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Potsdam Was passiert, wenn in Potsdam der Strom ausfällt?
Lokales Potsdam Was passiert, wenn in Potsdam der Strom ausfällt?
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10:58 14.01.2019
Dieselaggregate sichern in Potsdam den Betrieb vieler Schlüsselbereiche ab, falls großflächig der normale Strom ausfällt. In den Krankenhäusern wird weiter operiert. Quelle: Foto: dpa
Potsdam

Anschlag, Extremwetter, Baustellenunfall oder folgenschwere Technikpanne – es gibt viele Gründe, die zum Ausfall der Stromversorgung führen können. Auch ein flächendeckender Blackout ist denkbar. Der würde aber bedeuten, dass nicht nur in Potsdam, sondern auch im gesamten vorgelagerten Netz der Edis AG als Regionalversorger und bei der 50Hertz Transmission GmbH als ostdeutschem Übertragungsnetzbetreiber die Stromversorgung unterbrochen wäre, in ganz Deutschland und möglicherweise in Teilen Europas.

Was tun die Verwaltungen, Behörden, Versorgungs- und Verkehrsunternehmen Potsdams bei einem massiven Stromausfall? Die MAZ hat nachgefragt.

Stadtwerke nutzen vor allem Gas

Das Stromnetz ist an mehreren Einspeisepunkten im Norden und Süden mit dem 110-Kilovolt- Hochspannungsnetz der Edis AG verbunden. Mit dem Ende 2015 fertiggestellten 110-Kilovolt-Ringschluss ist es noch sicherer geworden. Um das 110-Kilovolt-Hochspannungsnetz – das die Mittelspannungs- und Niederspannungsnetze der Stadt mit Strom versorgt – in sich zu schließen, entstand damals eine Verbindung zwischen den Umspannwerken Nuthe und Zeppelinstraße. So läuft die Versorgung, auch wenn einzelne Einspeisepunkte ausfallen. Beim Stromausfall am 1. August 2017 bewahrte genau dieser Ringschluss Potsdam vor größeren Problemen.

Kraftwerk deckt Strombedarf zu 90 Prozent

Das Heizkraftwerk Süd ist eine große Stromerzeugungsanlage auf Erdgasbasis. Sie erbringt 84 Megawatt elektrischer Leistung, womit derzeit etwa 90 Prozent des Potsdamer Strombedarfes lokal erzeugt werden.

Das Heizkraftwerk Süd erzeugt 90 Prozent des Potsdamer Stroms aus Erdgas. Quelle: Detlev Scheerbarth

Wenn eine oder beide Turbinen und damit einer oder beide Generatoren im Heizkraftwerk Potsdam-Süd außer Betrieb gehen, wird aller Strom aus dem Netz der Edis AG bezogen. Soetwas passiert planmäßig, wenn die Turbinen gewartet werden müssen, was vorzugsweise im Sommer erledigt wird.

Bei starkem Leistungsabfall „Lastabwurf“

Ein Leistungsabfall wird ausgeglichen über andere Umspannwerke; dazu werden Leitungen umgeschaltet. Deshalb ist nach Störungen, wie zuletzt im Sommer, die Stromversorgung relativ schnell wieder hergestellt. Gibt es allerdings starke Leistungseinbrüche auf Grund zu hoher Abnahme hat man so genannte Lastabwürfe geplant: Einem genauen Prioritätenplan folgend, schalten spezielle Relais in den Umspannwerken automatisch einzelne Ausgänge ab. Das ist bislang noch nie geschehen.

Außer dem Kraftwerk Süd gibt es kleinere Blockheizkraftwerke, die Wärme und Strom erzeugen; das größte in der Zeppelinstraße hat eine Stromleistung von 4,3 Megawatt. Auch wird an vielen Punkten Solarstrom eingespeist. Die Stadt muss aber stets Strom von außen zukaufen. Der kommt immer aus dem Netz der Edis, das mit dem der Netzgesellschaft Potsdam (NGP –ein Tochterunternehmen der Energie und Wasser Potsdam GmbH, EWP) verknüpft ist. Die Edis wiederum ist mit dem Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz Transmission GmbH verbunden. „Unabhängigkeit gibt es nicht“, sagt Stadtwerkesprecher Stefan Klotz.

