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Die Nacht von Potsdam Flucht in den Splittergraben
Lokales Potsdam Blindgänger in Potsdam Die Nacht von Potsdam Flucht in den Splittergraben
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11:26 15.04.2015
Horst Wedell Quelle: MAZ-Archiv (2005)
Potsdam

Die Freude an großen Feuern, wie etwa dem Osterfeuer, ist Horst Wedell durch die Nacht des 14. April 1945 genommen. „Es war das einzige Mal in meinem Leben, dass ich Todesangst hatte.“ Zehn Jahre alt war Wedell damals. Unzählige Male hatte er bereits Fliegeralarm erlebt. Bis zu dieser Nacht waren die Flugzeuge über Potsdam hinweg gezogen. „Der Mensch gewöhnt sich an jede Gefahr“, sagt er. In dieser Nacht flüchtete er in einen Splittergraben. Mit Mutter und Bruder war er aus der Wohnung in der Paetowstraße dorthin gelaufen, als die Sirenen zu heulen begannen. Geschützt war die Familie dort nur von einem Unterstand aus Balken, den der Vater errichtet hatte. Als die Bomben rund um den Telegrafenberg einschlugen, traf ihn Sand ins Kreuz.

Als die Bombardierung vorüber war, lief die Familie zurück zum Haus: Die Treppen waren noch in Ordnung, aber die Wände waren bereits zusammengefallen, berichtet Wedell.

In der Küche versuchte er noch, seine Schulmappe aus den Trümmern zu ziehen. Die Familie wollte retten, was noch zu retten war. „Wir haben uns bemüht, aus dem Keller Dinge herauszuholen.“ Als es hieß, es gebe einen zweiten Angriff, flüchtete die Familie in den Wald. „Doch es gab keinen zweiten Angriff.“ Die Häuser in der Paetowstraße standen inzwischen in Flammen.