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Das Protokoll der Bombennacht in Potsdam

Alliierter Luftangriff am 14. April 1945 zerstört Innenstadt Das Protokoll der Bombennacht in Potsdam

Potsdam ist am 14. April 1945 das Ziel eines allierten Bombenangriffs. Nach dem Luftangriff herrscht ein "Dante’sches Inferno". Tote und Verletzte liegen in den Trümmern. Der Bahnhof und ein Großteil der historischen Altstadt sind zerstört. Das Protokoll der Bombennacht in Echtzeit: Zeitzeugenberichte, Hintergründe und Bilddokumente.

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Großvater wollte nicht mit in den Keller

Angriff auf Potsdam am 14.04.1945.

Quelle: Repro MAZonline | Quelle: PT

» Vor dem Angriff

» Start der Bomber

» Fliegeralarm

» Angriffsbeginn

» Das Inferno

April 1945, Nazi-Deutschland ist am Ende. Die russische Armee ist längst im Begriff die nahe Hauptstadt Berlin einzunehmen und alliierte Luftverbände fliegen bereits regelmäßig über Potsdam hinweg zur Reichshauptstadt und lassen dort ihre tödliche Fracht aus den Bombenschächten fallen – die Amerikaner tagsüber, die Briten zumeist nachts.

Allein von Januar bis Mitte April heulen die Sirenen über 130 Mal. Die vorbeifliegenden Flugzeuge und der Weg zum Luftschutzbunker sind Bestandteil des Potsdamer Alltags. Doch bisher wurde die preußische Residenzstadt weitestgehend verschont, war noch kein Ziel für einen groß angelegten Luftangriff. Warum auch Potsdam bombardieren? Zwar steht die Stadt seit Februar 1945 auf einer Liste mit 25 potentiellen Zielen (Operation 'Thunderclap'), aber der Krieg ist doch längst verloren und Schwerindustrie gibt es nicht. Am 22. Juni 1944 waren Babelsberg und die Teltower Vorstadt einem gezielten Tagesangriff der amerikanischen Luftstreitkräfte ausgesetzt.

In England ist man sich daher uneins. Premierminister Winston Churchill stellt noch Ende März 1945 die Bombardierung von Städten ohne klar erkennbaren militärischen Nutzen infrage. Einige mächtige Generäle und Verantwortliche teilen diese Bedenken jedoch nicht. Für sie sind Bomben ein Mittel, um die Moral der deutschen Bevölkerung brechen, Widerstand gegen die Nazi-Führer zu entfachen und schließlich "den preußischen Militarismus geschichtlich zu annullieren", wie Historiker Jörg Friedrich in seinem Buch 'Der Brand' (2002) schreibt.

Die Generäle setzen sich durch. Potsdam bleibt auf der Liste und wird weniger später Ziel des letzten großen Fliegerangriffes der Royal Air Force (RAF) gegen Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg.

Vor dem Angriff

+++ Montag, 9. April 1945 +++

Eine Aufklärungsflugzeug ('Spitfire') überfliegt Potsdam und macht Fotos so wie dieses. Sie werden maßgeblich für den Angriff wenige Tage später werden.

+++ Donnerstag, 12. April 1945 +++
Die Entscheidung ist gefallen: Potsdam wird am 14. April 1945 tagsüber angegriffen. Ab 16:30 Uhr sollen acht Minuten lang Bomben auf die Stadt fallen.

+++ Potsdam am Samstag, 14. April 1945, vor dem Angriff +++
In der Nacht gab es in Potsdam zwar mal wieder Fliegeralarm, doch um kurz nach Mitternacht ist der Spuk vorbei. Potsdam ist wie schon so oft in letzter Zeit davongekommen.

Es ist ein schöner Morgen: ein trockener und wolkenloser Frühlingstag beginnt. Milde 13°C werden tagsüber gemessen.

Das Ensemble am Alten Markt mit der Nikolaikirche, das Alte Rathaus sowie dem Stadtschloss. Foto aus dem Jahr 1933.

In der heutigen Ausgabe der 'Potsdamer Tageszeitung' wird von den aktuellen Kriegs- und Weltnachrichten ebenso berichtet, wie für Backwürfel geworben, die Ausgabezeiten für Gemüse bekanntgeben und auf die Dom-Vesper am morgigen Sonntag hingewiesen.

Zudem wird informiert, wann und warum es Fliegeralarm gibt - und wieviel Zeit bleibt, um in einen schützenden Bunker zu gekommen.

Doch jetzt ist von feindlichen Bombern keine Spur. Direkte Kampfhandlungen sind nicht zu spüren.

Die schwangere dreißigjährige Dorothea Günther bezieht vormittags die Betten frisch und freut sich bereits auf den Abend, um zusammen mit ihren Mann das "Wohlgefühl der frisch bezogenen Betten zu erleben"

Hauptmann Dr. Brauer muss an diesem Samstag zum Dienst in die Gardes-Du-Corps-Kaserne Am Kanal. Dennoch ist es für ihn ein Tag "erfüllt von buntem Leben".

