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Potsdam Bio-Eistee made by Potsdamer Schülern
Lokales Potsdam Bio-Eistee made by Potsdamer Schülern
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10:12 15.06.2018
Schön erfrischend: Tobias Karich (16) gilt als „kulinarisches Mastermind“ der Gruppe. Er hat den Bio-Eistee in seiner Küche entwickelt. Quelle: Christin Iffert
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Innenstadt

Es sollte ein natürliches Produkt sein, frisch und nachhaltig: Sechs Schüler des Hermann-von-Helmholtz-Gymnasiums haben einen Bio-Eistee im Rahmen eines Schulprojekts, das Teil der Bildungsinitiative „business@school“ ist, entwickelt. Und sie haben eine Vision, die längst über die Grenzen des Projekts hinaus geht.

Die Entwickler, das sind Leo Amari (17), Simon Jüngling (17), Gesa Schneider (16), Greta Weigl (17), Tobias Karich (16) und Lisa Weiß (17). Gemeinsam besuchen sie den Leistungskurs Wirtschaft am Gymnasium. Im Projekt „business@school“ entwickelten sie nicht nur das Produkt, sondern parallel den Businessplan, brüteten über Absatzmärkten, führten Gespräche mit potenziellen Lohnabfüllern. „Das ist realitätsnahe Wirtschaft und das Wissen, das wir mitnehmen, können wir langfristig im Leben anwenden“, erklärt Lisa Weiß den Vorteil des praxisnahen Lernangebots. Mit ihrem Getränk haben die Schüler nicht nur andere Gruppen ihres Kurses überraschend hinter sich gelassen – wurden sie doch in der Schule zunächst gar nicht als Favoriten gehandelt –, sondern auch Quasi-Gründer aus Berliner, Leipziger oder Görlitzer Schulen. Montag treten sie im bundesweiten Vergleich an – und bemühen sich um den Sieg.

Bio-Eistee soll regional vermarktet werden

Doch die sechs Schüler aus Potsdam und Glindow blicken weit über den Wettbewerb hinaus, denn sie möchten ihr Produkt tatsächlich auf den Markt bringen. Oder vielmehr zunächst in Bars und Cafés in Potsdam und der umliegenden Region.

Tobias Karich, Gesa Schneider, Leo Amari, Simon Jüngling, Lisa Weiß und Greta Weigl (v.l.n.r.) wollen ihr Erfrischungsgetränk nicht nur theoretisch, sondern auch Praktisch in der Region auf den Markt bringen. Quelle: Christin Iffert

Tobias Karich ist so etwas wie das „kulinarische Mastermind“ der Gruppe. Wochenlang stand er in der Küche seines Elternhauses, lieh sich zuletzt riesige Töpfe und testete mit Darjeelingtee, vorzugsweise grünen. Dabei unterstützte ihn die Teekampagne, weltweit größter Teeimporteur von Darjeelingtee. Dazu kamen Ingwer, Gojibeeren und Stevia -Blätter. Fertig ist das Erfrischungsgetränk. So einfach? Nicht ganz. „Es gibt vieles, das man beachten muss, das war ein Lernprozess“, sagt der 16-Jährige. Zwischendurch griff er zum Beispiel zum Curry-Gewürz. Beim Gedanken daran zieht sich sein Gesichtsausdruck zusammen – es war nicht genießbar. Außerdem sollte der Tee klar sein, das Süßeverhältnis stimmen.

Natürlicher Geschmack – vor allem erfrischend

Was als Dartealing zusammengebraut wurde, ist geschmacklich „für viele sicher erstmal gewöhnungsbedürftig“, sagt Simon Jüngling, der für Produktdesign und die Finanzierung zuständig ist. Vor allem bringe der Eistee eine schöne Säure, eine Mischung aus herb und mild und einem Energy-Boost. „Im Mund ist Dartealing wie eine Wunderkerze“, beschreibt Lisa Weiß das Getränk, die als Geschäftsführerin ausgewählt wurde. Und der Name? Der ist eine Zusammensetzung aus Darling, Tee und Darjeeling. „Einprägsam“, findet Lehrer und Mentor Andreas Fricke.

Das Produktdesign steht vorerst. Quelle: Christin Iffert

Mit ihrem Bio-Eistee treffen die Schüler den Nerv der Zeit. Was Nahrung betrifft, „gib es ein Umdenken in der Gesellschaft“, sagt Greta Weigl. Das Bewusstsein für gesunde und nachhaltige Lebensmittel sei gestiegen. Und Dartealing, das sei so etwas wie eine Wasseralternative – allerdings als Premiumgetränk. Noch ein Tee? „Warum nicht“, fragt Karich und zählt auf, was ihn von anderen unterscheidet – Zutaten, Zusammensetzung. Außerdem habe es auch schon Cola gegeben und trotzdem habe es Fritz-Cola geschafft. Die beiden Hamburger Entwickler hatten ebenfalls in der eigenen Küche im Studentenwohnheim begonnen und haben nach wenigen Jahren erst Bars, Spätis und später auch Supermärkte erobert.

Finanzierung und Lebensmittelchemie der nächste Schritt

Der Brauprozess findet bei den Helmholtz-Schülern noch immer in der Küche, statt in massenhafter Abfertigung statt. Nachdem anfangs jede Abfüllung etwas anders geschmeckt habe, sei das Rezept inzwischen ausgereift, der Geschmack beständig. Der Rest an „Imperfektion ist natürlich und gehört zum Image“, sagt Simon Jüngling, der sich über den Projektzeitraum in seinem Team einen Namen als „Graf Zahl“ erarbeitet hat.

Um den Bio-Darjeeling-Eistee zu vermarkten, benötigen die Jugendlichen einen Abfüller, vorab einen Lebensmittelchemiker, der die Mindesthaltbarkeitsfrage klärt – und nicht zuletzt geht es um Finanzierung. Lehrer Fricke hat das erste Geld bereits zugesagt, auch die Eltern sind involviert. Zudem denken die Gymnasiasten an Start-Up-Förderungen und Crowdfunding. „Eigentlich haben wir erstmal nichts zu verlieren“, sagt Karich. Das ist auch die Einstellung, mit der das Team am Montag zum Bundeswettbewerb von business@school fahren. Denn ob Sieg oder nicht – eines nehmen sie mit: Erfahrung, Kontakte und wichtige Hinweise von jenen, die in der Wirtschaft bereits fest verwurzelt sind.

Business in der Schule

Die Bildungsinitiative business@school soll Wirtschaft für Schüler greifbar machen.

Über ein Schuljahr hinweg analysieren die Jugendlichen ein Groß- und Kleinunternehmen, anschließend entwickeln sie eine eigene Geschäftsidee mit Businessplan.

Unterstützt werden die Schülerteams durch Lehrer und 500 Betreuer von Wirtschaftsunternehmen und der Unternehmensberatung The Boston Consulting Group (BCG), die vor 20 Jahren die Initiative ins Leben rief.

Mehr als 1500 Schüler von 90 Gymnasien beteiligten sich in diesem Jahr.

Seit 1998 haben mehr als 23 500 Schüler an der Bildungsinitiative teilgenommen.

In Potsdam nimmt das Helmholtz-Gymnasium das elfte Jahr infolge teil.

Zum ersten Mal haben die Potsdamer einen Regionalentscheid für sich entschieden.

Die sechs Schüler vertreten die Region Berlin /Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern/ Sachsen am Montag beim Finale in München gegen acht weitere Siegerteams aus ganz Deutschland.

Von Christin Iffert

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