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Potsdam Bizarrer Farben-Streit um Alte Post in Potsdam
Lokales Potsdam Bizarrer Farben-Streit um Alte Post in Potsdam
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22:40 20.04.2016
„Mitteschön“-Demonstration beim Richtfest der Alten Post. Quelle: Köster
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Innenstadt

Jetzt bringt die Berliner Volksbank ihre Rechtsanwälte gegen „Mitteschön“ in Stellung: Der seit Monaten schwelende Farben-Streit um das Aussehen der Alten Post am Platz der Einheit hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Die Berliner Volksbank als Bauherrin hat der Bürgerinitiative eine Abmahnung mit der Aufforderung zur Unterlassungserklärung mit Straf- und Klageandrohung geschickt. Die Summen, um die es geht, sind kein Pappenstiel. Sollte der Fall vor Gericht landen, wäre der Streitwert ein Summe im sechsstelligen Bereich - sprich: mindestens 100 000 Euro. Außerdem werden die BI-Mitglieder aufgefordert, eine Unterlassungserklärung zu unterzeichnen, in der sie sich dazu verpflichten, von bestimmten Äußerungen zur Fassade Abstand zu nehmen. Bei einem Verstoß wären jedes Mal 10 000 Euro fällig. Einige Aktivisten bringen die geharnischten Forderungen mittlerweile um den Schlaf.

An der Ecke Yorckstraße/Friedrich-Ebert-Straße entsteht der Neubau der Alten Post als der künftige Sitz der Berliner Volksbank. Quelle: Köster

Doch um was dreht es sich bei dem versuchten Maulkorb-Erlass? Volkstümlich ausgedrückt: Ocker oder nicht Ocker, das ist hier die Frage?

Der Stein des Anstoßes ist einer im wörtlichen Sinne: Es geht um den künftigen Fassadenstein der Alten Post und dessen Farbe. Der Streit tobt um den ockerfarbenen Sandstein, den „Mitteschön“ für Potsdam-typisch hält, und um den grauen Sandstein, wie ihn die Bank für die Fassade geplant hat.

Historische Ansicht der Alten Post an der damaligen „Nauenschen Plantage“. Quelle: Archiv

Fast ein Jahr lang hatte „Mitteschön“ nach eigener Aussage versucht, Kontakt mit der Bank aufzunehmen. Aber die Bitten um ein Gespräch fruchteten nichts, so BI-Sprecherin Barbara Kuster: „Unzählige freundliche Briefe wurden geschrieben – umsonst!“ Dafür flatterte die Klageandrohung ins Haus.

Barbara Kuster ist Kabarettistin und Sprecherin der Bürgerinitiative „Mitteschön“. Quelle: Archiv

Die Aktivisten sind empört. „Früher hat man hat diskutiert und bisweilen auch gestritten, man hat in der Sache gewonnen oder verloren – doch es war immer ein Diskurs“, sagt Clemens Appel: „Aber das jetzt ist – gelinde gesagt – schockierend.“ Der ehemalige Leiter des Brandenburger Staatskanzlei ist bei „Mitteschön“ aktiv. Ihn befremdet der neue raue Umgangston und die Androhung juristischer Schritte. Dadurch sei eine neue Dimension erreicht, „die wir bisher in der Stadt nicht so kannten.“ In der Sache will man sich nicht beirren lassen: „Wir wollen weiter den ockerfarbenen Sandstein, weil er Potsdam-typisch ist“, betont Clemens Appel.

Die Vorgeschichte

Die originale Alte Post war ein spätbarockes Gebäude im Gebiet der ersten barocken Stadterweiterung von Potsdam. Es befand sich an der Ecke der heutigen Friedrich-Ebert-Straße und der Yorckstraße auf der Westseite des Platzes der Einheit.