+++ 13 Uhr +++

In England enden die Einsatzbesprechungen mit den Bomberpiloten. Der Angriff auf Potsdam (Codename 'Crayfish') steht. Von einem Bombardement bei Tageslicht ist nicht mehr die Rede. Angriffszeit jetzt: 22:50 Uhr.

In Potsdam hat man noch andere Probleme.

Die Lebensmittelversorgung ist zu einem großen Problem geworden. Nur wer entsprechende Karten hat, bekommt seine Ration.

Andere überlegen, vielleicht in die Reichshauptstadt Berlin zu fahren. Dort darf man nämlich am Nachmittag "ohne Bescheinigung" mit allen Nahverkehrsmitteln fahren.

Manche lesen "Feindpropaganda". Die Allierten warfen immer mal wieder Flugblätter ab, mit denen die deutsche Bevölkerung im Zweiten Weltkrieg informiert werden sollte. So auch am heutigen Tag. Ein eifriger Sammler ist der junge Horst Goltz . Ein lebensgefährliches Hobby.

Horst Goltz, Zeitzeuge des Angriffs auf Potsdam am 14. April 1945, hat ein außergewöhnliches Hobby: er sammelt Flugblätter der Allierten, die in den Kriegstagen über Deutschland abgeworfen wurden.

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Start der britischen Bomber

+++ 17:45 Uhr +++

512 Flugzeuge heben innerhalb der nächsten 75 Minuten nach und nach von mehreren Flugplätzen der RAF nördlich von London mit dem Ziel Potsdam ab – davon haben 490, zumeist schwer beladende Lancaster-Bomber, das Ziel Potsdam. Der Bomber-Strom ist fast 70 Kilometer lang.

In Potsdam herrscht noch immer tolles Wetter und eine ungewöhnliche Fernsicht.

+++ Kurz vor 18 Uhr +++

Nördlich von London, auf dem Stützpunk Wratting Common in der Nähe von Cambridge, steht ein viermotoriger 'Lancaster'-Bomber der RAF zum Start bereit.

Sieben Mann warten in dem Flugzeug der Seriennummer NG 130 (21m lang, 31m Spannweite) mit auf ihren Startbefehl: ein Pilot, der Navigator, der Bordingenieur, der Funker und drei Bordschützen.

Geladen haben sie eine Luftmine, 'Cookie' genannt (rund 1,8 Tonnen) und sieben weitere kleine Sprengbomben.

+++ 18 Uhr +++

Startfreigabe für NG 130. Über 30 Tonnen erheben sich langsam in die Luft. In Methworld startet zur gleichen Zeit der Bomber NG 299 mit der gleichen Fracht an Bord.

+++ 18:06 Uhr +++

Der Bomber HK 692 mit einer doppelt so großen Bombenladung wie NG 130 hebt ab und nimmt ebenfalls Kurs in Richtung Feindesland.

+++ 18:10 Uhr +++

Lancaster HK 770 startet mit Ziel Potsdam, kurz danach heben auch die Bomber HK 646 und HK 616 von der Startbahn ab und machen sich auf den Weg in Richtung Osten.

+++ 18:18 Uhr +++

Lancaster HK 562 startet von der RAF-Basis in Methworld, nordöstlich von London. Die Maschine reihte sich beim Anflug auf das Zielgebiet  im vorderen Bereich ein und überfliegt das Feindgebiet im weiteren Verlauf daher einige Minuten vor der NG 130.

Zur gleichen Zeit hebt auch Lancaster PD 332 ab. Genau wie der 'Master Bomber': Hugh James Felce Le Good. Er ist der Leiter des Angriffs und wird später den Angriff aus seiner Lancaster PB 676 koordinieren.

+++ 19 Uhr +++

Die siebenjährige Elenore Heckendorf hat gerade zusammen mit ihrer Mutter und den zwei kleinen Geschwistern in der Wilhelmstraße 20 (heute: Alt Nowawes) in Babelsberg Abendbrot gegessen. Jetzt wird gebadet, um dann später ins Bett zu kriechen

Draußen wird es kühler, aber der Himmel über Potsdam bleibt sternenklar.

Im deutschen Radio wird vermeldet, dass sich "zahlreiche" feindliche Flieger von England aus gen Osten aufmachen.

Karl-Heinz Blank übergibt zusammen mit anderen Männern der Wehrmacht in der Kaserne an der Berliner Straße einige beschlagnahmte Pferde. Weitere Aufträge bekommen sie nicht. Sie dürfen nach Hause fahren.

In der Nähe der Langen Brücke liegt seit Tagen ein Boot mit rund 140 Zwangsarbeitern. Die Verpflegung ist kläglich, die sanitären Umstände katastrophal und medizinische Versorgung schlicht mangelhaft.

