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Blindgänger in Potsdam Blindgänger war für Sprengmeister ein Spezialfall
Lokales Potsdam Blindgänger in Potsdam Blindgänger war für Sprengmeister ein Spezialfall
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09:31 14.09.2018
Die Bombe hat ihren Schrecken verloren: Ordnungsdezernent Mike Schubert und Sprengmeister Mike Schwitzke (re.) treten vor die Presse. Sie erklären, dass es noch 500 weitere Verdachtspunkte auf demn Gelände gibt. Quelle: Friedrich Bungert
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Die Donnerstagmittag an der Heinrich-Mann-Allee unschädlich gemachte Weltkriegsbombe war vielleicht nicht die letzte an diesem Ort. Sondenmessungen der beauftragten Suchfirma Boskalis haben nach Auskunft von Feuerwerker Maik Schwarz noch rund 500 Auffälligkeiten im Boden ergeben auf den zehn Prozent Fläche, die noch nicht mit Rasterbohrungen durchgeprüft wurden. Bislang hat man auf den 90 Prozent abgesuchter Fläche zwei Bomben gefunden; eine wurde am 3. August durch Sprengung vernichtet, die zweite gestern unschädlich gemacht.

Alle noch vorhandenen Verdachtspunkte müssen überprüft werden, sagte der gestern ausführende Sprengmeister Mike Schwitze vom Kampfmittelbeseitigungsdienst der Polizei. Dafür veranschlagt Maik Schwarz etwa 60 Arbeitstage, was mindestens zwölf Wochen ergibt. Somit erscheint ein Baustart für die 750 geplanten Wohnungen der ProPotsdam auf dem alten Straßenbahndepot noch in diesem Jahr eher unwahrscheinlich.

Luftbilder der britischen Royal Air Force gibt es – anders als auf der bisherigen Fläche – für das Rest-Areal nicht, weil schon zur Abwurfzeit am Ende des Krieges dort Bäume standen und deshalb keine Aufschlagkrater fotografiert werden konnten. Die Anomalien könnten sich aber auch als völlig harmlos erweisen.

Schwitzke hat am Donnerstag den Detonator einer Bombe ausgeschraubt und dann gesprengt, die niemals explodiert wäre, wie er sagte. Der Sicherungssplint, der eine vorzeitige Zündung verhindert, steckte nämlich noch. Er war ursprünglich an einem Haken befestigt, der an einem Stahlseil im Flugzeug eingeklinkt sein sollte. Ob man vergessen hatte, die Bombe am Seil einzuhaken oder ob der Splint abgerissen ist, weiß man nicht; der Haken ist zerstört. Weil die Bombe nicht explodierte, ist das Leitwerk an ihrem Heck durch den Aufschlag platt, aber gut zu erkennen. Der Propeller des Leitwerkes sollte dafür sorgen, dass sich beim Fall nach einer bestimmten Zahl seiner Umdrehungen der Zündmechanismus in Bewegung setzt - dazu kam es nicht.

Der Sicherungssplint steckt noch im Propeller des Bombenleitwerks; die Bombe hätte nie explodieren können. Quelle: Bernd Gartenschläger

 

Die 250-Kilo-Bombe fiel wie ein Stein in den Sand; der Heckzünder blieb heil. Eine Bombe im gesicherten Zustand unschädlich zu machen, ist Schwitzke bei 80 Entschärfungen „erst vier, fünf Mal“ passiert.

Eigentlich war der Zustand der am Montag gefundenen Bombe so gut, dass Schwitzke nur eine Stunde brauchen wollte, den Zünder rauszuholen. Er brauchte rund 20 Minuten länger, um den Zünder gut genug zu säubern, um ihn ausschrauben zu können. Er hatte ihn noch am Montag vom gröbsten Schmutz befreit, reichlich eingeölt, mit einer Folie bedeckt und wieder Erde draufschaufeln lassen.

Die Bombe vom Donnerstag war die gleiche wie Anfang August, aber sie war nicht scharf. Trotzdem mussten 3000 Menschen evakuiert werden.

Anfang August hatte der technische Chef des Kampfmitteldienstes, Klaus Schulze, weniger Glück mit einem gleich großen Blindgänger. Er bekam den Zünder nicht ausgedreht und entschloss sich zur Sprengung der Bombe, doch der erste Versuch schlug fehl.

Von Rainer Schüler

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