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Potsdam Bewegung auf der „Archiv“-Baustelle
Lokales Potsdam Bewegung auf der „Archiv“-Baustelle
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13:25 29.12.2016
Konzert von Circus Rhapsody am 16. Dezember im „Archiv“. Quelle: Nicole Krüger
Potsdam

Der 16. Dezember sollte für das „Archiv“ in der Leipziger Straße zu einem denkwürdigen Höhepunkt werden. Schon zum ersten Titel der Eröffnungsband Circus Rhapsody war das Publikum vor der Bühne in Bewegung. Beim Auftritt der Lokalmaratadore 44 Leningrad aber brannte die Luft. Am nächsten Tag bedankten sich die Musiker via Facebook: „Was war denn das für eine geile Stimmung am Freitag? Ihr seid so toll! Danke ans Archiv Potsdam für die Einladung.“

Seit dem ersten Sanierungsschub 2013/14 ist zumindest in der Veranstaltungsetage des Kulturzentrums wieder Betrieb. Die Kneipe und das Café sind montags bis samstags täglich ab 20 Uhr geöffnet. Die Tischtennisplatte im Saal erfreut sich Abend für Abend größter Beliebtheit. Und an jedem dritten Donnerstag im Monat kommt ein Solifriseur, um jedem, der es möchte, kostenlos die Haare zu richten.

Blick auf die Hofseite des Archivs mit dem Seitenflügel (l.). Quelle: Bernd Gartenschläger

Seit Ende 2008 arbeitet das Archiv, eines der größten freien Kulturzentren im Land Brandenburg, auf Sparflamme. 1994 besetzt, später legalisiert, läuft der komplette Betrieb bis heute auf ehrenamtlicher Basis. Archiv-Sprecher Kay Kärsten schätzt den harten Kern, der am Tresen ebenso wie auf der Baustelle unentgeltlich am Arbeiten ist, auf 40 bis 50 Leute: „Davon können andere soziokulturelle Zentren nur träumen“, sagt er.

Über die Sanierung des denkmalgeschützten Baus verhandelten Stadt und „Archiv“-Verein bereits seit Jahren. Seit 2008 wurden die von rund 20 Bands genutzten Proberäume im Keller baupolizeilich gesperrt, zum Jahreswechsel 2012/13 das komplette Haus. Im Januar 2013 setzte der Deutsche Kulturrat das „Archiv“ auf die Rote Liste der bedrohten Kulturprojekte. Doch im selben Jahr begann – begleitet von einer Spendenkampagne – die Herrichtung der Veranstaltungsetage.

„Archiv“-Sprecher Kay Kärsten in der für das Publikum gesperrten Sporthalle. Quelle: Bernd Gartenschläger

Die Räume in den oberen Geschossen hingegen, das Atelier, die Werkstätten und die Sporthalle im Seitenflügel sind noch immer dicht. Bis zum Einbau einer Brandschutzanlage ist die Anzahl des Publikums auch zu Konzertabenden wie am 16. Dezember auf 199 begrenzt. Die Rettung des Archivs wird in der Stadtpolitik von einer breiten Mehrheit unterstützt. Von 2010 bis 2013 wurden in mehreren Raten insgesamt 625 000 Euro für brandschutztechnische und substanzerhaltende Maßnahmen bereitgestellt, wie die Stadt auf Anfrage von Matthias Lack (Linke) mitteilte.

Ein Teil des Geldes wurde für den Einbau einer Lüftungsanlage bereitgestellt, ein Teil für erste Maßnahmen zur Brandschutzsanierung. Mit 536 000 Euro aber steht der größere Teil „nach wie vor zur Verfügung“, wie Rathaussprecherin Christine Homann am Mittwoch auf MAZ-Anfrage bestätigte. Eingesetzt werden soll dieses Geld für den zweiten Bauabschnitt mit der Brandschutzsanierung der oberen Geschosse, dem Einbau einer Brandmeldeanlage sowie der Erneuerung von Fassade und Dach.

Welche Farbe das Haus zur Straße hin bekommt, ist laut Kärsten noch offen. „Der originale Farbton wäre ziegelrot, allerdings ist die abschließende Farbgebung mit der Denkmalpflege noch nicht abgestimmt.“

Von der Hofbrauerei zum Kulturzentrum

Das Gebäude des „Archivs wurde Anfang des 18. Jahrhunderts für die „Königliche Hofbrauerei“ errichtet, war nach dem Zweiten Weltkrieg Archiv der Bezirksfilmdirektion und stand nach dem Mauerfall leer. Am 28. März 1994 wurde es von linksalternativen Jugendlichen besetzt.

Das „Archiv“ entwickelte sich neben Waschhaus und Lindenpark zu einem der größten soziokulturellen Zentren des Landes, arbeitete im Gegensatz zu diesen aber komplett ohne finanzielle Förderung. Mit der Diskussion um die Sanierung des Hauses kam erstmals städtisches Geld ins Spiel.

2013 wurde das Grundstück über Erbpacht für 66 Jahre von der Stadt an den Verein übertragen. Für die Sanierung standen bei der Stadt insgesamt 625 000 Euro bereit. Nicht im Sanierungsplan sind bislang die Bandprobenräume im Keller des Hauses.

Seit mehr als 24 Monaten laufen laut Kärsten die Verhandlungen zwischen Stadt und Verein zur Umsetzung dieses zweiten Bauabschnitts. Möglicherweise wird die Förderung Anfang des nächsten Jahres freigegeben. Homann sagte am Mittwoch: „Die Freigabe erfolgt, sobald alle nötigen Unterlagen bei der Stadt eingegangen sind und geprüft wurden. Die Klärung sämtlicher Voraussetzungen erfolgt voraussichtlich im Januar 2017.“

Blumenschuh am Eingang zum „Archiv-Café. Im Hintergrund der eingerüstete Seitenflügel. Quelle: Bernd Gartenschläger

Einstweilen erledigt das Archiv im Rahmen seiner Möglichkeiten kleinere Arbeiten in Eigenregie. Ende November wurde mit der Erneuerung des Dachs und der Dachkonstruktion über der Sporthalle im Seitenflügel begonnen. Unter den bis zu 15 Helfern sind auch Flüchtlinge aus Syrien und Afghanistan.

Zu den wichtigen jüngeren Einbauten zählt laut Kärsten ein Holzofen samt Schornstein für die Kneipe, der noch vom Bauamt freigegeben werden muss. Es wäre das erste Mal in der fast 23-jährigen Geschichte des Kulturzentrums, dass dieser Raum geheizt wird. Das sei „schon cool“, sagt Kärsten, „gerade für die Leute, die da hinter dem Tresen stehen“.

Von Volker Oelschläger

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