Volltextsuche über das Angebot:

13 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Bestattungsinstitut Schellhase wird 90

Jubiläum in Potsdam Bestattungsinstitut Schellhase wird 90

Er hat einen schönen Beruf, sagt Thomas Schellhase, ja geradezu eine Berufung. Der 52-Jährige ist Bestatter in dritter Generation. Sein Großvater Arthur gründete 1926 eine Tischlerei nebst Beerdigungsinstitut in Potsdam. Heute, 90 Jahre später, gibt es Schellhase immer noch – erfolgreicher und größer denn je.

Potsdam, Jägerstraße 28 52.4009238 13.0561751
Google Map of 52.4009238,13.0561751
Potsdam, Jägerstraße 28 Mehr Infos
Nächster Artikel
Emotionaler Abschied von „Luxuslärm“

Thomas Schellhase (52) führt das Bestattungsinstitut Schellhase in dritter Generation. Es ist mit 90 Jahren das älteste in Potsdam.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Seit Thomas Schellhase denken kann, ist der Tod sein Leben. Als er noch ein kleiner Junge war, war es normal für ihn, dass der Vater und der Großvater Särge über den Hof schoben, auf dem er gerade mit den Freunden spielte. Dass die Mutter die Kartoffeln vom Herd nahm, um einen paar Treppenstufen tiefer verweinter Kundschaft nur schnell die Tür zum Büro zu öffnen. Thomas Schellhase ist in eine Branche hineingeboren, um die so mancher gern einen Bogen macht – und der man dennoch nicht entkommen kann. Der 52-Jährige ist in dritter Generation Bestatter. „Das ist für mich nicht einfach nur ein Beruf“, sagt Thomas Schellhase, „es ist eine Berufung.“

Heute feiert das Bestattungsinstitut Schellhase sein 90-jähriges Bestehen. Es ist das älteste Bestattungshaus in Potsdam und über all die Jahre hinweg stets in Familienbesitz geblieben. Auch die Adresse ist seit eh und je die gleiche: Das Stammhaus steht in der Jägerstraße 28, mitten in Potsdam.

Dort gründete der Tischlermeister Arthur Schellhase 1926 eine Tischlerei nebst Beerdigungsinstitut. Die Konkurrenz in der Stadt war alarmiert. „Was will denn der Ausländer hier in Potsdam?“, sollen die Mitbewerber gepoltert haben, schließlich kam der Neue aus dem vor den Toren der Stadt gelegenen Dorf Glindow. Dort hatte er im Betrieb des Vater schon als Bestatter gearbeitet. Als der schließlich selbst unter die Erde kam, erbte der Bruder die Firma – Arthur Schellhase wurde ausgezahlt und gründete mit dem Geld kurzerhand sein eigenes Unternehmen. Es hatte von Beginn an den Charakter eines Familienbetriebes. Arthurs Ehefrau und später die Tochter unterstützten ihn in den Belangen des Bestattungswesens.

Nach wenigen Jahren, die Aufträge mehrten sich, konnte Arthur Schellhase Maschinen für die Holzbearbeitung anschaffen und alsbald einen Tischlergesellen einstellen. Auch einen Wagen kaufte er und warb fortan für „Überführungen in eigenem Auto von und nach außerhalb“.

Noble Kutsche

Noble Kutsche: Der Überführungswagen, den Firmengründer Arthur Schellhase anschaffte.

Quelle: Maz-Repro

1960 übergab Arthur das Unternehmen an Sohn Gerhard Schellhase, der ein Jahr zuvor seinen Tischlermeister gemacht hatte. Gerhard Schellhase manövrierte das Unternehmen durch die DDR-Zeit – es überlebte als einziges privates Beerdigungsinstitut in Potsdam, denn auch das Bestattungswesen wurde in einen Volkseigenen Betrieb (VEB) überführt.

Für rund 300 Bestattungen war das Unternehmen damals pro Jahr verantwortlich. Heute sind es 600 und noch immer ist Gerhard Schellhase jeden Tag in der Firma zugange. „Auch mit 80 wird er noch gebraucht“, sagt Sohn Thomas Schellhase, der das Unternehmen inzwischen führt.

14 Mitarbeiter zählt das Team zur Zeit, darunter sind eine Floristenmeisterin und zwei Steinmetze. Längst ist Schellhase auch anderswo in der Stadt zu finden: in der Charlottenstraße direkt gegenüber dem Bergmann-Klinikum, in der Rudolf-Breitscheid-Straße in Babelsberg und in der Hans-Albers-Straße in Drewitz.

Dass der Namen Schellhase seit Jahrzehnten ein Markenzeichen ist, von dem das Unternehmen profitiert, begreift Thomas Schellhase als Auftrag. „Jeden Tag müssen wir etwas dafür tun, dass es so bleibt“, sagt er. „Wenn Hinterbliebene mit einem zufriedenen Ausdruck, mit einem Ausdruck innerer Ruhe unser Haus verlassen und im Nachgang vielleicht noch einmal kurz Danke sagen, das ist viel wert, das kann man nicht aufwiegen.“ Für viele Familien in Potsdam ist das Haus Schellhase so etwas wie ein Vertrauter – und das seit vielen Jahren. Irgendwie, meint Thomas Schellhase, vererbt man seinen Bestatter eben mit. Dass man den – und die – Menschen dabei kennenlernt wie kaum irgendjemand, erfahre er jeden Tag. „Jetzt habe ich alles gesehen, jetzt habe ich alles erlebt, nichts Menschliches ist mir fremd – das denke ich nach 30 Jahren immer noch“, sagt Thomas Schellhase. Jeden Tag werde er eines Besseren belehrt. „Ja, ich habe einen schönen Beruf.“

www.MAZtrauer.de

November-Gedenktage für Verstorbene

Je nach Tradition decken die Hinterbliebenen zu Allerseelen, zum Volkstrauertag oder zum Totensonntag die Gräber ihrer Lieben mit Fichten- und Tannenzweigen ab.

Während Allerseelen, das Gedächtnis der Verstorbenen in der katholischen Kirche, und der 1919 vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge zum Gedenken an die Toten des Ersten Weltkrieges eingeführte Volkstrauertag bereits verstrichen sind, begehen wir am 20. November den in der evangelischen Kirche verwurzelten Totensonntag, auch Ewigkeitssonntag genannt. nf

Von Nadine Fabian

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam
Potsdams Innenstadt - vor und nach dem Krieg

Der 14. April 1945 ist ein sonniger, warmer Frühlingstag – ein Sonnabend.  Um 22:15 Uhr ertönen die Sirenen, Bomben fallen auf Potsdam und wenig später marschiert die russische Armee in Potsdam ein. Das Stadtbild ist ein anderes geworden.

Das Protokoll zum Luftangriff: www.maz-online.de/Nacht-von-Potsdam

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg