Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Blindgänger in Potsdam So viele Bomben liegen noch im Park Babelsberg
Lokales Potsdam Blindgänger in Potsdam So viele Bomben liegen noch im Park Babelsberg
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:34 11.11.2015
Die Bombe ist mit einer Mauer aus Strohballen umgeben, damit man sie im Notfall vor Ort sprengen kann. Quelle: KMBD
Anzeige
Babelsberg

Die am Dienstag im Babelsberger Park gefundene Weltkriegsbombe ist nur der Anfang einer langen Kette von Entschärfungen. Mit bis zu 120 Bomben rechnet der Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes Brandenburg; ein Fünftel davon ist noch scharf. Die aktuelle 250-Kilo-Bombe US-amerikanischer Bauart steckt mit dem Heck voran nur etwa einen Meter in der Erde, zehn Meter entfernt vom Ufer, wo jahrzehntelang Heerscharen von Badegästen lagen. Nur der Kopf der Bombe wurde bislang freigelegt, um den Typ des Geschosses festzustellen. „Den Rest graben wir erst am Donnerstag aus“, sagte der verantwortliche Sprengmeister Mike Schwitzke am Mittwoch zur MAZ. Im Heck könnte sich ein in der Regel gut entschärfbarer konventioneller Zünder befinden oder ein chemischer Langzeitzünder, der als tückisch gilt. Weil auch mit einer Sprengung gerechnet werden muss, wurde in Richtung Hans-Otto-Theater und Zentrum-Ost bereits eine Strohballenwand aufgeschichtet. Die Fundstelle ist mit einer Plane abgedeckt und wird von einem Wachschutzunternehmen weiträumig gesichert.

Die Bombe liegt in etwa zehn Meter vom Wasser entfernt in einem Meter Tiefe Quelle: KMBD

Fünf Leute werden am Donnerstag bei der Bombe sein, hauptverantwortlich erneut Mike Schwitzke, der zwei feste Assistenten hat. Dazu kommt ein Maschinenführer an den Steuerknüppeln eines extra gesicherten Baggers und ein Lasterfahrer. Im Auftrag der Stadtwerke als Herr des Bäderbetriebes hatte man das Strandbad abgesucht, wo es mehrere Verdachtsstellen gab. Im kommenden Frühjahr wird dort laut Schwitzke flächendeckend gesucht. Auch rings um den Kindermann-See und entlang der Nutheschnellstraße gibt es zahlreiche Verdachtsflächen: Bombentrichter auf originalen Fotos der britischen Royal Air Force, die an jenem 14. April 1945 den nächtlichen Angriff auf Potsdam flogen. 512 Flugzeuge hoben damals von mehren Plätzen nördlich von London ab – davon hatten 490 zumeist schwer beladende Lancaster-Bomber das Ziel Potsdam. Der Bomber-Strom war fast 70 Kilometer lang. Schon im Raum Michendorf und Wilhelmshorst klinkten die Bombenschützen in 6100 Metern Höhe ihre tödliche Last aus, die sich in der Luft anfänglich genauso schnell vorwärts bewegte wie die Flieger, aus denen sie fielen, 500 bis 600 Stundenkilometer. Die Crew hatte die Flugparabel berechnet, der die Geschosse folgen würden, um am Potsdamer Bahnhof zu detonieren. Ganz exakt aber war das nicht, denn entsprechend der Wind- und Wetterlage trieben Bomben auch ab. Der Park Babelsberg lag im Vektor des Abwurfes; die Bereiche um das Schloss und die Glienicker Brücke traf es kaum noch.

MAZ-Spezial zu Blindgängern in Potsdam

Großer Sperrkreis wird ab 8 Uhr eingerichtet

Etwa 3100 Menschen müssen am Donnerstagmorgen bis 8 Uhr ihre Wohnungen oder Arbeitsstätten verlassen; 800 von ihnen sind älter als 65 Jahre. Betroffen von der Evakuierung sind vor allem Bewohner des Zentrum Ost mit der Grundschule am Humboldtring, der Lenné-Gesamtschule sowie den Kitas „Sonnenschein“ und „Grashoppers“. Auch am Kultur- und Theaterstandort Schiffbauergasse auf der anderen Seite des Tiefen Sees geht dann nichts mehr. Über die Havel kommt man nur noch über die Lange Brücke.

