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Bischof Dröge für Teilverzicht bei Wiederaufbau

Kompromissvorschlag im Garnisonkirchstreit Bischof Dröge für Teilverzicht bei Wiederaufbau

In der Evangelischen Kirche mehren sich die Stimmen für eine Abkehr vom kompletten Wiederaufbau der Garnisonkirche in Potsdam. Mit Bischof Markus Dröge plädierte am Donnerstag der höchste Repräsentant der Landeskirche für den Verzicht auf eine vollständige Wiederherstellung der Garnisonkirche nach historischem Vorbild.

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Landesbischof Markus Dröge.

Quelle: Michael Hübner

Potsdam. Die Evangelische Kirche rückt vom Ziel eines vollständigen Wiederaufbaus der Potsdamer Garnisonkirche ab. Landesbischof Markus Dröge plädierte am Donnerstag vor der Herbstsynode der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz in Berlin für den Verzicht auf eine vollständige Wiederherstellung der Kirche nach historischem Vorbild. Er glaube, dass dies zur Klärung und Verständigung auch mit den innerkirchlichen Gegnern beitragen würde. Diesen Eindruck habe er aus einer Reihe von Gesprächen gewonnen, fügte der Bischof hinzu.

Dröge sagte: „Meine persönliche Überzeugung ist, dass schon durch die architektonische Gestaltung sichtbar werden sollte, dass nicht einfach das Alte wiederhergestellt wird.“ Das Gesamtkonzept müsse neben der historischen Kontinuität durch den Wiederaufbau des Turmes auch den Bruch mit der Tradition zum Ausdruck bringen: „Denn ein neuer Geist braucht auch ein erkennbar neues Haus!“

Mit Markus Dröge plädierte erstmals ein hoher Funktionsträger der Landeskirche für die Abkehr vom Ziel einer kompletten Rekonstruktion. Mit dem früheren Ministerpräsidenten Manfred Stolpe und Paul Oestreicher, dem langjährige Leiter des Internationalen Versöhnungszentrums der Kathedrale von Coventry, hatten sich bereits maßgebliche Wegbereiter des Wiederaufbaus dafür ausgesprochen, es beim Garnisonkirchturm zu belassen.

Ihre Plädoyers hatten dazu beigetragen, dass das um 1970 errichtete Rechenzentrum an der Breiten Straße zunächst vorübergehend als Atelier- und Kreativhaus genutzt wird. Abgerissen werden müsste dieser Bau, wenn man Platz für den Wiederaufbau des Garnisonkirchenschiffs benötigte. Der Kirchturm hingegen hat bereits Baufreiheit.

Der Bischof dankte in seiner Rede am Donnerstag zugleich ausdrücklich allen an dem Projekt Mitwirkenden. Die Kirchenleitung habe von Anfang an die Pläne zum Wiederaufbau der Garnisonkirche wohlwollend begleitet und sich hinter das Konzept eines Versöhnungszentrums an diesem Ort gestellt. Die öffentliche Diskussion um den Wiederaufbau sei „eine wichtige Auseinandersetzung mit der Geschichte“. Bischof Dröge begrüßte den dazu von der Stadt Potsdam initiierten Bürgerdialog als einen „wichtigen Verständigungsprozess“.

Die 1735 eingeweihte Potsdamer Garnisonkirche wurde bei einem alliierten Luftangriff am 14. April 1945 zerstört. In der DDR ließ die SED-Regierung die Ruine im Juni 1968 sprengen. Seit den 1990er Jahren bemühen sich verschiedene Akteure um den Wiederaufbau der Kirche. 2005 wurde der Grundstein gelegt, 2008 die kirchliche Baustiftung gegründet.

Nach aktuellen Planungen soll zunächst der Kirchturm gebaut werden. Dessen Finanzierung ist allerdings noch unklar. Die Baugenehmigung dafür läuft im Juli 2019 aus, eine Verlängerung ist nach Auskunft der Stadt „nicht zulässig“. Das komplette Baugrundstück fiele nach einer früheren Mitteilung des Rathauses an die Stadt zurück, „wenn bis zum 31. Dezember 2030 nicht wesentliche Teile der Garnisonkirche wieder errichtet und die Finanzierung des Wiederaufbaus zu diesem Zeitpunkt nicht konkret absehbar“ sei.

Das Projekt ist unter anderem wegen der Geschichte der Kirche umstritten. Am „Tag von Potsdam“ am 21. März 1933 nutzten die Nazis die Kirche zur Inszenierung der Eröffnung des neu gewählten Reichstags.

Von Volker Oelschläger

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