Das Gebäude wurde beim Luftangriff am 14. April 1945 weitgehend zerstört und die Ruine in der Nachkriegszeit abgetragen. Nach dem 2009 erfolgten Abbruch des 1968/69 auf dem Grundstück errichteten Wohnhochhauses wurde die Fassadenrekonstruktion der Alten Post diskutiert, blieb aber aus finanziellen Gründen umstritten.

Ende der 1960er Jahre wurde das „Haus des Reisens“ errichtet, in dem das staatliche Reisebüro und die Leitzentrale der Verkehrsbetriebe saßen.

In der Fassaden-Frage scheiden sich übrigens auch die Geister zwischen der Berliner Volksbank und der kommunalen Immobilienholding Pro Potsdam. Diese hatte der Bank das Grundstück und den Entwurf für die Alte Post verkauft. Kürzlich zog die „Pro“ sogar vor Gericht, um die Bank von der favorisierten Fassade in grauem Sandstein abzubringen. Die Pro Potsdam wollte das mit einer einstweiligen Verfügung verhindern. Allerdings scheiterte sie mit ihrem Eilantrag, weil das Gericht die Auffassung vertrat, dass die Streitfrage auch noch nach Herstellung der Fassade entschieden werden könne und dass somit eine Eilbedürftigkeit nicht gegeben sei

Beim Richtfest im Dezember zog die Bürgerinitiative vor die Baustelle an der Yorckstraße/Friedrich-Ebert-Straße. Auf ihren Plakaten stand: „Pro Potsdam lass nicht locker – im Vertrag steht ocker“ oder: „Ocker wollen wir haben, sonst wird Pro Potsdam klagen“. Das brachte für die Volksbank anscheinend das Fass zum Überlaufen.

Teilnehmer der „Mitteschön“-Demonstration. Quelle: Köster

Die Bürgerinitiative will sich nicht einschüchtern lassen. „Wir kennen den Vertrag zwischen der Pro Potsdam und der Berliner Volksbank gar nicht“, sagt Barbara Kuster. Die Aussagen stützten sich aber auf den Beschluss der Stadtverordneten aus dem Jahr 2013: Diese hatten den Alte-Post-Entwurf von Architekt Bernd Redlich mit der ockerfarbenen Sandstein- und Putzfassade abgesegnet. Auf diesen Beschluss hätten sich die Plakat-Parolen bezogen, präzisiert Kuster auf MAZ-Nachfrage. Wie genau der Inhalt des Verkaufvertrags zwischen der „Pro“ und der Volksbank aussah, könne sie nicht abschätzen, da dieser nicht öffentlich sei, betont die BI-Sprecherin.

Pro-Potsdam-Geschäftsführer Bert Nicke stellt auf Nachfrage klar: „Der Vertrag enthielt zur Farbe der Fassade keine gesonderte Regelung. Allerdings war die Umsetzung des Redlich-Entwurfs, wie er Gegenstand des Stadtverordnetenbeschlusses war und in die mit verkauften Bauantragsunterlagen Eingang gefunden hatte, vertraglich mit der Berliner Volksbank vereinbart worden. Dies schloss die ockerfarbene Fassade ein.“ Die Bauantragsunterlagen wurden der Kaufvertragsurkunde zwar nur als Schwarz-Weiß-Kopie beigefügt; sie waren der Berliner Volksbank jedoch vor Beurkundung als Farbkopie übergeben worden, betont Nicke.

Pro-Potsdam-Geschäftsführer Bert Nicke Quelle: Privat

Die Denkmalbehörde hat anscheinend keine Einwände gegen den grauen Stein, den die Volksbank verwenden will. Aber: „Die Denkmalbehörde ist nur um eine denkmalrechtliche Stellungnahme gebeten worden“, betont Nicke. Er pocht auf die Einhaltung des Vertrags. Die Pro Potsdam will nun abwarten, welche Fassade die Alte Post tatsächlich bekommt. Erst dann könne man „beurteilen, ob das vertragskonform ist“, so Nicke.

Auf Nachfrage wollte sich die Berliner Volksbank nicht äußern.

Von Ildiko Röd

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