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Blindgänger in Potsdam Als die Bomben auf Potsdam fielen...
Lokales Potsdam Blindgänger in Potsdam Als die Bomben auf Potsdam fielen...
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16:36 11.11.2015
Am 14. April 1945 war Potsdam das Ziel eines alliierten Fliegerangriffs. Quelle: MAZ-Archiv
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Potsdam

Frühjahr 1945: Deutschland versinkt im Frühjahr in Schutt und Asche. Der Zweite Weltkrieg neigt sich dem Ende zu, die alliierten Streitkräfte haben die deutschen Truppen so gut wie besiegt und es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Reichshauptstadt Berlin fällt und die Nationalsozialisten besiegt sind.

Der Ring um Berlin schließt sich langsam und die alliierte Luftwaffe nimmt die Hauptstadt regelmäßig unter Beschuss. Potsdam ist bisher von einem Großangriff verschont geblieben. Dennoch sind es die Menschen gewohnt, dass der Fliegeralarm ertönt und man in den Luftschutzkellern Zuflucht sucht. Bisher sind die Bomber über ihren Köpfen noch immer nach Berlin geflogen. Bis Mitte April. Am 14. April 1945 bricht über Potsdam die Hölle los.

Bereits einige Tage zuvor hat ein Aufklärungsflugzeug Luftaufnahmen von Potsdam gemacht. Diese werden maßgeblich für den Angriff (Codename „Crayfish“) sein, der am 14. April 1945 um kurz vor 23 Uhr beginnt.

Der „Master Bomber“, der Leiter des Angriffs, Hugh James Felce Le Good, koordiniert den Angriff aus seiner Lancaster PB 676 heraus.

Es gibt ein klar abgestecktes Bombardierungsziel. Dafür wurden auf einem Luftbild der Alliierten im Vorfeld vier markante Punkte rund um das Stadtzentrum markiert. Im Zentrum der Punkte liegt der Bahnhof.

Fliegeralarm in Potsdam

Gegen 22:15 Uhr steht fest: Die Bomber sind eindeutig auf dem Weg Richtung Potsdam/ Berlin. Die vordersten Flieger sind bereits im Luftraum über Hannover/ Braunschweig. Wenig später erreichen die ersten Flugzeuge den Luftraum über Potsdam. Rund zwanzig Minuten später beginnt das Inferno. Auf Befehl des „Master Bombers“ werden Beleuchtungsbomben über dem Zielgebiet abgeworfen, kurz danach öffnen sich die Bombenschächte der Flieger.

Der „Master Bomber“ ist in dieser Phase durchgehend damit beschäftigt, seinen Piloten den richtigen Zeitpunkt für die Bombardierung mitzuteilen. Der auffrischende Wind macht ihm zu schaffen.

Immer neue Zielmarkierung werden gesetzt. Viele Bomben werden nicht zielgenau abgeworfen. Auch in Babelsberg, eigentlich außerhalb der markierten Zone, gehen Bomben runter. Augenzeugen berichten danach von dem „Pfeifen der Bomben“. Der Boden zittert bis hin zum Findling in Babelsberg und es brennt es „an einigen Stellen lichterloh“.

Um etwa 23 Uhr ist der Spuk vorbei. Der „Master Bomber“ verlässt da Zielgebiet, nach und nach ziehen sich auch die anderen Bomber zurück.

Zurück bleibt ein Trümmerfeld

Im Zentrum des Zielgebiets sind die meisten Gebäude zerstört, aber auch in der Peripherie brennt es lichterloh, sind viele Bombenschäden zu verzeichnen.

Im Park Babelsberg tritt nach langen Minuten in „höchster Lebensangst“ auch der 42-jährige Hans Chemin-Petit wieder aus seinem Luftschutzbunker heraus, der erst auf sein „nachdrückliches Fordern“ gebaut worden war. Der Musiker und Dirigent lebt wenige Meter entfernt im Kleinen Schloss im Park Babelsberg. Mehrere Bomben sind hier niedergegangen, das Gebäude zum Teil unbewohnbar geworden.

Von der Glienicker Brücke aus beobachten Überlebende „die brennende Stadt in ihrem ganzen Umfang.“

Weitere Bomben im Boden

Über 60 Jahre nach der Bombardierung Potsdams werden noch immer Blindgänger gefunden. Vor allem im und rund um das Zielgebiet der Bomber, aber auch in Babelsberg. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes Brandenburg rechnet dort noch mit über 100 Bomben; ein Fünftel davon ist noch scharf.

Die am Dienstag gefundene Bombe ist der zwölfte Sprengkörper, der in diesem Jahr in Potsdam geborgen wurde, insgesamt ist es der 170. Weltkriegssprengkörper seit 1990 in der Landeshauptstadt.

SIEHE AUCH: Detailliertes Minutenprotokoll des Luftangriffes auf Potsdam

Von MAZonline

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