Die Lange Brücke in Potsdam

Und dennoch: Die deutschen Behörden haben ihnen verweigert, in festen Unterkünften an Land unterzukommen. Nun versuchen sie sich mühsam an selbstgemachten kleinen Feuerstellen etwas zu wärmen.

+++ 19:16 Uhr +++

Nach und nach formieren sich die Flugzeuge. Auch NG 130 nimmt nun seinen Platz in der Formation ein.

+++ 19:27 Uhr +++

Bei Eastbourne, an der Südspitze Englands, verlässt NG 130 die Insel. Kurs Süd-Ost Richtung französische Küste.

+++ 19:30 Uhr +++
Im Bereich Berlin-Potsdam gibt es Voralarm.

+++ 19:43 Uhr +++

NG 130 überfliegt Abbeville und nimmt Kurs auf die Belgische Grenze.

+++ 20 Uhr +++

Die fünfzehnjährige Renate Jungmann bekommt einen Anruf von ihrem Vater: ein Großangriff auf Potsdam steht bevor, sagt er.

+++ 20:45 Uhr +++

Lancaster NG 130 hat Luxemburg hinter sich gelassen und ist jetzt über deutschem Gebiet.

+++ 21:17 Uhr +++

Der nächste Wendepunkt ist erreicht. NG 130 nimmt über Mainz Kurs in Richtung Nordnordost.

Frankfurt am Main wird ebenso unberührt zurückgelassen wie Marburg oder Fulda. Deutsche Luftabwehr ist bisher kaum oder gar nicht vorhanden. Ziel der alliierten Luftflotte ist nun der Luftraum über Hildesheim. Von da soll es weiter nach Potsdam gehen.

+++ 21:30 Uhr +++

Wolfgang Heese , Melder bei der Polizei, ist auf Grund des Voralarms nicht sonderlich beunruhigt. "Wieder ein Angriff auf Berlin", denkt er. Er zieht sich trotzdem an und verlässt seine Wohnung in der Kunersdorfer Straße 1.

Der sechszehnjährige Harry Wonneberger ist bei einem Schnelligkeitskommando der Feuerwehr. Bereits jetzt, vor dem Angriff, haben sie sich im Feuerwehrdepot in der Stephensonstraße versammelt.

+++ 21:45 Uhr +++

Lancaster NG 130 wird über Aktivitäten der Deutschen Luftwaffe zwischen Paderborn und Kassel informiert. Die Besatzung korrigiert die Flughöhe, steigt auf zunächst 4600 Meter und bleibt auf Kurs in Richtung Hildesheim.

+++ 22:01 Uhr +++

Die Deutsche Luftwaffe ist noch nicht komplett ausgeschaltet. Zwischen Paderborn und Kassel wird Lancaster HK 562 in ein Feuergefecht mit einem deutschen Abfangjägern verwickelt.

Das britische Flugzeug und die Besatzung überstehen den Kampf jedoch unbeschadet.

+++ 22:13 Uhr +++

NG 130 passiert den kritischen Punkt ohne Kampfeinsatz und erreicht den Luftraum über Hildesheim. Jetzt geht es in Richtung Potsdam. Flughöhe: 6100 Meter – Angriffshöhe.

Zur gleichen Zeit wird in Cuxhaven ein Ablenkungsmanöver gestartet. Zwei Minuten lang wird die Stadt an der Elbmündung bombardiert. Eine in Schleswig Holstein stationierte Nachtflug-Division der Deutschen Luftwaffe wird somit gebunden und vom Hauptangriffsziel Potsdam abgelenkt.

Renate Jungmann ist zusammen mit ihrer Mutter, ihrem Bruder und der Nachbarfamilie nun im Keller in der Saarmunder Straße (heute Heinrich-Mann-Allee).

Fliegeralarm

22:15 Uhr: Fliegeralarm in Potsdam. Die Bomber sind eindeutig auf dem Weg Richtung Potsdam/ Berlin. Die vordersten Flieger sind bereits im Luftraum über Hannover/ Braunschweig.

Die 14-jährige Ilse ist die Tochter des damaligen Schlösserverwalters Max Kühn. Die Familie bewohnt eine Wohnung im nördlichen Commun am Neuen Palais. Das Mädchen ist erst am Freitag von der Großmutter aus Nordrhein Westfalen heimgekehrt, entkam einem Fliegerangriff in Peine unverletzt und muss jetzt wieder vor Bomben zittern.

Die dreizehnjährige Ingrid wohnt im Stadtschloss. Ihr Vater ist der Schlossführer Max Nitsch. Zu viert bewohnen sie eine Dienstwohnung im echten Flügel des Fortunaportals. Als der Alarm beginnt, ist ihr Vater an der Front. Die Mutter packt das Allernötigste, nimmt Ingrid und deren kleine Schwester Bärbel und eilt über den Schlosshof in den ausgebauten Luftschutzbunker im alten Weinkeller von Friedrich Wilhelm I. aus dem Jahr 1726.

