja nicht so aussehen wie jetzt.“ Sie versteht nicht, dass es so wenig gesicherte Fakten über die Zukunft des Areals gibt. „Mal geht es um Sozialwohnungen, mal um Luxusappartements, ich weiß nicht, was ich glauben soll“, sagt Nele Hübner.

Für andere am Alten Markt ist klar, dass sie der Stadt gar nichts mehr glauben. Diese hatte ein Bürgerbegehren mit etwa 15 000 Unterschriften zum FH-Erhalt für ungültig erklärt. „Für viele engagierte Potsdamer war das ein Schlag ins Gesicht“, sagt ein Aktivist.

Gekippt ist die Stimmung trotz der Anspannung nicht. Kurz nach 18 Uhr kommt ein Polizist in voller Montur lächelnd aus dem Gebäude. „Aus unserer Sicht ist die Situation hier entspannt“, sagt Polizeisprecher Torsten Herbst. Ein paar Meter über ihm schauen eine Handvoll Besetzer ebenso lächelnd aus dem Fenster wie der Polizist zuvor. Unten verlässt eine Gruppe bunt kostümierter junger Frauen das besetzte Haus. Eine Diskussionsrunde, die bereits vor mehreren Wochen angemeldet worden war und in der Mensa der FH stattfinden sollte, wurde nach draußen verlegt.

Am Nachmittag gab es einen Zwischenfall, bei dem die Polizei eingreifen musste: Die Besetzer seilten kurz einen Rucksack ab, vermutlich um ihre Kleidung zu wechseln. Der junge Mann, der den Rucksack in Empfang nahm, hatte sich unbemerkt aus dem Staub machen wollen. Als ihm Polizisten folgen, stellen sich ihnen Einzelne aus dem Protestcamp in den Weg, andere pfeifen.

Dann ist die Situation wieder entspannt. Die Diskussion, die mehr ein Vortrag von Tomczak ist, endet wenige Minuten später mit einem Appell. „Bleibt hier, am besten direkt vor dem Eingang“, gibt Tomczak den Protestcampern zum Abschluss mit. Denn die saßen bereits mit mehreren Sofas vor der Tür, obwohl niemand mehr rein oder raus darf. Bis in die Nacht blieb die Situation entspannt. Gegen 22.45 Uhr wurden die letzten Besetzer aus der Mensa geholt und verließen dann nach langwieriger Feststellung ihrer Personalien das Haus.

Draußen spielte eine Band. Für Irritation und Lärm sorgte zuletzt ein Polizeihubschrauber. „Was macht der hier“, fragte ein Twitter-Nutzer. „Die Statik kontrollieren?“

Von Saskia Kirf und Victoria Barnack

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