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Potsdam Bestattungsinstitut Schellhase wird 90
Lokales Potsdam Bestattungsinstitut Schellhase wird 90
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09:00 21.11.2016
Thomas Schellhase (52) führt das Bestattungsinstitut Schellhase in dritter Generation. Es ist mit 90 Jahren das älteste in Potsdam. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Seit Thomas Schellhase denken kann, ist der Tod sein Leben. Als er noch ein kleiner Junge war, war es normal für ihn, dass der Vater und der Großvater Särge über den Hof schoben, auf dem er gerade mit den Freunden spielte. Dass die Mutter die Kartoffeln vom Herd nahm, um einen paar Treppenstufen tiefer verweinter Kundschaft nur schnell die Tür zum Büro zu öffnen. Thomas Schellhase ist in eine Branche hineingeboren, um die so mancher gern einen Bogen macht – und der man dennoch nicht entkommen kann. Der 52-Jährige ist in dritter Generation Bestatter. „Das ist für mich nicht einfach nur ein Beruf“, sagt Thomas Schellhase, „es ist eine Berufung.“

Heute feiert das Bestattungsinstitut Schellhase sein 90-jähriges Bestehen. Es ist das älteste Bestattungshaus in Potsdam und über all die Jahre hinweg stets in Familienbesitz geblieben. Auch die Adresse ist seit eh und je die gleiche: Das Stammhaus steht in der Jägerstraße 28, mitten in Potsdam.

Dort gründete der Tischlermeister Arthur Schellhase 1926 eine Tischlerei nebst Beerdigungsinstitut. Die Konkurrenz in der Stadt war alarmiert. „Was will denn der Ausländer hier in Potsdam?“, sollen die Mitbewerber gepoltert haben, schließlich kam der Neue aus dem vor den Toren der Stadt gelegenen Dorf Glindow. Dort hatte er im Betrieb des Vater schon als Bestatter gearbeitet. Als der schließlich selbst unter die Erde kam, erbte der Bruder die Firma – Arthur Schellhase wurde ausgezahlt und gründete mit dem Geld kurzerhand sein eigenes Unternehmen. Es hatte von Beginn an den Charakter eines Familienbetriebes. Arthurs Ehefrau und später die Tochter unterstützten ihn in den Belangen des Bestattungswesens.

Nach wenigen Jahren, die Aufträge mehrten sich, konnte Arthur Schellhase Maschinen für die Holzbearbeitung anschaffen und alsbald einen Tischlergesellen einstellen. Auch einen Wagen kaufte er und warb fortan für „Überführungen in eigenem Auto von und nach außerhalb“.

Noble Kutsche: Der Überführungswagen, den Firmengründer Arthur Schellhase anschaffte. Quelle: Maz-Repro

1960 übergab Arthur das Unternehmen an Sohn Gerhard Schellhase, der ein Jahr zuvor seinen Tischlermeister gemacht hatte. Gerhard Schellhase manövrierte das Unternehmen durch die DDR-Zeit – es überlebte als einziges privates Beerdigungsinstitut in Potsdam, denn auch das Bestattungswesen wurde in einen Volkseigenen Betrieb (VEB) überführt.

Für rund 300 Bestattungen war das Unternehmen damals pro Jahr verantwortlich. Heute sind es 600 und noch immer ist Gerhard Schellhase jeden Tag in der Firma zugange. „Auch mit 80 wird er noch gebraucht“, sagt Sohn Thomas Schellhase, der das Unternehmen inzwischen führt.

14 Mitarbeiter zählt das Team zur Zeit, darunter sind eine Floristenmeisterin und zwei Steinmetze. Längst ist Schellhase auch anderswo in der Stadt zu finden: in der Charlottenstraße direkt gegenüber dem Bergmann-Klinikum, in der Rudolf-Breitscheid-Straße in Babelsberg und in der Hans-Albers-Straße in Drewitz.

Dass der Namen Schellhase seit Jahrzehnten ein Markenzeichen ist, von dem das Unternehmen profitiert, begreift Thomas Schellhase als Auftrag. „Jeden Tag müssen wir etwas dafür tun, dass es so bleibt“, sagt er. „Wenn Hinterbliebene mit einem zufriedenen Ausdruck, mit einem Ausdruck innerer Ruhe unser Haus verlassen und im Nachgang vielleicht noch einmal kurz Danke sagen, das ist viel wert, das kann man nicht aufwiegen.“ Für viele Familien in Potsdam ist das Haus Schellhase so etwas wie ein Vertrauter – und das seit vielen Jahren. Irgendwie, meint Thomas Schellhase, vererbt man seinen Bestatter eben mit. Dass man den – und die – Menschen dabei kennenlernt wie kaum irgendjemand, erfahre er jeden Tag. „Jetzt habe ich alles gesehen, jetzt habe ich alles erlebt, nichts Menschliches ist mir fremd – das denke ich nach 30 Jahren immer noch“, sagt Thomas Schellhase. Jeden Tag werde er eines Besseren belehrt. „Ja, ich habe einen schönen Beruf.“

www.MAZtrauer.de

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