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Beten statt Einkaufen: Stadt begrüßt Idee der Moschee in Kaufhalle

Potsdam Schlaatz Beten statt Einkaufen: Stadt begrüßt Idee der Moschee in Kaufhalle

Die Al-Farouk-Moschee könnte demnächst in einen ehemaligen Supermarkt im Potsdamer Schlaatz ziehen. So wären die jetzigen Platzprobleme gelöst und man wäre nicht mehr auf ein Provisorium angewiesen. Die Stadt findet das gut, die Meinungen im Viertel sind gespalten.

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Nicht schön, aber gut gelegen und vor allem groß genug: die ehemalige Kaufhalle an der Haltestelle Bisamkiez.

Quelle: dpa-Zentralbild

Schlaatz. Die islamische Al-Farouk-Gemeinde in Potsdam würde gern die verlassene Kaufhalle im Bisamkiez – direkt an der Tramhaltestelle – als Moschee sowie Kultur- und Begegnungszentrum nutzen. Das bestätigte der Imam der Gemeinde, Kamal Abdallah. In konkreten Verhandlungen stehe man noch mit niemandem, so Abdallah gegenüber der MAZ, bislang handle es sich nur um eine Idee. Abdallah, der selbst am Schlaatz wohnt, „stolperte“ eines Tages über die Halle und bedauerte den Leerstand. Den Platz darin bezeichnete er für die rund 1000 Menschen der islamischen Gemeinde als „ausreichend“, zumal die Halle eine Höhe habe, die mittels Zwischendecke auch in zwei Geschosse geteilt werden könnte.

Der ehemalige Supermarkt ist mit Brettern verrammelt

Der ehemalige Supermarkt ist mit Brettern verrammelt.

Quelle: dpa-Zentralbild

Geht es nach dem Imam, würde er die Halle lieber kaufen als mieten, da ihm dies mehr Gestaltungsfreiheit beim künftigen Kultur- und Begegnungszentrum ließe und keine monatlichen Mietforderungen nach sich zöge. Finanzieren würde die Gemeinde das ganze gern aus eigenen Mitteln, Spenden und, wo nötig, mit Unterstützung der Stadt. Kamal Abdallah will als nächstes das Gespräch mit dem Eigentümer und der Stadt suchen, um die Chancen auszuloten. Auf der Habenseite sieht er die gute Erreichbarkeit mit der Tram, die Parkplätze und den Umstand, dass eine bestehende, andernfalls verfallende Halle eine neue Nutzung bekäme. „Dort stören wir niemanden und uns stört auch niemand“, fügte Abdallah hinzu.

Wie die Al-Farouk-Gemeinde sich sieht

Die Al-Farouk-Gemeinde, getragen vom Verein der Muslime in Potsdam, wurde nach eigenen Angaben bereits 1998 gegründet und im selben Jahr als gemeinnützig anerkannt.

Sie praktiziert und lehrt „den klassisch-sunnitischen Islam, dem die Mehrheit der Muslime angehören“. Der Verein verfolge ausdrücklich weder politische noch nationalistische Ziele, schreibt er auf seiner Homepage, gehöre keiner Gruppierung noch Sekte an.

„Unsere Gäste und Mitglieder sind international. Wir distanzieren uns von Gewalt und von Personen und Gruppen, die dazu aufrufen“, stellt der Iman öffentlich klar.

Wie berichtet, genügte das Domizil der Gemeinde an der Burgstraße gerade beim Freitagsgebet lange nicht mehr, viele Gläubige mussten auf der Straße beten. Die Stadt bot als Übergangslösung bis Frühjahr die Orangerie der Biosphäre an, die auch dankbar angenommen wurde und derzeit trotz aller Flüchtlinge genug Raum zum Beten bietet. Allerdings steht sie nicht immer zur Verfügung – in der zweiten Novemberhälfte ist die Orangerie zweimal für andere Veranstaltungen gebucht, und das Nebengelass als Ausweichraum ist viel kleiner. „Allgemein suchen wir natürlich nach etwas Dauerhaftem, wir wollen nicht immer die Großzügigkeit der Stadt in Anspruch nehmen“, so der Iman.

Stadt ist nicht Eigentümer der gefragten Immobilie

Die Stadt begrüßte den Vorstoß: „Es ist gut, dass sich der Verein aktiv um ein neues Gemeindezentrum bemüht. Bisher hat es keine Gespräche konkret zu einem bestimmten Standort gegeben. Die Stadt steht selbstverständlich für Gespräche, um eine langfristige Lösung zu finden, zur Verfügung“, sagte der Sozialbeigeordnete Mike Schubert der MAZ. Da die Stadt aber nicht Eigentümer der Immobilie ist, werde sie auch keine Verhandlungen zu Kauf oder Miete führen. „Die Gemeinde müsste wie jeder andere Religionsgemeinschaft die Kosten dafür selbst übernehmen“, so Schubert.

Reaktionen im Schlaatz reichen von Ablehnung über Gleichgültigkeit

Bei einer Spontanumfrage am Dienstag am Schlaatz ergab sich ein gemischtes Stimmungsbild – von Ablehnung über Gleichgültigkeit bis zu Willkommenswünschen. „Es wäre schön, wenn die alte Halle wieder genutzt würde. Berührungsängste habe ich nicht, der Schlaatz ist bunt und schlechte Menschen gibt es in jeder Volks- und Religionsgruppe gleich viele, uns eingeschlossen“, sagte etwa Erika Brade (60). Anders äußerte sich Stefan Funke (36): Er sei zwar Ausländerfreund, es gebe in Berlin aber genug Moscheen, Potsdam bräuchte keine. Sven Christ (42) meinte gar, der Schlaatz befinde sich an der Grenze der Integrationsfähigkeit. Mit Humor reagierte Alexandra Podolna, 32: „Ich wohne neben einem Asylheim, warum sollte mich da eine Moschee stören? Wir haben auch eine Synagoge, jetzt fehlt mir persönlich noch ein buddhistischer Tempel.“

Von Jan Bosschaart

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