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Potsdam Blicke hinter alte und neue Türen
Lokales Potsdam Blicke hinter alte und neue Türen
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07:13 23.06.2017
Ein Musikerehepaar ließ sich dieses zweigeschossige Wohnhaus im modernen, minimalistischen Stil in Groß Glienicke bauen. Quelle: Victoria Barnack
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Potsdam/Groß Glienicke

Auf den ersten Blick haben der Neubau in der Groß Glienicker Seepromande 73 und der Altbau in der Babelsberger Wollestraße 34 nichts gemeinsam. Erst im Gespräch mit den Bauherren und Architekten der beiden Häuser wird klar, dass sie vor allem eine Tatsache vereint: Ihre Bewohner haben in ihnen den Ort gefunden, an dem sie sich zu Hause fühlen können.

„Meine Frau und ich haben lange gesucht, bis uns klar wurde, dass unser Traumhaus wahrscheinlich schon existiert, aber nicht genauso zum Verkauf steht“, sagt Holger Häußermann. Der 42-jährige Familienvater stammt aus Stuttgart und lebt seit fünf Jahren in Potsdam. Die kleine Wohnung, in der seine Familie lebt, war eigentlich nur als Übergangslösung gedacht gewesen. Die Haussuche gestaltete sich schwieriger als erwartet.

„Unser Hauskauf war dann wie eine Auktion“, erinnert er sich, „fast täglich kamen neue Gebote.“ Ende 2014 erhielt Häußermann schließlich den Zuschlag für den Altbau, der mitten im Denkmalbereich Nowawes liegt. Danach geschah zwei Jahre lang fast nichts außer dem Kampf mit den Ämtern. Noch heute muss der 42-Jährige jedes Detail mit den Behörden abstimmen.

Erhellender Glücksfund im Archiv

Entstanden war das Gebäude 1904 als massiv gemauerter Putzbau mit Holzbalkendecken in den oberen und einem Terrazzofußboden im unteren Geschoss. Durch einen glücklichen Zufall gelangte Häußermann an alte Akten seines Hauses, darunter die mehr als 100 Jahre alte Baugenehmigung und Fotos aus den 1930er Jahren. Auf ihnen zeigte sich das ursprüngliche Gesicht der Fassade und des Daches, das „für uns immer irgendwie komisch aussah“, erklärt Häußermann. Denn: Die einstigen Stuckfassaden waren nach dem 2. Weltkrieg abgerissen und die Dachkonstruktion grundlegend verändert worden.

Häußermann hat nun beschlossen, die Straßenfassade wieder entsprechend ihres Erbauungszustandes einschließlich der Ornamentik zu rekonstruieren und den historischen Dachteil gemäß der historisch belegten Vorgaben wiederzuerrichten. 160 Quadratmeter sollen der vierköpfigen Familie bereits zu Weihnachten zur Verfügung stehen. Dazu soll auch die sanierte, 14 Quadratmeter große Remise im Garten gehören. Häußermann möchte sie zu einer Art offenem Arbeitsraum und Sommerschlafplatz direkt unter dem Dach umfunktionieren.

Eine Fotomontage zeigt, wie der Altbau in der Wollestraße nach der Sanierung aussehen wird. Das Erscheinungsbild entspricht der Baugenehmigung von 1904. Quelle: privat

Der 42-Jährige möchte außerdem die Details im Gebäudeinneren erhalten, die erst während der Bauarbeiten sichtbar wurden. „Ein Neubau kam für uns sowieso nie in Frage“, sagt er. Nun muss er die Bauarbeiter zügeln, damit sie nicht alte Malereien oder Fließenreste an den Wänden zerstören. Treppen und Geländer im Hausinneren wurden vorsorglich verkleidet, damit sie keinen Schaden nehmen. Die Vorgaben des Denkmalschutzes, beispielsweise zur Farbe der Fassade und Form der Stuckornamente stören ihn keineswegs. „Auch die alten Fensterrahmen hätten wir sicherlich von allein beibehalten“, sagt er.

Modernes Wohnhaus im minimalistischen Stil

Weniger historisch hat Alfons Wening in Groß Glienicke gebaut. Dort steht ein modernes Wohnhaus mit 200 Quadratmetern Wohnfläche auf einem Hanggrundstück, auf dem sich einst eine Ziegelei neben der noch vorhandenen Tongrube befand. „Das Musikerehepaar, das hier seit einem Jahr wohnt, verbindet die Liebe zum Minimalistischen“, sagt der Architekt aus Potsdam. Fenster und Glastüren in unterschiedlichen Formen und Größen verleihen der schlichten Fassade ein unverwechselbares Erscheinungsbild, das nur von außen beliebig zusammengestellt wirkt.

„Verschiedene Räume im Inneren korrespondieren miteinander“, erklärt er über den zweigeschossigen Neubau mit offenem Wohn-, Koch- und Essbereich, der über eine Verbindung in der Decke zur Galerie im oberen Teil des Hauses verfügt. Durch die Lage wirkten die Räume besonders offen, erklärt Wening. Gleichzeitig konnte durch das Spiel mit Verglasungen und verschiedenen Höhenebenen die Privatsphäre der Bauherren bewahrt werden.

Der Innenraum des Wohnhauses in Groß Glienicke wirkt durch die großen Verglasungen hell und offen. Quelle: Victoria Barnack

„Vor der detaillierten Planungsphase war das Ehepaar lediglich mit dem Wunsch nach einem Wohnhaus für sich und ihre zwei Kinder inklusive Arbeitsräumen zu mir gekommen“, sagt Alfons Wening. Die Zusammenarbeit sei reibungslos und stets transparent verlaufen, betont er. Die menschliche Komponente ist ein Aspekt, der Wening wichtig ist.

Das sieht auch Holger Häußermann ähnlich. „Der menschliche Faktor muss passen“, sagt er. Der 42-Jährige hat bereits mit zwei verschiedenen Architektenbüros an seinem Altbau gearbeitet. Auf einen erfahrenen Fachmann für Restaurierungsarbeiten folgte Ende 2016 wegen der schnellen Einzugspläne der Familie ein „pragmatischer Baubegleiter“, erklärt er und ergänzt, dass er keinen von beiden weniger schätze. „Vor allem für unerfahrene Bauherren ist es wichtig, einen Architekten an der Seite zu haben, der die Nöte seiner Kunden versteht und sie abpuffern kann“, sagt er. Allein hätte er die Behördengänge wohl nicht so gut über die Bühne gebracht wie mit der Unterstützung des Fachmanns. Zumindest in diesem Punkt haben die auf den ersten Blick so unterschiedlichen Häuser in Babelsberg und Groß Glienicke also eine Gemeinsamkeit: Die Chemie zwischen Architekten und Bauherren muss beim Hausneu- oder -umbau stimmen.

Alle Objekte, die zum Tag der Architektur in Brandenburg geöffnet werden, findet Sie auf der Homepage der Architektenkammer Brandenburg.

Von Victoria Barnack

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