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Bienvenue à Potsdam

Schüler aus Versailles besuchen Partnerstadt Bienvenue à Potsdam

Seit vergangenen Juni ist das französische Versailles offizielle Partnerstadt von Potsdam. Kontakte zwischen beiden Städten gibt es schon länger, vor allem Schulen sind untereinander versetzt. Derzeit sind Schüler aus Versailles im Einstein-Gymnasium zu Gast.

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Schüler und Lehrer des Einstein-Gymnasiums und des Lycée Hoche Versailles besuchten gestern gemeinsam das Potsdamer Rathaus.
 

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam.  „Mignon et propre“ – süß und sauber, so ist Nisrines erster Eindruck von Potsdam. Die Französin war zuvor schon zwei Mal in Deutschland, doch in der brandenburgischen Landeshauptstadt ist sie die 16-Jährige zum ersten Mal. Ihre Austauschpartnerin vom Einstein-Gymnasium trägt den französischen Namen Michèle, ist ebenfalls 16, und von der Partnerstadt Versailles ähnlich angetan wie Nisrine von Potsdam. „Klein, ruhig, sehr schön. Und das Schloss, das ist wirklich beeindruckend“, schwärmt die Zehntklässlerin, die vergangenen Herbst zum Schüleraustausch in Versailles war.

Seit Freitag sind nun 21 junge Franzosen auf Gegenbesuch bei den Einstein-Schülern. Am Montag gab es eine exklusive Führung durch das Rathaus. Doch zuvor: Zwei Gruppen bilden, pärchenweise aufreihen. „Ist das dein Franzose?“, fragt Französischlehrerin Grit Rückborn einen Schüler. Schnell finden sich die Austauschpärchen, die sich vom Besuch in Frankreich schon kennen – und gut verstehen, auch ohne perfekte Sprachkenntnisse. „Manchmal wechseln wir dreimal im Satz die Sprache“, sagt Michèle. Mal Deutsch, mal Französisch – und wenn beides nicht klappt, dann eben Englisch.

Was Bibliotheksmitarbeiterin Heike Metzger zu erzählen hat, verstehen alle auch mit wenigen Worten: Mon dieu, mein Gott, George Clooney war hier! Eines Tages sei der Schauspiel-Beau einfach in die Rathaus-Bibliothek spaziert, auf der Suche nach einer geeigneten Drehkulisse, plaudert Metzger aus dem Rathausnähkästchen. Gedreht wurde dann zwar woanders, aber dass Potsdam eine bei Stars und Sternchen beliebte Filmstadt ist, erfahren die Schüler bei ihrem Rundgang durchs Stadthaus. „Viele wollen hier wohnen. Potsdam ist die kleine, feine Schwester Berlins“, erklärt Jutta Michelsen, Vorsitzende des Freundeskreises Potsdam-Versailles, die für die französischen Gäste übersetzt. Die 70-Jährige war früher Lehrerin für Französisch und Geschichte und erinnert sich gut, wie sie selbst 1962 als Schülerin zum ersten Mal nach Frankreich kam. „Da stand ich damals im Schlosspark von Versailles“, sagt die Frankreich-Liebhaberin, die seit mehr als 50 Jahren den Kontakt zu ihrer damaligen Austauschpartnerin hält.

Schulpartnerschaften wie jene noch ganz junge zwischen dem Einstein-Gymnasiums und dem Lycée Hoche Versailles seien die Basis einer jeden Städtepartnerschaft, ist Jutta Michelsen überzeugt. Insgesamt fünf Potsdamer Schulen pflegen enge Kontakte mach Versailles. Auch der Freundeskreis ist schon seit 2013 aktiv. Aus den gewachsenen Bindungen nach Versailles, dessen Schlösser und Parks wie die Potsdamer zum Unesco-Welterbe zählen, wurde im Juni 2016 eine offizielle Städtepartnerschaft.

Die Partnerschaft mit Bobigny ist eingeschlafen

Versailles passt zumindest dem Augenschein nach besser zu Potsdam als Bobigny, jener Pariser Vorort, der erst im Februar wieder auch in den deutschen Schlagzeilen stand: Bei Protesten gegen Polizeigewalt kam es zu Tumulten, Autos brannten. Die seit 1974 bestehende Partnerschaft mit Bobigny existiere nur noch auf dem Papier, räumt Potsdams „Außenministerin“ Isabell Sommer, zuständig für internationale Beziehungen, ein. „Bei Schreiben an alle Partnerstädte ist Bobigny immer dabei – aber es kommt keine Antwort mehr zurück“, sagt sie.

Mit Versailles soll es anders laufen – mit den Schülerfreundschaften als Basis. Gerade in Zeiten des erstarkenden Nationalismus sei es wichtig, miteinander ins Gespräch zu kommen, finden die begleitenden Lehrerinnen auf beiden Seiten. „Wir sind überzeugte Europäerinnen“, sagen die Deutschlehrerinnen Brigitte Keller und Valérie Aluouret aus Versailles. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich irgendwann mal wieder Werbung für Europa machen müsste. Vor 20 Jahren hat man geglaubt: Das Bündnis kann nichts erschüttern“, sagt Valérie Aluouret auch mit Blick auf die französischen Präsidentschaftswahlen am 23. April und einer Marine Le Pen vom rechtsextremen Front National, die gute Umfragewerte hat. Brigitte Keller kennt Potsdam, weil ihr Sohn eine Zeit lang hier studierte. Auch über das Thema Terror, den beide Schülergruppen quasi vor ihrer Haustür erlebten, spreche sie mit ihren Schülern: Bataclan in Paris, Breitscheidplatz in Berlin – nicht nur im Schönen und Niedlichen sind sich die Partnerstädte sehr nahe.

„Darüber hinaus geht es auch darum, Sprachkenntnisse zu verbessern“, sagt Kristin Jachmann, Französischlehrerin am Einstein-Gymnasium. „Eine Fremdsprache direkt anwenden zu können, ist sehr motivierend.“ Beim gemeinsamen Unterricht und bei Ausflügen nach Berlin sowie ins Museum Barberini und nach Sanssouci bleibt viel Zeit zum Austausch. Bienvenue!

Seit Jahren verbandelt

Versailles liegt in der Region Ile-de France, im Einzugsbereich von Paris. Bis zu Notre-Dame im Zentrum der französischen Hauptstadt sind es nur 22 Kilometer.

Die Einwohnerzahl liegt bei rund 85 500.

Potsdam ist die einzige Partnerstadt von Versailles. Im Laufe der Zeit wurden aber enge Beziehungen zu den Städten Gießen, Nara (Japan), Puschkin (Russland), Canberra (Australien) und Taipeh (Taiwan) aufgebaut.

Erste Gespräche im Potsdamer Rathaus mit dem Ziel, Verbindungen zwischen beiden Städten herzustellen, gab es bereits 1957.

Ab dem Jahr 2000 fanden Besuche und Austausche der Deutsch-Französischen Gesellschaft mit der Association Franco-Allemande statt und 2010 regte der Versailler Bürgermeister François de Mazières an, eine Städtepartnerschaft zu gründen. Seitdem werden stetig mehr Kontakte aufgebaut.

2013 wurde eine Absichtserklärung über die weitere Zusammenarbeit unterzeichnet und im Juni 2016 die Städtepartnerschaft gegründet.

Von Marion Kaufmann

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