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Potsdam Bildgeflüster von Lothar Krone
Lokales Potsdam Bildgeflüster von Lothar Krone
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13:37 07.11.2016
Lothar Krone vor seinem „Bildgeflüster“. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Der Gast sollte sich von der schroffen Begrüßung nicht abschrecken lassen: „Selbst im Strahlengewitter“ ist der Titel des Leidensbildes, mit dem Lothar Krone 2015 das Erlebnis einer Tumorbehandlung Kunst werden ließ. Der Kopf mit den zusammengepressten Zähnen und den aufgerissenen Augen ist fixiert unter einer bläulichen Maske, über ihm steht einem bizarren Schleier gleich das auf einen Punkt über der Stirn konzentrierte Feuer der Laserstrahlen.

Hinter der Tür aber hellt sich das Stimmungsbild abrupt. Kirchenmotive füllen den ersten Raum der Ausstellung „Bildgeflüster“ mit aktuellen Arbeiten, die jetzt in der Kunstwerk-Galerie des Offenen Kunstvereins eröffnet wurde.

Kundige Potsdamer werden immer wieder mal eines ihrer Gotteshäuser erkennen, schemenhaft und als Kontur inmitten von Traumlandschaften. Der Altar von St. Nikolai verliert unter fröhlich gelb-rötlichen Klecksen schon viel von seiner Strenge, den Rest besorgen ein unter der Decke schaukelndes Dämchen aus feiner Tusche und zwei winzige Jogger, die wacker durch die Andacht schweben.

Ehrfurcht gebietet die „Plutopassage“, der Künstler zeichnete die Nikolaikirche blau, gelb, grün umwallt bei Nacht und Nebel und setzte den Planeten als silbrige Münze gleich zweifach ein. „Bassinplatz nass“ zeigt fantastischen Spiegelungen, in „Kloster Heiligengrabe“ ist die Mark so morsch und morbide, wie man sie gar nicht erfinden kann.

Im zweiten Raum stehen Erinnerungen an Vietnam neben Potsdamer Motiven; das „Mosekind“, das als Idee entstand beim Anblick eines Korbs auf einem Weiher in Hanoi; die „Judengrabenbrücke“, ein genussvolles Spiel mit gedeckter Farbe, Perspektive und Licht; das aus Pappkartons gebaute Frauenporträt „Nur Träume bleiben“, das als Weihnachtskalender geplant war und nun mit abgerissenen Türen und Sinnsprüchen im Raum steht wie ein Psychogramm mit fragendem Auge und rotem Mund.

In einer Reihe kleiner Formate findet sich ein Aquarium, das als Illustration in einer Reihe von Seepferdchengeschichten gedacht war. Leider, sagt der Maler, kommt er mit dem Schreiben nicht voran. Das ist schade, denn seine Bilder sind so übervoll von leisen Geschichten, dass man gern die Erzählung ihres Schöpfers dazu kennen würde.

Landschaftselegien hängen im Dachgeschoss. Der „Havel River“ mit Insel, Schute und See unter einem Sturzbach aus Licht, ein vietnamesischer Strom, groß wie eine Meeresbucht, ein australischer Fluss in lärmender Stille. Die Malerei von Lothar Krone ist ein Spiel. Es geht auf, wenn auch Gerüche, Geräusche und Temperaturen ihren Widerhall finden.

Wie das Spiel beginnt, zeigt eine Arbeit mit schwungvoll bunter Grundierung und ersten Klecksen mit nachgezeichnetem Umriss. Mehr ist da nicht. Der Künstler brach von einem Moment auf den anderen ab, setzte dann aber in Schönschrift ein Hermann-Hesse-Zitat darunter: „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.“

Info Hermann-Elflein-Straße 10, Hinterhof, bis 27. November, Mi-So 15-19.

Lothar Krone

Lothar Krone, geboren 1952 in Potsdam, 1971 Abitur, 1972 Studienverbot und Anstellung als Hilfsarbeiter in einer Tiefbaufirma, ab 1972 Bühnenarbeiter am Hans-Otto-Theater (HOT) Potsdam, ab 1975 Praktikant im HOT-Malsaal, von 1978 bis 1986 Theatermaler am HOT.

Freiberuflicher Maler und Grafiker seit 1986, im Spätherbst 1989 Aufnahme in den Verband Bildender Künstler der DDR, an dessen Auflösung beteiligt und von 1993 bis 1997 Vorsitzender des nachfolgend gegründeten Landesverbandes Bildender Künstler.

Personalausstellungen unter anderem in Amersfoort/Niederlande (1992), im Waschhaus Potsdam (1997), in der Galerie Art Market Potsdam (2005), im Kulturministerium (2008) und in der Urania Potsdam (2015).

Von 2007 bis 2012 entwickelte er technische Skulpturen für das naturwissenschaftliche Kinder-Mitmach-Museum Exploratorium in Potsdam. Seit 2000 arbeitet Lothar Krone als Rezensent für die MAZ.

Von Volker Oelschläger

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