Karl-Heinz Blank ist gerade auf dem Weg zum Bahnhof. Er hat die Lange Brücke erreicht als es ernst wird. Doch wohin? Er kennt sich in Potsdam nicht aus.

Im Bahnhof Wildpark, angrenzend an den Park Sanssouci, steht ein Zug mit Teilen der Division 'Theodor Körner'. Sie ist vor allem mit jungen Männern des Reichsarbeitsdiensts zusammengestellt. Unter ihnen Rüdiger Sempf . Als die Sirenen heulen, „kümmern sich nicht drum“. Schutz suchen sie nicht. "Wohin auch" sollen die jungen Männer jetzt gehen?

+++ 22:20 Uhr +++

Erste Flugzeuge erreichen Potsdam. Doch noch fallen keine Bomben. Manche Flieger sind schlicht und einfach zu früh und kreisen über der Stadt.

Den Menschen, die sonst den vorüber fliegenden Maschinen hinterher schauten, wird jetzt bewusst, dass dieser Angriff ihrer Stadt gilt. Sie rennen in die Luftschutzkeller, versuchen ihr eigenes und das Leben ihrer Liebsten in Sicherheit zu bringen. Viel Zeit bleibt ihnen nicht, doch die vielen Fliegeralarme haben die Menschen eine gewisse Routine entwickeln lassen.

Auch bei Gertrud Jungbluth in der Viktoriastraße 9 (heute: Bruno-H.-Bürgel-Straße) in Babelsberg sitzt "jeder Handgriff". Sie weiß, was zu tun ist, wenn die Sirenen heulen. Ebenso Frida Liese . In ihrer Wohnung Am Kanal 51 ist alles vorbereitet. Für die Kinder liegt bereits seit einiger Zeit Trainingszeug zurecht, um die Kleinen "in wenigen Minuten ankleiden und in den Keller bringen" zu können. So auch heute

August Burda , Küster der 'St Peter und Paul' am Bassinplatz ist erstaunt, dass "entgegen den sonstigen Gewohnheiten, wo die Bewohner des Pfarrhauses kaum die Luftschutzräume aufsuchten", sich  dieses Mal fast alle in dem Schutzraum in der Charlottenstraße 54a versammelt haben.

Die schwangere Dorothea Günther und ihr Mann hatten die Bombardierung Dresdens im Februar 1945 erlebt und Hunger und Kälte ertragen, doch die einsetzende Angst bei dem Sirenengeheul können sie heute nicht verdrängen. Der Fliegeralarm reißt sie aus den frisch gemachten Betten. Voller Entsetzen greifen sie das Luftschutzgepäck und stolpern in den Keller.

In der Wilhelmstraße 20 in Babelsberg weckt die Mutter die siebenjährige Elenore , deren fünfjährige Schwester und den dreijährigen Bruder. Zusammen gehen sie in den Keller.

Der neunzehnjährige Jürgen Zippel , in Potsdam wegen eines Schulterdurchschusses in Behandlung, nimmt den Alarm nahezu gelassen hin. "Was soll in Potsdam angesichts der Kriegslage noch geschehen" fragt er sich. Macht sich von seiner Unterkunft in der Hohewegstraße 12 (heute Friedrich-Ebert-Straße 121) dennoch zum nahegelegenen Schutzbunker auf.

Freude beim fünfzehnjährigen K arl-Heinz Redlin . Er ist Feinmechaniker-Lehrling bei Kaltenbach & Voigt in der Mammonstraße (heutige W. Seelenbinder-Straße). Heute ist Nachtschicht angesagt. Der Fliegeralarm kommt da genau richtig, denn Lust zum Arbeiten hat Karl-Heinz nicht. Wie die meisten denkt er, dass schon nichts passieren wird, die Bomber ihre Fracht weiter nach Berlin tragen. Im Bunker angekommen herrscht eine routinierte Alarmbereitschaft. Der Luftschutzwart lässt sogar die Tür offen – man muss ja wissen, was draußen so vor sich geht.

Renate Jungmann  hat ihre Wohnung in der Saarmunder Straße 11 (heute Heinrich-Mann-Allee) nicht nur die Sirenen gehört, sondern auch über Drahtfunk die Nachricht bekommen, dass ein "Großangriff auf Potsdam" bevorsteht. Sofort geht sie in den Keller.

+++ Etwa 22:30 Uhr +++

Wolfgang Heese ist kurz vor dem Luftschutzbunker in der Epilepten-Anstalt in der Alten Zauche.

Für Eva Bidder ist es zunächst wie die unzähligen Male zuvor. Sie geht wie die meisten im Keller davon aus, dass der Spuk schnell vorbei ist und man "nach einer Stunde wieder nach oben ins warme Bett" kann.

In der Großbeerenstraße 122 in Babelsberg hört Richard Pohl das "Gedröhne der Motoren". Zusammen mit seiner Frau geht er in den Luftschutzkeller.

