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Besuch in der (beinahe fertigen) Villa Fritzsche

Denkmäler in Potsdam Besuch in der (beinahe fertigen) Villa Fritzsche

Die Villa Fritzsche spiegelt den Zeitgeschmack ihrer Bauherren wider und wurde so zum Kunstwerk. Wir haben uns auf der Baustelle mal umgeschaut und verraten, ob sich der Besuch am 10. September lohnt.

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Sabine Ambrosius von der Unteren Denkmalschutzbehörde, der Baubeigeordnete Bernd Rubelt, der Villenbesitzer Armin Draeger, Gebietsdenkmalpflegerin Claudia Täubert, Amtsrestaurator Rainer Roczen und Gartendenkmalpfleger Felix Merk.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Martina Dürrschmidt bewahrt die Fassung – im doppelten Wortsinn. Ob Holz, Stuck oder Putz, ob Gemälde, Skulptur oder Wandmalerei: Die Diplom-Restauratorin ist Spezialistin für die farbliche Gestaltung nahezu aller Oberflächen. Und davon hat die gegenüber dem Park Sanssouci gelegene Villa Fritzsche in Potsdam West wahrlich mehr als genug zu bieten – und Überraschungen, die Martina Dürrschmidt das Leben mitunter schwer machen. Ein Restaurator ist eben nicht nur auf eine ruhige Hand, sondern auch auf ein ruhiges Gemüt angewiesen.

„Große Liebe“

„Wir Restauratoren pflegen ein Ärzte-Ethos“, sagt Martina Dürrschmidt. „Ein Haus wie dieses ist für uns ein Patient. Egal, wie aussichtslos es ist: Man sollte eisern sein und alles versuchen.“ Aussichtslos ist die Lage in der Villa Fritzsche zum Glück nicht. Nachdem das Backsteinhaus mit Turm, vorspringendem Giebel und hölzernem Schnitzwerk nach dem Auszug der Awo-Kita „Tausendfüßler“ 2007 leer gestanden und in den folgenden einsamen Jahren einen derben Dach- und Wasserschaden erlitten hatte, sind nun endlich bessere Zeiten angebrochen. „Das Haus war für mich schon auf den ersten Blick ein Kunstwerk“, sagt Armin Draeger, Forstunternehmer im Süden Brandenburgs und seit 2014 Eigentümer der Villa Fritzsche. „Auf den zweiten und dritten Blick war mir allerdings klar: Es ist auch ein Mammutprojekt. Trotzdem ist eine große Liebe entstanden.“

An dieser großen Liebe lässt Armin Draeger die Potsdamer am 10. September teilhaben: Zum Tag des offenen Denkmals lädt er von 10 bis 18 Uhr in die Villa an der Geschwister-Scholl-Straße 53 ein. Wer will, kann sich dann ein Bild davon machen, was die so oft, so leicht dahin gesagte „mühevolle Kleinarbeit“, die Martina Dürrschmidt mit feinsten Pinseln und dem Skalpell leistet, wirklich bedeutet.

Zerstückeltes Grundstück

Zunächst aber sind die großen Kraftanstrengungen zu sehen und auch zu überwinden. Der Garten sieht in diesen Tagen aus, als wäre ein Bagger außer Rand und Band geraten: Aufgeworfene Erde, Gräben und Sandberge lassen von seiner einstigen Schönheit nichts mehr erahnen und sind dennoch nötig, um sie wieder herzustellen. „Das einst parkartige Grundstück ist zwar zerstückelt – leider“, sagt Gartendenkmalpfleger Felix Merk. „Aber was wir retten können, das retten wir.“ Ein Plan aus den Jahren 1908/09 weist den Weg – und der verlief einst rund ums Haus in kühnen Kurven, die schon wieder ausgehoben, aber noch nicht vollendet sind.

