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Blindgänger in Potsdam Bomben-Krater in Uetz hat Nachspiel
Lokales Potsdam Blindgänger in Potsdam Bomben-Krater in Uetz hat Nachspiel
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21:33 25.04.2016
Sprengmeister Mike Schwitzke am Krater. Quelle: Fotos: Julian Stähle
Uetz

Krawumm! Der Krater des Anstoßes hat einen Durchmesser von acht Metern und ist fast vier Meter tief. Wasser läuft in das Loch auf dem Uetzer Acker neben einem blühenden Rapsfeld. Es riecht nach Sprengstoff und Ärger.

„Wir wurden vorher nicht informiert“, schimpft Jens König, stellvertretender Ortsvorsteher von Uetz und mit seiner Wild- und Rinderfarm Pächter des Ackers an der Siedlung, auf der am Montag Knall auf Fall eine 250-Kilo-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg planvoll in die Luft gejagt wurde. Was, wenn er mit seinem Traktor in einen der Splitter fährt, die durch die Wucht der Detonation über das Areal verstreut wurden? Bei der Ortsbeiratssitzung am Dienstag will er die „schlechte Informationspolitik der Stadt“ ansprechen.

Bombe vermutlich zur Sprengung der ehemaligen Brücke bestimmt

„Gefahr im Verzug““, begründet Ilona Hönes, Einsatzleiterin des Ordnungsamtes, den ungewöhnlichen Einsatz. Zeit, die Maßnahmen groß zu erklären, habe es nicht gegeben. Montagfrüh gegen 7.30 Uhr war bei Arbeiten im Sacrow-Paretzer-Kanal ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden – direkt unter der Autobahnbrücke. Vermutlich sollte die Bombe amerikanischer Bauart 1945 zur Sprengung der damaligen Brücke über den Kanal genutzt werden. Weil der Zünder beschädigt war, konnte sie nicht vor Ort entschärft werden. Eine Sprengung erst einen Tag später mit mehr Vorbereitung wäre zu riskant gewesen, erklärt Sprengmeister Mike Schwitzke.

Kampfmittelexperten haben am 25. April 2016 einen Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg in Potsdam gesprengt. Die 250-Kilo-Bombe amerikanischer Bauart wurde am Montagmorgen bei Arbeiten im Sacrow-Paretzer-Kanal gefunden. Der westliche Berliner Ring A10 zwischen den Anschlussstellen Leest und Potsdam-Nord musste gesperrt werden

Also wird das explosive Teil von einem Bagger aus dem Kanalschlamm geborgen und zunächst auf ein Schiff geladen. Von dort geht es per Transporter 700 Meter weit durch Uetz-Siedlung zum Acker von Jens König, wo ein metertiefes Loch gegraben wird, um das Geschoss per Fernzünder zu sprengen. Doch vorher muss Uetz-Siedlung mit 40 Einwohnern, Teil des Doppeldorfes Uetz-Paaren mit 420 Bürgern, geräumt werden. Wer sein Haus verlassen muss, kann Unterschlupf bei Sigrid Zander im Hauptdorf Uetz finden, die den Saal neben ihrem Wohnhaus, in dem sich sonst der Ortsbeirat trifft, als Notquartier anbietet. Nur einer ist gekommen: Udo Urbanski, 55. Er wohne seit 55 Jahren in Uetz, aber eine Sprengung, nein, das habe es noch nie gegeben. Die meisten Nachbarn seien wohl arbeiten um die Zeit, meint er. Er selbst ist arbeitslos und gerade auf dem Rückweg vom Einkaufen, als die Ordnungsamtsmitarbeiter ihn an der Haustür abfangen.

Gegen 14.30 Uhr ist die Siedlung menschenleer. Der Transporter fährt Richtung Acker. Ilona Hönes hält mit ihren Mitarbeitern die Stellung am Sperrkreisrand. Insgesamt 50 Einsatzkräfte von Stadt und Polizei sind im Einsatz.

14.35 Uhr, ein Anruf: Unbekannte Person zwischen Siedlung und Straße. „Sofort einfangen!“ gibt Hönes Ordner. Zwei Mitarbeiter brettern mit dem Auto los und bringen den Mann, der von der Aktion nichts bekommen hat, aus der Gefahrenzone.

Autobahn für anderthalb Stunden voll gesperrt

„Hätte ich mal Nachrichten gehört“, ruft auch ein Autofahrer mit OHV-Kennzeichen aus dem Fenster, der sich in den Reißverschluss an der Abfahrt Potsdam-Nord einfädelt. Auf Höhe des Hornbachbaumarkts stehen ein Streifenwagen und ein Baufahrzeug auf der A 10 und leiten den Verkehr über die B 273 um. Für rund anderthalb Stunden bleibt die Autobahn zwischen Leest und Potsdam-Nord voll gesperrt.

Dann, um 15.26 Uhr: Krawumm! Mike Schwitzke drückt von Uetz-Siedlung aus auf den Zünder. Die Bombe geht mit einem dumpfen Knall in schwarzen Rauch auf. Geschafft! Was bleibt ist ein Krater und eine Ortsbeiratssitzung , die viel Sprengstoff bieten dürfte.

Bombenfunde im Kanal

Im Sacrower-Paretzer-Kanal wurden schon öfter Kriegshinterlassenschaften gefunden. Ob es noch mehr Blindgänger dort gibt, ist unklar.

Erst vor zwei Wochen war eine 70-Kilo-Bombe entdeckt worden, die abtransportiert werden konnte.

Im November 2014 wurde bei Ausbaggerungsarbeiten des Kanals bei Marquardt eine deutsche Fliegerbombe ohne Zünder gefunden. Zur Bergung musste der Schiffsverkehr unterbrochen werden.

Von Marion Kaufmann

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