Das Weberhaus in der Goethestraße der Familie Boick hat keinen Keller mit Notausgang. Der Vater von Anneliese Boick hat daher selbst einen Bunker im Garten errichtet. Aber die hochschwangere Anneliese Boick weigert sich mit ihrer einjährigen Tochter in den Bunker zu gehen. Ihre Mutter schreit.

Die junge Mutter Ursula Radke lebt mit ihrem siebenmonatigen Baby und ihren Eltern in der Albrechtstraße 20-24 (heute: Am Neuen Garten). Ihr Vater ist Luftschutzwart und dreht gerade seine Runde.

Familie Reichstein, Besitzer der Bennabor-Werke, haben auf Hermanswerder nicht nur ein Grundstück, sondern auch einen Keller, der mehreren Menschen Schutz vor den Bomben bieten kann. Zwölf Menschen kauern nun in dem Raum. Darunter auch Ursula Rödiger , deren Mutter und Großmutter.

Der Angriff beginnt

+++ 22:39 Uhr +++

Auf Befehl des 'Master Bombers' werden Beleuchtungsbomben über dem Zielgebiet abgeworfen. Dafür wurden auf einem Luftbild der Alliierten im Vorfeld vier markante Punkte rund um das Stadtzentrum markiert. Im Zentrum der Punkte liegt der Bahnhof.

Die Kreise sind die vier Punkte, an denen Markierungsbomben - nach aktuellem Forschungsstand waren es keine so genannten 'Christbäume' - geworfen werden. Der straffierte Bereich, stellt das eigentliche Zielgebiet dar.

+++ Ab 22:40 Uhr +++

Über Potsdam öffnen sich die Bombenschächte der Flieger.

Die Messinstrumente des Potsdamer Wetterdienstes registrieren erste heftige Ausschläge.

Karl-Heinz Voß und seine Mutter haben es so eben in den Schutzraum geschafft. Noch ehe die Tür geschlossen ist, schlagen die ersten Bomben in Potsdam ein.

Im Ausbildungslager der Hitlerjugend in der Spandauer Straße 20 (heute: Teil der Friedrich-Ebert-Straße, stadtauswärts ab Nauener Tor), wartet der fünfzehnjährige Horst Goltz darauf, dass "das Haus über [ihm] zusammenfällt". Das ganze Haus schaukelt „wie ein schwankendes Schiff“, das Licht flackert.

Im Luftschutzkeller in der Großbeerenstraße 122 nimmt Richard Pohl das "Pfeifen und Krepieren der Bomben" wahr. Im dunklen Schutzraum schlagen die Türen auf und zu, Fenster klirren und "das ganze Haus wackelt".

In der Goethestraße in Babelsberg schlägt eine Bombe ein. Anneliese Boick hat es nicht in den Bunker geschafft. Zusammen mit ihrer kleinen Tochter steht sie unter freiem Himmel. Ihre Tochter engleitet ihr. Sie selbst wird verschüttet und hat „nur die Arme noch frei“. Sie kann keine klaren Gedanken mehr fassen. "Was wird nun?", fragt sie sich. Aber da ist schon der Vater bei ihr und gräbt sie und die Tochter daneben aus. Sie blickt sich um. Die Bombe hat wohl eine Garage ganz in der Nähe getroffen. Die Autos wurden herausgeschleudert. Jetzt machen sie sich auf zum nächsten Luftschutzbunker.

In der Wallstraße (heute: Karl-Gruhl-Straße) in Babelsberg brennt es „an einigen Stellen lichterloh“. Das Schnelligkeitskommando mit Harry Wonneberger rückt an. Bevor die Löscharbeiten beginnen können, "muss man zunächst Wasser holen; es wird aus der Havel gepumpt mit einer 500 Meter langen Schlauchkette". Tote Körper und der "Geruch verkohlter Leichen" gehen ihm nahe, aber Angst hat Harry Wonneberger nicht. Durch Löscharbeiten in Berlin "hat er die schlimmsten Folgen von Luftangriffen" erlebt. Er und seine Kameraden sind "abgestumpft". Über die Erlebnisse sprechen sie untereinander nicht. Ihre Nacht wird noch bis Sonntag um 15 Uhr gehen.

Auch Dorothea Günther empfindet eine Todesnähe wie nie zuvor. Sie hat das Gefühl, die Welt geht unter. Die Mauern rings herum "wackeln, Kalkbrocken fallen von der Decke, Mörtel rieselt herunter, zerberstendes Glas scheppert". Der Boden unter ihnen rollt so, "als sei heftiger Wellengang." Bei jedem Einschlag denkt sie, dass das Haus einstürzt, das Ende gekommen ist.

Die Begeisterung über den freien Abend ist bei Karl-Heinz Redlin längst gewichen. Der Wechsel von Über- und Unterdruck lässt die offene Schutztür hin und her schlagen. Der Fünfzehnjährige steckt sich die Finger in die Ohren und öffnet den Mund, um für Druckausgleich zu sorgen. 

