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Die Nacht von Potsdam Glück im Unglück
Lokales Potsdam Blindgänger in Potsdam Die Nacht von Potsdam Glück im Unglück
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11:27 15.04.2015
Anneliese Boick Quelle: MAZ-Archiv (2005)
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Potsdam

Anneliese Boick war im April 1945 hochschwanger. Mit ihrer einjährigen Tochter lebte sie in Babelsberg in einem Weberhaus in der Goethestraße. Dort gab es keine Keller mit Notausgang, erzählt sie. Der Vater errichtete im Garten deshalb einen Bunker. Ihre Mutter habe jedesmal geschrien, wenn ein Alarm war. Sie wollte nicht in den Bunker. Als die Flugzeuge über Potsdam waren, hatte Boick den Bunker noch nicht erreicht. Mit ihrer Tochter, die sie eingepackt unterm Arm hatte, war sie unter freiem Himmel, als eine Bombe einschlug.

An Einzelheiten erinnert sie sich nicht. Nur, dass sie plötzlich verschüttet wurde: „Nur die Arme hatte ich noch frei.“ Die Tochter war ihr entglitten. „Was wird nun? Es fängt gleich noch ein Angriff an“, erinnert sich Boick an ihre Todesangst. Dann kam der Vater, grub sie und die Tochter aus. Aus einer Garage hatte es die Autos herausgeschleudert, da erst wusste Boick, was geschehen war. Sie hatte Glück im Unglück. Im nächstgelegenen Luftschutzkeller, erzählt sie, fanden 25 Personen Platz. Elf von ihnen überlebten den Bombenangriff auf Potsdam nicht.

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