Auch die Villa präsentiert sich in einem Beinahe-fertig-Stadium, das spannender kaum sein könnte, denn es zeigt gerade noch die Spuren der Zeit und lässt schon deutlich erkennen, wie es einmal sein wird. Wenige Monate nach dem Kauf zügig begonnen, sollte die Sanierung von Haus und Hof eigentlich Ende 2016 beendet sein. Doch nun steht Armin Draeger noch immer auf einer Baustelle, denn er steckt mehr Geld und Detailtreue in die Restaurierung, als der Denkmalschutz von ihm verlangt. Darauf angesprochen, lächelt er still und bescheiden. „Ich hoffe, dass es uns gelingt, dieses Kunstwerk wieder so herzustellen, wie es einmal war“, sagt er: „Wie es sein soll.“

Drei Bauherrn, drei Ideen

Die Villa Fritzsche ist ein Haus, an dem sich drei Bauherren verwirklicht haben. Das belegt die Acta specialia, eine Sammlung von Dokumenten, die eine Vielzahl von Informationen über die Entwicklung des Gebäudes eint. „Ein Vorgängerbau – das Federviehhaus – wird 1867 erstmals erwähnt“, sagt Armin Draeger. Er hat die Acta so genau studiert, dass er sie inzwischen beinahe lückenlos in seinem Gedächtnis hat. „Ich wollte alles über das Gebäude wissen: Wer war wann der Eigentümer? Wer hat wann welchen Bauantrag gestellt?“ Vieles ist dokumentiert: Der Grundstein für die Villa wurde 1876 gelegt. Der Berliner Hotelbesitzer Dreitzel hatte bei Baumeister August Grabkowsky ein repräsentatives Gartenhaus in Auftrag gegeben. „Man darf nicht vergessen, dass mans ich schon damals in einer besonders sensiblen Lage befand“, sagt Denkmalpflegerin Claudia Täubert. „Der Park Sanssouci lebte schon immer von der Einbeziehung der näheren Umgebung. Hier waren nur Gebäude erlaubt, die den Park schmücken und eine Symbiose, eine grüne Verbindung mit ihm bilden, so dass der Eindruck entsteht, der Park gehe einfach weiter.“

Bereits 1890 folgten die ersten großen Veränderungen. Der neue Herr im Hause, der Bankdirektor Robert Lesser, ließ nicht nur umbauen, sondern auch großzügig erweitern. So entstand damals das Gärtnerwohnhaus, auch Torwächterhaus genannt. Anders als die meisten anderen Bauten, die einst den Park zierten – so auch ein Palmenhaus – steht es noch heute, ist restauriert und flankiert die Einfahrt zum benachbarten Kindergarten.

Die Arbeiten für die von Lesser gewünschten Anpassungen leitete kein geringerer als Hofbau- und Hofmaurermeister Ernst Petzholtz. Er hatte damals bereits für den Umbau von Jagdschloss Glienicke nebst Aufstockung des Remisenturms verantwortlich gezeichnet und Hand an viele Potsdamer Villen gelegt, beispielsweise an die Villa Henckel auf dem Pfingstberg, deren Besitzer heute Springer-Vorstand Mathias Döpfner ist.

1907 schließlich kam der Mann, mit dessen Namen die Backsteinvilla bis heute verbunden ist: Karl Fritzsche veranlasste als Eigentümer und als Architekt erneut größere Um- und Anbauten. Vor allem der Westfassade drückte er seinen Stempel auf. Die markante Travertin-Terrasse stammt von ihm. „Es war ein Trauerspiel“, sagt Armin Draeger. „Von der Terrasse war nicht mehr viel übrig. Die Natur hat sie sich zu eigen gemacht – zwei riesige Robinien hatten sie geradezu gesprengt.“ Die Steine wurden über die Jahre hinweg auf dem Grundstück verteilt. „Leider haben wir sie nicht mehr komplett zusammenbekommen – was fehlt, arbeitet der Steinmetz nach.“ Die Bäume mussten der Rekonstruktion weichen – und nahmen dafür später Rache. „Mit dem Rest ihrer Wurzeln ging der Rest des Fundaments flöten“, so Draeger. „Aber so ist das nun mal. Die letzten drei Jahre waren sehr anstrengend. Dieses Haus ist eine gewaltige Herausforderung.“

» Siehe auch: Tag des offenen Denkmals in Potsdam – Auf einen Besuch im Landhaus Gugenheim

Von Nadine Fabian

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