Stromtrassen fast alle unterirdisch

Die Leitungen im Stadtgebiet verlaufen überwiegend unterirdisch und sind damit störungsresistenter gegen Extremwetterlagen. Potsdams Ausfallquoten liegen unter dem bundesweiten Durchschnitt.

Die Energie und Wasser absolviert regelmäßige Abstimmungen zur Antihavariekonzeption, dazu gehört auch die Blackout-Thematik. Es gibt Alarmpläne und Alarmierungsübungen. Der Blackout-Fall wäre ein Katastrophenfall, bei dem die staatlichen Behörden auf kommunaler, Landes- und Bundesebene die Führung des Krisenmanagements übernehmen. Die Stadtwerke, insbesondere die EWP, wären ein wichtiger Partner im Potsdamer Krisenstab, zu dem es eine netzunabhängige und gesicherte telefonische Standleitung vom Kraftwerk sowie – in begrenztem Maße –weitere unabhängige Kommunikationsmöglichkeiten. Für die wichtigsten Anlagen der Stadtwerke gibt es eine Notstromversorgung.

In der deutschen Stromwirtschaft existieren Netzreservekraftwerke bei den Übertragungsnetzbetreibern. Nach einem flächendeckenden Blackout müsste ein ganzes Netz wieder in Betrieb genommen werden, es gäbe eine koordinierte Aktion der deutschen oder europäischen Stromwirtschaft.

Verkehrsbetrieb hat Notkonzept

Beim öffentlichen Nahverkehr unterscheiden die Stadtwerke zwischen einem flächendeckenden Blackout und einem lokal begrenzten Stromausfall, der vielleicht auch nur Teile des Oberleitungsnetzes des Verkehrsbetriebs in Potsdam (Vip) betrefft. Für den Fall hat die Vip Konzepte; und es gibt Pläne zur Notbetankung von Bussen und anderen Fahrzeugen.

Die Straßenbahnen des VIP-Verkehrsbetriebs rollen bei Stromverlust aus und können per Hand geöffnet werden. Neuere Bahnen fahren per Akku noch ein Stück. Busse können notbetankt werden. Quelle: Detlev Scheerbarth

Die Straßenbahnen stoppen nicht abrupt, ohne Licht und mit verriegelten Türen; sie rollen aus und bleiben stehen. Die neueren Bahnen verfügen über Pufferbatterien, die eine Zeit lang halten. Die Türen aller Bahnen und Busse lassen sich durch den Fahrer auch manuell entriegeln.

Die EWP hat ein Informationsicherheitssystem und dazu einen Beauftragten. Im November 2017 wurde durch eine neutrale Instanz der normgerechte Betrieb des Systems festgestellt und November 2018 verteidigt. Attacken auf das Stromnetz oder die Telekommunikation gab es bislang nicht.

Eine Stunde Zeit beim Immobilienservice

Der Kommunale Immobilienservice (Kis) als Betreiber der städtischen Immobilien verfügt über einen Notfallplan bei Stromausfall, um wichtige Funktionen bis zur Wiederherstellung der Stromversorgung aufrecht zu erhalten. Für wichtige Anlagen gibt es eine unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) durch Notstromaggregate oder Batterieanlagen. Allerdings funktionieren die nur etwa eine Stunde. Länger hält auch die Telefonanlage unter Last nicht durch. Die Computer-Server der Landeshauptstadt sind hingegen ohne Einschränkung abgesichert. Brandmeldeanlagen und Sicherheitsbeleuchtungen haben eine Notstromversorgung.

Feuerwehr-Stab nutzt Dieselaggregate

Die Feuerwehr befasst sich seit Jahren mit dem „langanhaltenden und flächendeckenden Stromausfall“. In Potsdam hat sie an mehreren Standorten Stromerzeuger für ihre Feuerwachen. Auch der Stab für außergewöhnliche Ereignisse mit Sitz in der Hauptwache an der Holzmarktstraße ist notstromversorgt.

Die Feuerwehr hat Notstrom für den Katastrophenstab und die Wachen. Die Verständigung der Fahrzeuge läuft über Funk. Es gibt sogar Satellitentelefone. Quelle: Detlev Scheerbarth

Die Feuerwehrfahrzeuge haben Funkgeräte. Das Funknetz für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben ist bis zu 100 Stunden mit Brennstoffzellen und Akkus versorgt. Außerdem gibt es Satellitentelefone.