Im Schutzraum des Stadthauses schwankt der Boden, Türen fliegen auf und zu, Staubwolken breiten sich aus. Die Bomben fallen ganz in der Nähe. Ilse Peinert vertraut darauf, dass die Kellerdecke und -wände halten, die "Tresore der Bank und die  starken Wasserrohre" zusätzlichen Schutz bieten.

Jetzt schlagen auch erste Bomben in der der Kaiser-Wilhelm-Straße (heute: Hegelallee) ein. Hans-Werner Mihan zündet im Luftschutzraum eine "Endsieglampe" an. Im Schein der Kerze sieht er die verängstigten Gesichter der anderen. Manche beten, andere schreien und wieder andere schweigen einfach.

Renate Jungmann hat die Sirenen gar nicht gehört. Dafür hört sie nun "Krach und Poltern" über ihr. Ein Phosphorkanister steckt den Keller nebenan in Brand. Sie hört die Frauen schreien, die darin verbrennen.

Als die Bomben rund um den Telegrafenberg einschlagen, kauert Horst Wedell in dem Splittergraben mit dem spärlichen Schutz. Sand wird hochgewirbelt und legt sich über die drei.

Der ' Master Bomber ' ist damit beschäftigt, seinen Piloten den richtigen Zeitpunkt für die Bombardierung mitzuteilen. Der auffrischende Wind macht ihm zu schaffen. Im Sekundentakt kommen seine Befehle: Mal ist die rote Zielmarkierung die falsche, mal die grüne zu ignorieren und die Konzentration wird wieder auf die rote gelenkt, Zudem setzt er seine Bomberpiloten über die Deutschen Ablenkungsmarkierungen in Kenntnis Innerhalb von Bruchteilen Sekunde passt er seine 'präzisen und hilfreichen' Anweisungen an.

In dem Luftschutzkeller von Martha Gellhardt macht sich Angst breit. Der Boden schaukelt "wie ein Boot". Alle „zittern und bangen um ihr Leben“.

Ursula Radke beugt sich in der Albrechtstraße (heute: Am Neuen Garten) über das Baby-Körbchen, um ihr Kind „vor eventuell herabstürzenden Mauerstücken zu schützen“. Das "Rauschen der Bomben" erfüllt die ganze Straße. Der Boden schwankt, der „Orkan geht los“, denkt Katharina Wille im Keller der Albrechtstraße 33.

+++

22:45 Uhr +++

Eins…, zwei…, drei Bomben lassen den Unterschlupf von Eva Bidder erbeben. Erst jetzt realisiert sie, dass Potsdam das Angriffsziel ist. Krampfhaft hält sie sich an ihrer Mutter fest und betet.

Bomben treffen das Haus, in dem sich Renate Jungmann aufhält. Das Licht im Keller fällt aus, Staub legt sich über alles und jeden.

Vor dem Keller, in dem Frieda Liese mit ihren Kindern hockt, fliegen die Sandkästen, die als Schutz vor den Fenstern stehen, umher. Drinnen versuchen die Erwachsenen die Kleinen mit ihren Leib zu schützen.

An der Langen Brücke kauern noch immer Karl-Heinz Blank und seine Kameraden. Der Boden unter ihnen „zittert und dröhnt“. Sie beobachten, wie "die Stadt im Feuer untergeht".

+++ 22:47 Uhr +++

Um genau 22:47,5 Uhr macht die Bordkamera der NG 130 ein Foto von der ersten und letzten Reise der tödlichen Fracht. Auf Grund der Angriffshöhe (6100 Meter) werden die Bomben bereits 2,5 Kilometer vor dem Zielgebiet  - ungefähr über Hermannswerder – ausgelöst.

+++ 22:48 Uhr +++

Die HK646-Besatzung klinkt in 5800 Metern Höhe die Bomben aus. "Sehr konzentrierter Angriff. Bombenexplosionen lagen sehr gut zwischen den Markierungen", melden sie.

Rund 150 Meter unterhalb der HK 646 öffnet auch diese HK 616-Besatzung die Bombenschächte. Bei klarem Himmel seien die "Bodeneinzelheiten sehr klar" zu erkennen gewesen, die Bombardierung anhand der "roten und grünen Zielmarkierungen" erfolgt. Man wundere sich nur, dass obwohl die Zielmarkierungen konzentriert sind, das Bombardement teilweise "zerstreut" scheint.

Das Warenhaus in der Brandenburger Straße wird getroffen. Ringsherum wackeln die Häuser. Der zehnjährige Siegfried Lieberenz erlebt seine schlimmste Weltkriegsnacht im Keller des elterlichen Haus genau gegenüber, in der Junkerstraße (heute: Gutenbergstraße). Alles bebt. Sollten sie den Angriff überleben, beschließt seine Mutter, werden sie sofort nach dem Ende dieses Bombardements einen anderen Bunker aufsuchen. Am liebsten den im Winzerberg. Zwar ist der noch nicht fertig, aber immerhin tief im Berg.

