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Potsdam Bittersüße Geschichten aus dem Senioren-Dasein
Lokales Potsdam Bittersüße Geschichten aus dem Senioren-Dasein
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00:20 12.01.2018
Die Potsdamerin Edith Masch (82) schreibt bittersüße Anekdoten aus dem Seniorenalltag. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Worauf hatte sie sich da nur eingelassen? Oma als Wahlhelfer! Nachdem ihr alles erklärt worden war, von dem sie wenig verstand, wäre sie am liebsten wieder nach Hause gegangen. Aber Edith Masch beißt sich durch und ist am Ende ein klein wenig stolz auf sich. Die Häme der Jüngeren aber hat sie nicht vergessen, nicht ihre Blicke und das Gelächter. Ihr Erlebnis hat sie aufgeschrieben. „Das kam einfach so“, sagt die 82-Jährige und stapelt sehr, sehr tief.

Edith Masch hat ein Buch über das Seniorendasein geschrieben. Es heißt „Meine Sicht auf die Dinge“. Es ist warmherzig und charmant, aber alles andere als betulich. Es ist ehrlich und amüsant und oft tut es einem auch im Herzen weh, denn wir alle kennen nur zu gut, was Edith Masch auf der Straße, in der Tram, in der Rommé-Runde und bei Ausflügen beobachtet und daheim in einem der Hochhäuser auf dem Kiewitt in den Laptop tippt.

Ein zweiter Band ist bereits im Werden

„Ich habe nie darauf hingearbeitet, meine Geschichten zu veröffentlichen“, sagt Edith Masch. „Ich habe auch nie Tagebuch geführt.“ Weshalb sie mit dem Schreiben angefangen hat? „Ich hatte einfach keinen zum Sprechen. Aber ich musste das, was mir durch den Kopf ging, irgendwo loswerden – also hab ich’s auf Papier gebracht.“ Eine Bekannte vermittelt sie schließlich an den in Caputh ansässigen Tauber-Verlag. Mit 100 Exemplaren sind ihre Alltagserlebnisse gestartet, 50 wurden nachgedruckt. Ein zweiter Band ist im Werden. „Da hab ich ein bisschen kräftiger zugeschlagen“, sagt Edith Masch. „Es ist ja nicht immer Gold, was glänzt, nicht wahr?“ Die Fortsetzung soll „Das ist der Rede wert“ heißen. „Danach ist aber Schluss“, sagt Edith Masch, die zwar noch vieles zu erzählen hat, aber fürchtet, dass ihre Anekdoten in unserer hastigen Zeit allzu schnell alt werden und mit diesem Gedanken – Pardon! – Unrecht hat.

Apropos Angst. Vor dem Alter braucht sich niemand zu fürchten, sagt Edith Masch: „Aber machen wir uns nichts vor: Wir sind nicht drauf vorbereitet – auf nichts im Leben. Wir gehen da durch und wenn wir in ein Loch fallen, klettern wir raus und gehen weiter.“

Nach dem Tod des Ehemannes kommt sie sich wie hundert vor

Edith Masch hat so manch düstere Stunde hinter sich gelassen. Ihren an Alzheimer erkrankten Mann hat sie bis zum Ende begleitet. „Nach seinem Tod komme ich mir wie hundert vor“, schreibt sie. „Ich spüre plötzlich alle Unebenheiten in mir. Seltsam, wo kommen die auf einmal her? Ich hatte nie welche wahrgenommen. Sie kommen vom Alleinsein. Dabei bin ich ungerecht. Das weiß ich. Meine Kinder sind alle für mich da. Das war in der Zeit der Pflege so und ist so geblieben. Jetzt mache ich mit, was viele vor mir erlebt haben und viele nach mir auch erleben werden: das Alleinsein. Man liest darüber, man hört es überall. Doch wenn es einen selbst betrifft, muss man sich erst einmal finden.“

Eine waschechte Potsdamerin

Geboren im August 1935 in Potsdam, wächst Edith Masch in Nowawes auf. Sie spielt lieber Fußball mit den Nachbarsjungs als mit Puppen, steckt Hölzer in die Klingelknöpfe und versteckt sich hinter der Friedhofsmauer, um Passanten zu erschrecken. So froh viele Erinnerungen an die Kindheit auch sein mögen, die kleine Edith hat es oft schwer. Der Vater ist spielsüchtig und ständig unterwegs. Das Wenige, das die Familie hat, verzockt er beim Pferderennen. Der zwei Jahre ältere Bruder stirbt an den Masern. Dann kommt der Krieg und macht auch vor Potsdam nicht Halt... Die Kinderjahre gehen mit der Lehre zur Einzelhandelskauffrau zu Ende. Edith Masch gehört 1949 zu den ersten HO-Lehrlingen.

Bis zur Geburt des Sohnes Harald 1953 bleibt sie der Handelsorganisation – der größten Einzelhandelskette der DDR – treu. 1958 erblickt Bärbel das Licht der Welt, 1960 Bernd. Beruflich kommt Edith Masch herum. Sie arbeitet beim Konsum, bei der Defa, bei der Armee, im Blindenheim, bei der Post und bei der Wasserwirtschaft – und jetzt eben als Autorin. Ihr Erstling ist im Internationalen Buch in der Friedrich-Ebert-/Ecke Brandenburger Straße zu haben und in jedem anderen Buchladen via ISBN 978-3-943462-15-9 zu bestellen. Es kostet 8 Euro.

Von Nadine Fabian

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