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Bewährung für Ausraster bei Ticketkontrolle

Nach Zwischenfall bei Schwarzfahrer-Offensive in Potsdam Bewährung für Ausraster bei Ticketkontrolle

Beschimpfungen und Bedrohungen sind für Manfred K. Berufsalltag. Der 55-Jährige ist Fahrkartenkontrolleur in den Bussen und Straßenbahnen in Potsdam. Doch bei der Schwarzfahrer-Offensive des Verkehrsbetriebes Vip im Herbst 2015 kam es noch dicker. Ein 33-jähriger Fahrgast rastete aus und schlug zu. Jetzt trafen sich die Männer vor Gericht wieder.

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Der Angreifer wurde nach Strafgesetzbuch verurteilt.

Quelle: dpa

Potsdam.
Der Fall hatte Schlagzeilen gemacht: Bei der vom Potsdamer Verkehrsbetrieb Vip groß angelegten Kontrolle in Bussen und Straßenbahnen an zwei Tagen im Oktober 2015 war ein 33-Jähriger ausgerastet und hatte einen der Fahrkartenkontrolleure angegriffen. Ein halbes Jahr später trafen sich die beiden Männer nun vor Gericht wieder.

Der Angeklagte Benjamin L. erscheint zur Verhandlung ohne Rechtsbeistand, wirkt aber nicht unbeholfen – er hat schon öfter auf der Anklagebank gesessen. Zwölf Mal wurde er bereits verurteilt, allein acht Mal wegen Körperverletzung. „Haben Sie mal ein Anti-Aggressionstraining gemacht?“, fragt Richterin Reinhild Ahle. Benjamin L. schaut ungläubig: „Ich bin nicht aggressiv. Ich gehe ja nicht los und verdresche irgendwelche Leute auf der Straße.“

Dennoch. Er hat Manfred K. (55) geschlagen und nach ihm getreten – das gibt er zu. Allerdings habe er sich gegen den Kontrolleur nur zur Wehr gesetzt. „Er hat mich zuerst geschlagen – unvermittelt“, behauptet Benjamin L. Das sehen Manfred K. und sein Kollege, der ebenfalls als Zeuge geladen wurde und die Handgreiflichkeit mittels seiner stattlichen Statur damals beenden und den Angeklagten bis zum Eintreffen der Polizei in Schach halten konnte, anders.

Der Angeklagte habe sich geweigert, ihm das elektronische Ticket auszuhändigen, sagt Manfred K. Benjamin L. nickt. „Ich wollte die Karte nur zeigen, nicht in andere Hände geben.“ Außerdem habe der Kontrolleur gar kein Lesegerät dabei gehabt. Dazu kann K. nicht viel sagen. Er überlegt einen Moment: „Ich selber hatte kein Gerät dabei. Aber mein Kollege, glaube ich.“ Die Aussagen, die er direkt nach dem Vorfall bei der Polizei gemacht hat, schwächt er im Gericht immer weiter ab. Mal haben ihn L.s Schläge getroffen, mal nur ein bisschen, mal „jein“. Mal habe der ihn ans Bein getreten, mal in den Bauch, in die Hüfte. „Ich habe am Tag 5000 Fahrgäste, so was kommt öfter vor. Da kann man sich nicht immer genau erinnern“, sagt K.: „Ich lege aber Wert darauf, bedroht worden zu sein.“

Was er erst vor Gericht angibt: Seine Beinprothese – genauer gesagt der Liner, der für besonders guten Halt sorgt – sei bei der Rangelei beschädigt worden. So ein Liner koste 1000 bis 1200 Euro. „Das kann ich mir so nicht leisten“, sagt K. Er verlange Schadenersatz. Den müsse er aber in einem Zivilprozess geltend machen, so Richterin Ahle. Sie verurteilte Benjamin L. wegen Körperverletzung in Tateinheit mit Beleidigung zu einer Freiheitsstrafe von drei Monaten ausgesetzt zu zwei Jahren Bewährung. Er soll Unterstützung von einem Bewährungshelfer erhalten, 200 Euro an die Aktion „Deutschland hilft“ zahlen und 750 Euro Schmerzensgeld an Manfred K. Zu einem Antiaggressionstraining wie von der Staatsanwaltschaft gefordert, könne sie ihn nicht schicken. „Das ist zur Zeit nicht vermittelbar – es gibt keinen, der es machen könnte.“

Von Nadine Fabian

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