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Die Nacht von Potsdam "Krach und Poltern war über uns“
Lokales Potsdam Blindgänger in Potsdam Die Nacht von Potsdam "Krach und Poltern war über uns“
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11:30 15.04.2015
Renate Jungmann Quelle: MAZ-Archiv (2005)
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Potsdam

Renate Jungmann war vorgewarnt. Sie hatte Glück. Schon gegen 20 Uhr, erinnert sie sich, rief der Vater an, dass in dieser Nacht ein Großangriff auf Potsdam geflogen würde. Mit ihrer Mutter, ihrem Bruder und der Nachbarfamilie wartete die damals Fünfzehnjährige im Keller in der Saarmunder Straße (heute Heinrich-Mann-Allee).

Die Sirenen, sagt sie, hat sie nicht gehört. Es verging eine Zeit. Dann fielen Brand- und Sprengbomben. „Krach und Poltern war über uns“, sagt Jungmann. Ein Phosphorkanister steckte den Keller nebenan in Brand. Sie hörte die Frauen schreien, die darin verbrannten. Durch die Detonationen war auch die Tür zum Keller weggerissen worden, in dem Jungmanns saßen. Bettgestelle versperrten den Weg nach draußen. Kadetten halfen ihr später heraus: „Ich bin gezogen und geschoben worden. Ich habe nur einen roten Himmel gesehen“, erinnert sie sich. Über Trümmer ging der Weg in den nächstgelegen Luftschutzkeller.

Die ausgebombte Familie zog in den darauffolgenden Tagen mit einem Handwagen zu Verwandten in die Burggrafenstraße (heute Gutenbergstraße). „Da habe ich auch die Garnisonkirche brennen sehen. Es war schrecklich, wie das Glockenspiel runtergekommen ist.“

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