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Bis 2019 zehn zusätzliche Hallenspielflächen

Interview mit Potsdams Sport-Dezernentin Noosha Aubel Bis 2019 zehn zusätzliche Hallenspielflächen

Potsdams Sport-Dezernentin Noosha Aubel spricht im Interview über den Mangel an Sportstätten und Neubaupläne. Der Vereins- und Breitensport profitiere von Schulneubauten. Die Kriterien zur Verteilung der Hallenzeiten und Privilegien von Vereinen sollen auf den Prüfstand. Und der Erhalt der Sandscholle habe Priorität, sagt die Dezernentin.

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Noosha Aubel ist seit dem 1. August Beigeordnete für Bildung, Kultur und Sport.

Quelle: Friedrich Bungert

Potsdam. Noosha Aubel (parteilos) ist seit August 2017 Beigeordnete für Bildung, Kultur und Sport. Im Interview spricht die Hobby-Läuferin über kostenlose Nutzung von Sportstätten, neue Kunstrasenplätze in der Templiner Straße und neue Vergabekriterien von Hallenzeiten.

Sie haben beim Amtsantritt gesagt, dass Sie als Beigeordnete für Kultur, Bildung und Sport kein „Lieblingskind“ entwickeln wollen. Es entstand aber der Eindruck, dass Sie sich beim Sport noch nicht oft gezeigt haben.

Noosha Aubel: Dieser Eindruck täuscht. Es ist das eine, ob ich Veranstaltungen besuche, was sicherlich ein wichtiger Aspekt ist und ich auch schon getan habe, zuletzt war ich beispielsweise bei Turbine gegen Bayern. Das Andere ist, dass ich natürlich auch im Rathaus viele Gespräche führe. Es gibt eine ganze Reihe von Vereinen, mit denen ich schon gesprochen habe und Vereine, mit denen ich noch sprechen werde. Auch mit dem Landessportbund habe ich bereits geredet, demnächst steht ein Termin mit dem Stadtsportbund im Kalender. Es gibt unterschiedliche Gesprächsfäden, die dazu beitragen, dass ich mir ein Gesamtbild machen kann.

Welche Frage wird Ihnen dabei am häufigsten gestellt?

Wie sieht die Sportdezernentin die weitgehend kostenlose Nutzung der Sporthallen und -flächen?

Und wie sieht sie diese?

Das ist ein sehr guter und wichtiger Beitrag zur Unterstützung der Potsdamer Sportvereine, den wir auch verstetigen sollten und damit den Vereinen perspektivisch die Sicherheit geben, dass nicht alle zwei bis drei Jahre wieder darüber diskutiert wird. Denn es würde viele Vereine vor große Probleme stellen – wenn nicht sogar das Aus für sie bedeuten – wenn wir Beiträge nehmen würden. Solange die Stadt die finanziellen Möglichkeiten hat, sollten wir die Sportflächen auch weiterhin weitgehend kostenlos zur Verfügung stellen. Denn die Vereine, die zu 90 Prozent ehrenamtlich getragen werden, leisten einen unglaublich wichtigen Beitrag für diese Stadt und unsere Gesellschaft, sei es durch Jugendarbeit, Gesunderhaltung, Integration oder Inklusion.

Die Bevölkerung von Potsdam wächst rasant, Hallenzeiten für Vereine werden immer begehrter. Wie kann man das Problem der fehlenden Sportstätten lösen?

Wir haben eine Planung, wie viele neue Hallenfelder wir im Zuge der Schulneubauten perspektivisch bekommen. Der Vereins- und Breitensport profitiert davon, dass wir neue Schulen bauen. Bis 2019 sind beispielsweise zehn zusätzliche Hallenspielflächen vorgesehen. Parallel sind wir dabei, uns die Kriterien zur Verteilung der Hallenzeiten noch einmal anzuschauen, sie zu überarbeiten und das Verfahren transparenter zu gestalten. Es soll deutlich werden: Wer kommt warum zum Zuge – oder eben nicht. Es ist auch geplant, im Laufe des nächsten Jahres zu überprüfen, ob die Auslastung der Hallen tatsächlich so ist, wie sie uns dokumentiert wird. Es ist nachvollziehbar, dass Vereine Hallenzeiten angeben, aber dann die Motivation nicht unbedingt so hoch ist, sie von sich aus auch wieder zurückzugeben. Und es kann natürlich nicht sein, dass ein Verein seit zehn Jahren bestimmte Privilegien genießt und man zu neuen Vereinen sagt, ihr kommt nicht rein.

Manche Vereine, wie beispielsweise die Potsdam Royals, fordern vehement Trainingszeiten ein, weil sie zum Training in andere Gemeinden ausweichen und dort für die Trainingszeiten zahlen müssen.

