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Potsdam Besoffen von der Dauer-Hitze
Lokales Potsdam Besoffen von der Dauer-Hitze
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19:42 24.07.2013
Im Film „Falling Down“ mimt Michael Douglas einen Autofahrer, der an einem heißen Sommertag im Stau steckt und schließlich die Nerven komplett verliert. Quelle: Promo
Postdam

Die Hitze macht den Potsdamer Autofahrern offenbar zu schaffen. Ablesbar ist das an den steigenden Unfallzahlen der vergangenen Tage. Dabei kommt es nach Angaben der Polizei derzeit besonders häufig zu Zusammenstößen zwischen Radlern und Autofahrern.

Waren am Montag bereits drei Kollisionen im Stadtgebiet gezählt worden, kam es am Dienstag erneut zu zwei gleichartigen Unfällen. In einem Fall hatte ein 73-jähriger Autofahrer beim Linksabbiegen in der Rudolf-Breitscheid-Straße auf Höhe der Daimlerstraße eine 14-jährige Radlerin übersehen und stieß mit ihr zusammen. Das Mädchen stürzte und zog sich Verletzungen an der Schulter zu.

"Es gibt für uns einen klaren Zusammenhang zwischen der derzeitigen Witterung und der steigenden Unfallzahl", sagte eine Polizeisprecherin gestern. Die Konzentration der Autofahrer in den überhitzten Wagen lasse nach, Staus und die vielen Baustellen in der Stadt tun ihr Übriges. Am Montag war ein Fußgänger in der Charlottenstraße von einem Auto gestreift worden und fiel auf die Fahrbahn. Er starb später an seinen schweren Kopfverletzungen.

Aucn Carla Bormann, Sprecherin beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR), sieht einen klaren Zusammenhang zwischen steigenden Temperaturen und erhöhten Unfallzahlen. "Hitze hat auf Autofahrer einen ähnlichen Einfluss wie erhöhter Alkoholkonsum", sagte die Expertin gestern der MAZ. Der Mensch fange bereits ab 27 Grad Celsius an zu schwitzen, der Organismus müsse den Körper herunterkühlen, was extrem anstrengend sei. "Folgen sind Konzentrations- und Reaktionsminderung, Stressgefühl, Müdigkeit, Aggression und Reizbarkeit", erklärt Bormann.

Besonders ältere Verkehrsteilnehmer seien anfällig, da sie schneller unter Kreislaufbeschwerden leiden. Das beginne bereits ab einem Alter von etwa 45 Jahren, so Bormann. Beim tödlichen Unfall am Montag in der Charlottenstraße war der Autofahrer wie berichtet 78 Jahre alt, in den Radunfall am Dienstag war ein 73-Jähriger verwickelt. Ob es in den beiden Fällen einen Zusammenhang zwischen Hitze und dem Alter der Fahrer gab, ist allerdings noch nicht geklärt.

Allgemein gelte, so die Expertin vom Verkehrssicherheitsrat: Wer sein Auto in der prallen Sonne parkt, riskiere Temperaturen von bis zu 75 Grad Celsius. Bormann rät daher, das Auto in den Schatten zu stellen, vor Fahrtbeginn gut durchzulüften und die Klimaanlage nicht zu stark aufzudrehen. Der Unterschied zur Außentemperatur sollte nicht größer als sechs Grad Celsius sein. "Viel trinken ist ebenfalls wichtig, aber nicht zu kalte Getränke", rät Bormann. Die Menschen neigten dazu, bei starker Hitze kalte Getränke zu sich zu nehmen. Besser seien jedoch Getränke in Zimmertemperatur, beispielsweise lauwarme Tees oder Wasser.

Die Unfallforschung des Allgemeinen Deutschen Automobilclubs (ADAC) hat in einer aktuellen Untersuchung festgestellt, dass sich besonders viele Verkehrsunfälle an heißen Sommertagen mit Temperaturen von 25 Grad Celsius und mehr ereignen, teilte Izabela Grzywacz, Sprecherin des ADAC Berlin-Brandenburg mit. "Jeder siebte Verkehrsunfall mit Verletzten ereignet sich an solchen heißen Sommertagen", sagt Grzywacz. Hauptursachen dafür seien die Fahrfehler, die schlicht durch mangelnde Konzentration hervorgerufen werden.

Tipps fürs Autofahren an heißen Tagen

  • Aufgeheizte Fahrzeuge vor Fahrtbeginn ordentlich durchlüften. So muss die Innentemperatur nicht mehr als nötig von der Klimaanlage abgekühlt werden.
  • Klimaanlagen nicht zu kalt einstellen. Zu starkes Herunterkühlen belastet den Kreislauf. Der Unterschied zwischen Innen- und Außentemperatur sollte nicht höher als sechs Grad Celsius sein. Frühe Morgenstunden oder späte Abendstunden zum Fahren nutzen und das Fahrzeug immer im Schatten parken.
  • Schutzdecken auf der Frontscheibe und reflektierende Sonnenschutzfolien an den Seitenfenstern bewahren zusätzlich vor Hitze.
  • Die Inneneinrichtung mit weißen, am besten nassen Tüchern, abdecken.

Durch die hohen Temperaturen sinkt die Aufmerksamkeit der Fahrer und Unfälle passieren dadurch häufiger. So missachten wesentlich mehr Autofahrer die Vorfahrtsregeln, übersehen den Gegenverkehr oder verschätzen sich beim Bremsen und verursachen schnell Auffahrunfälle.

Während der Anteil dieser "konzentrationsrelevanten Unfälle" an kälteren Tagen, das heißt bei Temperaturen von weniger als 15 Grad Celsius, bei 47 Prozent liegt, steigt er an heißen Sommertagen auf bis zu 63 Prozent an.

Viele Autofahrer unterschätzen einfach die Hitze, erklärt Grzywacz. Es wird zu wenig getrunken und so kommt es schnell zu Kopfschmerzen und Schwindelgefühlen unter den Autofahrern. Das körperliche Befinden wiederum wirke sich dann auch auf die emotionale Stimmung aus und somit entsteht sehr leicht eine gewisse Aggressivität beim Fahren, erklärt Grzywacz.

Von Anja Meyer und Elisabeth Krause

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