Im Keller in der Wilhelmstraße in Babelsberg sind die Detonationen der Bomben spürbar. Die Klappen der Öfen springen raus und Ruß verteilt sich im Raum. Der Boden vibriert. Elenore , ihre Geschwister und die Mutter klammern sich dicht aneinander. Die Siebenjährige hört ihre Mutter sagen: "Wenn wir schon draufgehen, dann alle zusammen".

Glück für Esther Gamon in der Bismarckstraße 26 (heute: Johannsenstraße) in Babelsberg. Wenige Meter weiter wird die Nr. 21 von zwei Bomben getroffen, alle 26 Personen im Haus sterben.

Auf Hermannswerder liegt Gerhard Burr verletzt im Lazarett. Unter ihm schwankt die Halbinsel nach "den Einschläge im Wasser wie ein Boot". Die Stadt auf der anderen Seite der Havel brennt.

Auf dem Grundstück der Familie Reichstein schlägt eine Bombe ein. Das Nachbarhaus, das Heim von Ursula Rödigers Familie, wird fast völlig zerstört. Die zwölf Menschen im Keller bei den Reichsteins überleben jedoch alle.

Das Altenpflegeheim Luisenhaus in der Behlertstraße wird getroffen. Ein Hausflügel wird zerstört, eine Bewohnerin stirbt.

+++ 22:50 Uhr +++

Die Besatzung der Lancaster PD 332 entdeckt "bebautes Gebiet" unter sich und lässt, aus 5800 Metern Höhe, ihre tödliche Fracht zu Boden sausen.

Aus über 6000 Metern rauschen derweil die insgesamt acht Bomben der NG 299 in Richtung Boden.

Im Ausbildungslager der Hitlerjugend in der Friedrich-Ebert-Straße fallen Scheiben und Dachziegel zur Erde, „der Keller schwankt wie toll“. Horst Goltz hört „gespenstische Geräusche durch die Luftlöcher der Kellerfenster“ und „Einschläge ganz in der Nähe“.  Ein „unaufhörliches Rollen und Krachen“ – bis es schließlich doch ruhiger wird.

Eine gewaltige Explosion reißt die Tür zum Luftschutzraum in der Kaiser-Wilhelm-Straße (heute: Hegelallee) auf. Durch die offene Tür beobachtet Hans-Werner Mihan die Brände und Explosionen. Ein Bombeneinschlag in der Nähe. Eine "Staub-, Dreck- und Kalkwolke fegt die Kellertreppe hinunter". Mit vereinten Kräften wird die Tür wieder geschlossen. Draußen knallt es weiter, doch auch hier nehmen jetzt die Bombeneinschläge merklich ab.

Familie Boick hockt zusammen mit rund 20 anderen Menschen in dem Luftschutzkeller in Babelsberg. Rund die Hälfte sieht sie zum letzten Mal.

Rund um den Findling in Babelsberg wankt der Boden, Bomben schlagen dort aber nicht ein.

NG 130 dreht Richtung Südwesten ab.

+++ 22:57 Uhr +++

Heftige Explosion am Bahnhof.

+++ 22:59 Uhr +++

Eine weitere heftige Explosion am Bahnhof. Ein Munitionszug, der auf einem Nebengleis des Bahnhofes abgestellt war, geht in die Luft.

Den Bahnhof hat es an sich auch schwer getroffen. Er liegt mitten im Zielgebiet. Gleise ragen aufrecht in den Himmel, überall aufgerissene Straßen und kaputte Gebäude.

Das Inferno

+++ Kurz nach 23 Uhr +++

Der koordinierte Angriff auf Potsdam ist beendet, der 'Master Bomber' dreht verlässt das Zielgebiet.

Die Detonationen werden weniger.

Dorothea Günther , ihr Mann Martin und der Untermieter lösen sich aus ihrer Umklammerung unter dem Türrahmen im Keller. Das noch ungeborene Kind in ihrem Bauch "tobt und strampelt". Sie setzen sich zu den übrigen Hausbewohnern. Eine Frau beginnt, Leinen in Streifen zu reißen, um Verbandsmaterial zu erhalten. Absurd: dieses reißende Geräusch treibt die werdende Mutter nach all dem infernalischen Lärm an den Rand der Verzweiflung.

In der Friedrich-Ebert-Straße treibt der Luftschutzwart Ilse Peinert und die anderen Unverletzten an die Luft: "Alles raus, was helfen kann". Doch Ilse Peinert ist wie gelähmt. Draußen tobt jetzt das Inferno, immer mehr Schutzsuchende drängen in den überfüllten Keller – man rückt zusammen.

+++ 23:08 Uhr +++

NG 130 wird von einem deutschen Abfangjäger angegriffen, wird vom Hauptverband abgedrängt. Der Lancaster übersteht den Angriff aber ohne Schäden und findet schnell wieder Anschluss.

