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Potsdam Bewährung für Teltower nach Sex mit 13-jähriger Freundin
Lokales Potsdam Bewährung für Teltower nach Sex mit 13-jähriger Freundin
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00:22 29.09.2018
Justitia ist blind, doch mildernde Umstände erkennt sie an. Quelle: dpa
Potsdam

Markus G. hätte Marie S. (Namen geändert) am liebsten nie kennengelernt. Damals, im Sommer 2016, im Freibad, tat ihm das Mädchen leid. Narben entstellten Maries Arme, ihre Beine. Sie ritzte sich. Also unterhielt er sich mit ihr. Er, der sportliche junge Mann, tat ihr gut. Zumindest fand das Maries Mutter. „Die Mutter kam zu mir und sagte, ich solle noch weiter mit Marie reden“, erinnert sich Markus auf der Anklagebank. Ihm wird schwerer sexueller Missbrauch eines Kindes vorgeworfen.

Denn Marie war vor dem Gesetz noch ein Kind, als Markus sie traf. Auch wenn sie älter wirkte, war sie erst 13 Jahre alt. Und offenbar voll von Sorgen und Problemen. Sie rauchte, ging lange aus und nur selten zur Schule, trank Alkohol. Auch am 13. November hatten Marie und Markus etwas getrunken. Zusammen waren sie nach Polen gefahren, er hatte Wodka und Bier gekauft und schon im Auto drei Flaschen geleert. Seine Mutter lag im Sterben, sein Leben war aus den Fugen geraten. In Markus’ Elternhaus in Teltow passierte es dann. Erst gab es nur Küsse und Streicheln, doch dann schliefen Marie, 13, und Markus, 21, miteinander. Einvernehmlich und ungeschützt. Danach fuhr er sie nach Hause, die Flasche Wodka war unangetastet. Sie nahm sie mit.

Mutter erstattet Anzeige

Nach diesem ersten Mal waren Marie und Markus ein Liebespaar. Sie kannten die Eltern des anderen, verbrachten viel Zeit zusammen, immer wieder übernachtete das Mädchen bei ihrem erwachsenen Freund. Und immer wieder kam es auch zum Sex. Maries Mutter war mit der Beziehung einverstanden, sagt Markus: „Sie wusste das alles.“ Doch immer wieder kam es auch zu Reibereien, er dachte an eine Trennung. „Maries Mutter hat daraufhin mich und meine Familie bedroht, dass sie mich anzeigen würde, wenn ich ihre Tochter verlasse“, sagt Markus vor Gericht.

Ein halbes Jahr nach diesem ersten Geschlechtsverkehr der beiden gingen Marie und ihre Mutter zur Polizei. Die Aussage des Mädchens wird von der Richterin verlesen, sie deckt sich mit den Erinnerungen des Angeklagten. Persönlich ist Marie nicht anwesend, obwohl sie wie ihre Mutter als Zeugin geladen ist. Der Aufenthaltsort von Mutter und Tochter sei unbekannt, heißt es.

Markus G., heute 23, ist kein Krimineller. In seinem Führungszeugnis gibt es keine Einträge, er stand vor diesem Prozess noch nie vor Gericht. Markus kommt aus gutem Hause, der Vater ist leitender Angestellter eines Berliner Nobelhotels, die Mutter arbeitete vor ihrem Tod bei einer großen Versicherung. Markus selbst ist das älteste von drei Kindern, hat Praktika in einer Kita und einem Altersheim absolviert.

„Sie sind ein Mensch, der sich engagiert und anderen helfen möchte“, sagt die Staatsanwältin zu ihm. Markus G. nickt. Wenn er von Anfang an gewusste hätte, wie jung Marie war, hätte er sich nicht auf sie eingelassen, beteuert er. Als er es dann wusste, war es ihm allerdings auch nicht mehr wichtig. Die Rechtslage ist in diesem Fall eindeutig: Wer als volljähriger Mensch mit einer Person unter 14 Jahren Geschlechtsverkehr hat, macht sich des schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes schuldig.

Staatsanwältin ist milde

„Zwei Monate früher oder später und der Fall wäre ein vollkommen anderer“, fasst die Richterin Christine Rühl zusammen. „Aber das Gesetz ist da eindeutig.“ Dass Marie fast 14 war, dass Markus erst seit wenigen Wochen 21 geworden war und damit nicht mehr unter das Jugendstrafrecht fiel: es spielt zunächst keine Rolle. Sexuelle Beziehungen in einer solchen Konstellation sind verboten und ziehen eine Freiheitsstrafe von mindestens zwei Jahren nach sich.

Dass Markus G. milder bestraft wird, verdankt er vor allem der Staatsanwaltschaft, die einen minderschweren Fall erkennt. „Hier liegen viele Besonderheiten vor“, erklärt die Anklägerin, etwa dass eine Liebesbeziehung zwischen Täter und Opfer bestanden habe und dass Marie eben schon fast 14 Jahre alt war. „Dennoch bleibt Ihr Handeln einfach strafbar.“

Markus G. nickt. Er weiß genau, dass er falsch gehandelt hat und nun die Konsequenzen dessen tragen muss. Mit Marie hatte er keinen Kontakt mehr, seit er von der Anzeige weiß. Er sagt, er hoffe das Beste für sie. Dass sie wieder zur Schule geht und weniger trinkt.

Markus erhält eine zweijährige Bewährungsstrafe. „Damit werden Sie sich noch das eine oder andere mal auseinandersetzen müssen“, mahnt die Richterin. Eine solche Strafe verbleibe lange in den Akten. Markus studiert Sozialpädagogik. Er will Bewährungshelfer werden.

Von Saskia Kirf

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