Polizei mindestens zwei Tage voll da

Die Polizei will dank einer Notstromversorgung „mindestens zwei Tage“ ohne Elektrizität von außen durchkommen, sagt Torsten Herbst als Sprecher des Präsidiums. Bei einem großflächigen Stromausfall würden im gesamten Präsidium Maßnahmen greifen, die „geeignet sind“, den Dienstbetrieb und die öffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten. Mit der Notstromversorgung würden aber nicht alle Dienstbereiche komplett betrieben, sondern nur die „polizeilichen Kernaufgaben“ gesichert, die Notrufannahme etwa und die innere Kommunikation per Telefon und Computer. Dazu würden die entsprechenden Bereiche mitsamt der nötigen Gebäudetechnik versorgt: „Fahrstühle zählen dazu nicht.“ Man könne stets auch Treppen benutzen.

Die Leitstelle des Polizeipräsidiums bleibt mindestens zwei Tage auch ohne regulären Strom einsatzbereit. Quelle: Detlev Scheerbarth

„Großflächige Stromausfälle mit Auswirkungen auf das Polizeipräsidium hatten wir in den vergangenen Jahren nicht“, sagte Herbst gegenüber der MAZ. „Zu kleineren, regional sehr begrenzten Stromausfällen kam es immer mal wieder. Die öffentliche Sicherheit und Ordnung war nicht gefährdet.“

Klinikum schaltet binnen 15 Sekunden um

Das städtische Klinikum „Ernst von Bergmann“ bekommt seinen Strom über eine separate Hochspannungseinspeisung direkt vom Energieversorger. Sollte es zu einem Netzausfall kommen, übernehmen binnen 15 Sekunden zwei 2800 PS starke Dieselaggregate automatisch die Versorgung am Standort Charlottenstraße, berichtet Kliniksprecherin Theresa Decker. Die Klinik für Psychiatrie In der Aue hat eine 600 PS starke Netzersatzanlage.

Das städtische Klinikum „Ernst von Bergmann“ hält dank starker Dieselaggregate mindestens sieben Tage ohne Strom und neuen Kraftstoff durch. Quelle: Detlev Scheerbarth

Der Notstrom soll die dringendsten Klinikprozesse am Laufen halten: Intensivbetten, Operationsräume, Heizungs-, Lüftungs-, Kälte-, und Druckluftanlagen, Sicherheitslicht, Brandmelder sowie die Rechen- und Datentechnik. Die wichtigsten Anlagen und Geräte fallen auch während der 15 Sekunden Umschaltzeit nicht aus, weil sie durch Akkus und Batterieanlagen gesichert sind. Diese Notstromanlagen kommen nicht nur die gesetzlich vorgeschriebenen 72 Mindest-Stunden ohne neue Kraftstoffzufuhr aus, sondern mindestens sieben Tage. Außerdem gibt es Vereinbarungen mit Lieferanten über eine kurzfristige Auffüllung der Reserven. Die Telekommunikation bleibt immer erhalten.

Notstrom reagiert schon bei Schwankung

Auch das St. Josefs Krankenhaus der Alexianer sichert einen Notbetrieb der „rettenden Abteilungen“ per Dieselaggregat. „Solange es Diesel gibt, funktioniert das“, sagte Sprecher Benjamin Stengl der MAZ. Binnen zwei Stunden könne man auch neuen Brennstoff geliefert bekommen.

Am St. Josefs Krankenhaus der Alexianer reagiert der Notstrom schon bei Schwankungen im Netz. Solange es Diesel gibt, arbeiten die Schlüsselbereiche der Einrichtung. Quelle: Detlev Scheerbarth

Der Notstrom im Josefs reagiert binnen Sekunden, nicht erst beim Ausfall des Netzes, auch schon bei Schwankungen. 85 Prozent des Krankenhauses sind mit dem Ersatzsystem versorgbar. Das heißt aber auch, dass in weniger wichtigen Bereichen wie den normalen Stationen und den Fluren nur das Notlicht geht. Fahrstühle fahren beim Stromausfall in den Keller, öffnen die Türen und bleiben unten stehen. Falls sie für Krankentransporte gebraucht werden, kann man sie einzeln per Notstrom bedienen. Telekommunikation und die Computer sind extra gesichert und brechen nicht weg.

Von Rainer Schüler

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