Wir haben für die Royals sämtliche Hallenzeiten realisieren können, die sie haben wollten. Im Moment haben sie auch die Möglichkeit, ihre Punktspiele im Luftschiffhafen auszutragen. Aber genau das ist ein klassisches Beispiel, was mich auch dazu veranlasst hat, die Kriterien für die Vergabe von Sportstätten zu überprüfen. Ich kann den Royals und anderen Vereinen im Moment nur sagen: Wir sind dran, wir kennen den Bedarf, aber wir können uns nicht neue Hallenzeiten aus den Rippen schneiden und von heute auf morgen weitere Hallen und Sportplätze bauen.

Das eine sind Neubauten, das andere ist die Erhaltung der vorhandenen Sportstätten. So ist beispielsweise der Kunstrasen an der Templiner Straße, der von der Potsdamer Sport-Union genutzt wird, eigentlich unbespielbar. Wird dort ein neuer Kunstrasen verlegt?

Ich habe den Platz gesehen, da ist nichts mehr zu flicken. Die Thematik haben alle erkannt, es ist ja auch einer der Vorschläge im Bürgerhaushalt. Die Verwaltung hat 900 000 Euro für die Plätze in den Haushalt eingestellt. Das muss im März von den Stadtverordneten beschlossen werden. Bis der Haushalt rechtskräftig ist, ist es Frühsommer, dann muss die Ausschreibung erfolgen. Wenn es sehr gut läuft, gibt es den neuen Platz im Herbst 2018, es kann aber durchaus auch erst 2019 sein.

Welche Probleme haben Ihnen Ihre Mitarbeiter noch geschildert?

Beispielsweise, wie läuft es mit dem Luftschiffhafen? Wie können wir es verbessern, dass Leistungs- und Breitensport miteinander einhergehen? Klare Priorität an dem Standort hat der Leistungssport, da trainieren unsere Olympiasieger von morgen. Aber auch hier gibt es konfliktäre Nutzungen beziehungsweise Nutzeranfragen, die wir nutzen müssen. Ähnliches gilt für die MBS-Arena. Die ist primär eine Schul- und Vereinshalle. Aber wir wollen stärker schauen, wie man die übrigen Zeiten besser in die Vermarktung bringt und kommerziell nutzen kann, um höhere Einnahmen zu generieren. Gerade in dieser Woche habe ich dazu ein längeres, sehr zielorientiertes Gespräch mit unserem Geschäftsbesorger, der Luftschiffhafen GmbH geführt, um das Thema aufzugleisen.

Was bedeutet der Zusatz Sportstadt für Sie?

Zunächst ein klares Bekenntnis der Stadt zum Sport, insbesondere im Hinblick darauf, was der Sport für uns leistet. Gesunderhaltung, Jugendarbeit, Integration. Letztes Jahr waren 18 Sportlerinnen und Sportler aus Potsdamer Vereinen bei Olympia – wenn das nicht Indiz für eine Sportstadt ist, dann weiß ich auch nicht. Wir haben sehr gute Bedingungen mit dem Luftschiffhafen und der Eliteschule des Sports und bieten gleichzeitig die Möglichkeit, in der Breite organisiert Sport zu betreiben.

Wie viel Geld stellt die Stadt dem Sport jährlich zur Verfügung?

Das ist eine Größenordnung von 15 Millionen Euro. Dazu zählt unter anderem die Sportförderung für herausragende Veranstaltungen, das was in den Bäderbetrieb und den Luftschiffhafen fließt, genauso wie die Unterstützung für unsere Bundesligisten. Dazu kommt die weitgehend kostenfreie Nutzung der Sportstätten. Nicht dabei sind die Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe in die Bildungsinfrastruktur, bei der auch zahlreiche neue Schulsporthallen gebaut werden.

Wie ist der aktuelle Stand beim Schulneubau in Babelsberg, in dessen Zuge auch die „Sandscholle“ überbaut werden könnte?

Sollte es rechtlich machbar sein, dann wollen wir die Schule auf jeden Fall in der Medienstadt realisieren, so dass uns die Sandscholle als wichtiger Sportplatz in Babelsberg erhalten bleibt. Da gilt es allerdings noch ein paar Punkte zu klären, weil dabei die Kommunalaufsicht im Spiel ist. Wir müssen zum Beispiel nachweisen, dass das tatsächlich die wirtschaftlichere Lösung ist, wenn die Schule vom Filmpark gebaut wird und wir sie zurückmieten.

Der Bedarf ist ja da, würden dann am Ausweichstandort am Bahnhof Rehbrücke trotzdem Sportplätze gebaut werden?

Abwarten, aber eigentlich nicht. Wir können nur Schulsportflächen bauen, wenn wir neue Schulen errichten. Reine Vereinsflächen können wir nur bauen, wenn wir dafür keine Kredite aufnehmen müssen. Denn das muss uns die Kommunalaufsicht genehmigen und zum Sportplatzneubau für Vereine ist eine Stadt nicht verpflichtet. Es ist aber natürlich schon die Zielsetzung, dass man nichtsdestotrotz zusätzliche Flächen für den Sport schafft.

Also ist Priorität eins, die Sandscholle in Babelsberg als Sportfläche zu erhalten?

Ja, definitiv.


Von Stephan Henke und Peter Stein

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