Alle Wohnungen innerhalb der roten Linie müssen am Donnerstag geräumt werden. Die viel befahrene Humboldtbrücke ist ab dem frühen Morgen gesperrt. Quelle: MAZ

Der Sperrkreis wird begrenzt durch die Berliner Straße zwischen Holzmarktstraße bis Ecke Ludwig-Richter-Straße, quer durch den Park Babelsberg, die Mühlenstraße in Babelsberg und die Friedrich-List-Straße zwischen Rudolf-Breitscheid- und Lotte-Pulewka-Straße sowie durch die Lotte-Pulewka-Straße bis zur Havel. Sowohl die Berliner Straße und die Mühlenstraße als auch die Lotte-Pulewka-Straße können befahren werden. Gesperrt werden hingegen die Nuthestraße zwischen Friedrich-List-Straße und Berliner Straße, also auch die Humboldtbrücke.

Auf die Sperrung der viel befahrenen Humboldtbrücke wird bereits hingewiesen. Quelle: MAZ

Autofahrer sollten den Bereich rund um den Sperrkreis umfahren

Für Autofahrer auf der Nuthestraße in Richtung Potsdam ist die Friedrich-List-Straße die letzte freie Ausfahrt, die Umleitungsempfehlung stadteinwärts führt über Horstweg und Heinrich-Mann-Allee. Autofahrer werden gebeten, den Bereich weiträumig zu umfahren. Die Tram-Linien 94 und 99 werden ebenfalls für die Zeit der Munitionsbergung unterbrochen. Der S-Bahn- und Regionalbahnverkehr ist nicht betroffen.

Feuerwehr hat Hotline für Fragen eingerichtet

Mehr als 250 Einsatzkräfte der Landeshauptstadt, der Feuerwehr und der Polizei werden im Einsatz sein, um den Sperrkreis abzusichern. Anwohner, die während der Sperrung nicht wissen, wo sie unterkommen, können in der Sporthalle am Oberlinhaus in der Rudolf-Breitscheid-Straße 24 bis zum Ende der Munitionsbergung warten. Menschen, die nicht alleine die Wohnung verlassen können, rufen bitte die Feuerwehr unter 0331/3 70 12 16 an und bestellen einen Transport.

Von Rainer Schüler

Auf viele Potsdamer kommt am Donnerstag eine Bombenentschärfung zu. In Babelsberg ist am Dienstag eine 250 Kilogramm schwere Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden. Der Sperrkreis betrifft mehr als 3000 Menschen, außerdem wird die Humboldtbrücke gesperrt. Die Entschärfung nimmt ein alter Bekannter vor.

11.11.2015
Potsdam Landesmedaille für Potsdams Sprengmeister Mike Schwitzke - „Angst habe ich nicht, Respekt ja“

Immer, wenn in Potsdam und Umgebung Weltkriegsmunition gefunden wird, muss Mike Schwitzke ausrücken. Der Sprengmeister bewahrt dabei kühlen Kopf. Am Freitag wurde der 44-Jährige für seinen lebensgefährlichen Job mit der Landesmedaille ausgezeichnet.

24.04.2015
Potsdam Bombensprengung im Potsdamer Forst - Blindgänger erfolgreich unschädlich gemacht

Die drei Bomben aus dem letzten Weltkrieg, die in diesen Tagen in einem Potsdamer Waldstück gefunden wurden, sind von Sprengmeister Mike Schwitzke erfolgreich unschädlich gemacht worden. Zwei Blindgänger konnten entschäft werden, der dritte musste gesprengt werden.

05.03.2015
Anzeige