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"Ich habe gebetet"

Martin Petrzak erinnert sich an den 14.04.1945 "Ich habe gebetet"

Potsdamer schildern ihre Erlebnisse beim britischen Luftangriff vom 14. April 1945 und in den Tagen danach. Martin Petrzak hat am Brauhausberg gelebt als die Bomben fielen. Den Bunker haben sie im alelrletzten Moment erreicht.

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Martin Petrzak

Quelle: Carola Hein

Teltower Vorstadt. „Hier hat unser Haus gestanden gleich neben dem Lokal Petershöhe“, sagt Martin Petrzak. Schützenstraße 6 lautete die Anschrift der Familie bis zum 14. April 1945. Heute verläuft hier die Max-Planck-Straße und unterhalb erstreckt sich die riesige Baugrube für das neue Sport- und Freizeitbad. Durch den Bombenangriff wurde das Viertel am Brauhausberg komplett zerstört.

„Wir Kinder waren schon im Bett als es losging“, erinnert sich der Rentner. Mit der Mutter und dem Bruder konnte der damals Achtjährige in den Eiskeller der alten Brauerei flüchten. Die rostige Eingangstür an der Leipziger Straße existiert noch. Durch die Bauarbeiten sind derzeit sogar Teile des Gemäuers sichtbar. Auch der Vater schaffte es gerade noch mit einem Koffer voll Wertsachen in das Gewölbe. „Der ganze Keller hat geschaukelt durch die Detonationen“, sagt der 77-Jährige. „Ich habe gebetet: Lieber Gott, lass uns hier lebendig rauskommen!“

Das musste dann sehr schnell gehen, weil auf ein Haus in der Schützenstraße unmittelbar über dem Eiskeller eine Bombe gefallen war. „Unsere Wohnung war nur noch ein Trümmerhaufen und am Bahnhof krachte, donnerte und blitzte der explodierende Munitionszug“, sagt Petrzak. Über die inzwischen völlig zugewucherte Treppe gelangte die Familie auf den Telegrafenberg. „Unterwegs brannten Bäume wie Fackeln, aber wir mussten durch.“ Die Ausgebombten fanden Unterschlupf bei den Großeltern. Opa Robert Geitner arbeitete im Wissenschaftspark als Gärtner und bewohnte ein Häuschen neben dem Einsteinturm. „Einstein selbst hatte ihn eingestellt“, sagt Martin Petrzak.

Gärtner, Fischer oder Förster wollte Klein-Martin werden, doch an Schule war nach der Bombennacht vorerst nicht zu denken. Die Jungs- und Mädchenschule, die sich rechts und links der heutigen Friedrich-Engels-Straße etwa in Höhe der Semmelhaack-Siedlung befand, gab es nicht mehr. Überall Trümmer. Die wurden mit eisernen Loren abtransportiert. Eine fanden Arbeiter in der Baugrube fürs Bad. Als der Rentner das verrostete Gestell sieht, leuchten seine Augen: „Darin sind wir den Brauhausberg runter gefahren!“

Anfangs waren die Petrzaks auf gespendete Mahlzeiten angewiesen. Von Opas Gemüseanbau, Karnickeln und einer Ziege wurden nicht alle satt. „Als die Russen dann das Observatorium befreit hatten, brachten sie uns Kindern in ein Taschentuch eingewickelte Essensrationen mit. Ich habe nie schlechte Erfahrungen mit den Soldaten gemacht. Manchmal nahmen sie uns zum Bombenfischen mit nach Hermannswerder, warfen eine Granate ins Wasser und dann kamen die Fische hoch.“

Später klappte es doch mit einer Lehre in der Stadtgärtnerei. Der studierte Gartenbauingenieur arbeitete im Botanischen Garten von Sanssouci, als Chef einer Großgärtnerei und baute mit Ehefrau Ingeborg eine Biberzucht auf. 100 DDR-Mark zahlten Kürschner pro Fell.

Heute ist Martin Petrzak in Golm zu Hause und verfolgt die Entwicklung seiner Heimatstadt. „Potsdam ist wieder traumhaft schön, aber man muss kein Museum draus machen“, findet er. Er plädiert für den Wiederaufbau der Garnisonkirche, in deren Kapelle die Familie nach dem Krieg noch eine goldene Hochzeit feierte. „Trotz aller Geschichte: Es war eine Schande, die Ruine abzureißen. Ich bin für den Wiederaufbau, aber nur den Turm und ohne Steuergeld.“

Von Carola Hein

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