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Potsdam Hektargroßes Biotop in der Waldstadt geschreddert
Lokales Potsdam Hektargroßes Biotop in der Waldstadt geschreddert
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00:22 14.02.2019
Alles Pflege, oder was? Anke Drohla und ihr Hund am Rande des gerodeten Biotops in der Waldstadt. Quelle: Rainer Schüler
Waldstadt

Noch im Herbst stand hier brusthoch das frische Gras, wuchsen Büsche und mannshohe Bäume. Hunde durchstreiften fröhlich schnüffelnd das Abenteuer-Biotop, in dem sich Fasane tummelten, obwohl hier auch ein Fuchs sein Jagdrevier behauptet – er findet reiche Beute; seinen Bau hat er unter einen Schutthaufen am Rand des Neubauwohngebiets gegraben, der Waldstadt 1.

Vor zwei Wochen aber rückte schweres Räumgerät an und machte alles weg, was kein ausgewachsener Baum war. Stehen blieben einige Bauminseln, die auch und vielleicht nur deshalb überlebten, weil Betonschutt in ihnen lagert. Ein Anwohner, der täglich mit seinem Hund in dieser Gegend spazieren geht, berichtet, dass dort Bahnschwellen liegen und Trümmer jenes Theaterneubaus, der kurz vor der Wende am Alten Markt als Betonkern hochgezogen, dann als Schwarzbau wieder abgerissen wurde, weil er zu klein dimensioniert war. Sogar Stadtschloss-Reste sollen in den Bauminseln liegen, erfuhr die MAZ von Hundehaltern bei der Begehung des Biotopes, das sich über etwa 50 mal 200 Meter Fläche erstreckt, ein Hektar also.

Ein Tummelplatz für Hunde

„Hier sind mindestens 30 Hunde pro Tag unterwegs“, berichtet ein Mann, der ganz in der Nähe wohnt: „Als ich diese Brache gesehen habe, war ich total erschrocken.“ Anwohnerin Anke Drohla, die sich hier oft mit anderen Hundehaltern trifft, hat keinerlei Verständnis für die Radikalmaßnahme: „Dauernd gehen in Potsdam Grünflächen verloren, nun auch hier, gleich neben einem Wohngebiet. Das ist völlig unnötig.“

Am Rande des Neubaugebietes Waldstadt 1 ist ein etwa ein Hektar großes Biotop fast komplett beräumt worden. Eine Umweltfirma spricht von einer Pflegemaßnahme; Anwohner sprechen von Kahlschlag.

Seit der Rodungsaktion stehen Schilder an allen Zugangswegen, auch an Trampelpfaden vom Wohngebiet aus: „Privatweg“ steht auf dem obersten, „Kein Winterdienst“ darunter und „Betreten auf eigene Gefahr“.

Freiluft-„Wohnung“ von Plattenbau-Kindern am Rande des Biotops Quelle: Rainer Schüler

Das interessiert die Neubau-Kinder wenig, die sich im Dickicht am Rande des Quartiers eine Freiluftwohnung eingerichtet haben, mit Tisch und Stühlen, mit Schränken und einem Zaun – alles Sperrmüll aus dem Quartier.

Umweltfirma verteidigt die Maßnahme

Gesperrt ist die Hauptzufahrt zu dem angeblich videoüberwachten Gelände, an dessen Rand die RTE Umweltservice GmbH eine Kompostieranlage sowie einen Garten- und Landschaftsbau betreibt.

Deren Geschäftsführer Claus Thobe kann die Aufregung der Anwohner nicht nachvollziehen: „Das war ein Successionsschnitt“, sagt er. „Es wurde alles weggenommen, was kein Baum ist.“ Das passiere immer wieder, wenn der Wildwuchs auf der Fläche zu hoch wird. Im Frühjahr wachse die Wiese neu auf.

Was ist eigentlich ein Biotop?

Der oder das Biotop ist ein bestimmter Lebensraum einer Lebensgemeinschaft (Biozönose) in einem Gebiet.

Biotope sind die kleinsten Einheiten der Biosphäre. I

Der Begriff wurde zuerst im Jahr 1908 durch Friedrich Dahl in die Wissenschaft eingebracht.

Der Begriff Biotop ist wertfrei. Als Biotope bezeichnet man sowohl natürlich entstandene Landschaftsbestandteile wie Bäche, Bergwald, Nadelwald, Mischwald etc. als auch vom Menschen erschaffene Landschaftsbestandteile wie „Betonwüsten“ (etwa Stadtlandschaften).

Weitere gängige Beispiele von Biotopen sind etwa Flussauen, Wüsten, Wattlandschaften oder auch Streuobstwiesen.

Ein Biotop ist in den Biowissenschaften ein Lebensraum von Organismen.

Ein Biotop kann Raum verschiedener Habitate oder selbst Teil eines oder mehrerer Habitate sein.

„Das mag sein“, kommentiert Anke Drohla, „aber viele Wildkräuter brauchen ein paar Jahre bis zur Blüte. Die Wiese hätte bleiben können, wie sie war, egal wie hoch.“ Sie vermutet, dass man Wildwuchs beseitigen wollte, ehe er so hoch ist, dass er als Baumbestand geschützt werden muss und einer Bebauung im Wege steht. Immerhin müssten die geplante Verlängerung der Wetzlarer Straße von Babelsberg in die Waldstadt und eine Eisenbahnunterführung oder -Brücke zwischen den oft überlasteten Bahnübergängen Rehbrücke und Drewitzer Straße hier entstehen.

Die Stadt konnte bis Redaktionsschluss am Montag nichts zum Auftraggeber der Maßnahme, zum Besitz der Fläche und möglichen Bauvorhaben sagen.

Von Rainer Schüler

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