+++ 23:15 Uhr +++

In der Reichshauptstadt Berlin wird währenddessen ein Ablenkungsangriff geflogen. Bis 23.21 Uhr fliegen sechzig zweimotorige Bomber ('Mosquitos') Angriffe auf die Stadt.

Über Halberstadt wird die NG130 von Flak beschossen.

+++ 23:16 Uhr +++

Der letzte britische Flieger verlässt den Luftraum über Potsdam.

+++ ab 23:30 Uhr +++

Ab 23:30 Uhr : Die Sirenen für die Entwarnung funktionieren nicht.

Der verletzte Gerhard Burr macht sich von Hermannswerder auf ins brennende Zentrum. Er sucht seine Eltern – und findet sie schließlich unverletzt.

Viele Menschen in Potsdam verlassen jetzt die Luftschutzbunker. Auch Eva Bidder treibt es nach draußen. Was sie sieht, sind "nichts als Trümmer und Scherben".

Ursula Radke kann ihr Glück nicht fassen, dass ihr und ihrem Kind nichts passiert ist. Einige verlassen den Keller, um „in der Nachbarschaft Hilfe zu leisten“. Weit kommen sie nicht. Überall Feuer. Die Frauenklinik in der Behlertstraße ist getroffen und brennt. Rauch und Trümmer machen es für die junge Mutter jedoch unmöglich "an die Brandstelle heranzukommen".

Rings um Richard Pohl in Babelsberg brennt es.

So auch bei Ellen Gräfin von Grumme-Douglas . Für sie ist es der "Untergang des Alten Potsdam". Sie lebt in der Beyerstraße, nahe der Alexandrowka. Nach dem Angriff handelt sie "minutenlang marionettenhaft". Sie schlägt sich durch bis zum Nauener Tor, "von da ab steht alles in Flammen."

Im Luftschutzraum in der Kaiser-Wilhelm-Straße "zerrt die Ungewissheit an den Nerven". Ist das jetzt das Ende des Angriffs oder folgt eine zweite Welle? Hans-Werner Mihan kontrolliert zusammen mit den anderen ihren Unterstand und wagt sich dann nach draußen. „Größere Schäden sind nicht zu erkennen“. Er schlägt sich durch bis zur Junkerstraße (heute Gutenbergstraße). Dort bietet sich ein Bild der Zerstörung. Der Bassinplatz ein Trümmerfeld, übersät mit Bombenkratern.

Horst Goltz und andere Hitlerjungen sollen "die zerstörte Telefonleitung zwischen der Kreisleitung der NSDAP am Wilhelmplatz Nord und dem Polizeipräsidium in der Priesterstraße wiederherstellen". Der Versuch schlägt fehl, die Jungen kehren zurück, da „außer der Nordseite alle übrigen Seiten des Wilhelmplatzes in Flammen stehen. Auch brennen viele Häuser zwischen dem Kanal und der Breiten Straße bis hin zur Garnisonkirche.

Der Lange Stall an der Garnisonkirche ist getroffen und brennt. Die Kirche scheint auf den ersten Blick unversehrt. Pfarrer Gerhard Schröder kann nur kleinere Brände entdecken. Der Gottesmann lässt Schläuche auf den Turm hieven, doch fließt das Wasser nicht. Plötzlich trägt eine Windböe die lodernde Glut vom benachbarten Langen Stall auf das Kirchendach. Schröder, nichts Gutes ahnend, handelt geistesgegenwärtig. Es gelingt ihm, Inventar wie den Feldaltar, ein Kruzifix und Leuchter ins Freie zu retten. Er wird von anwesenden Soldaten beruhigt: Gefahr für die Kirche durch ein Feuer bestehe nicht. Kurz darauf brennt der Turm wie eine Fackel. Die Löscharbeiten der Kirche haben jedoch augenscheinlich keine Priorität. Ein Wehrmachtslöschtrupp steht untätig herum. Später brennt auch das Kirchenschiff.

Für Jürgen Zippel ist es ein "Dante’sches Inferno".  Er macht sich auf zu seiner Wohnung. Feuer überall: "von der Kaiserstraße und vom Alten Markt her fressen sich Brände in den Block hinein". Wind kommt auf und facht die Feuer immer wieder an. Zuhause angekommen, reißt er die Gardinen ab. Dem Feuer keine Nahrung bieten. Weiter geht es auf den Dachboden. Dort sind auch die anderen Bewohner. Gemeinsam versuchen sie "Funken zu ersticken und ein Übergreifen der in der Umgebung (heute: rund um den Staudenhof) wütenden Brände zu verhindern". Es gelingt, während das Haus gegenüber vor ihren Augen vollständig abbrennt.

Am Stadthaus schreit eine Frau mit angesengten Kleidern: "Ich bin durch die Hölle gelaufen" – und meint die Französische Straße, die Straße, in der auch das Elternhaus von Ilse Peinert steht. An ein Durchkommen vom Stadthaus bis zu den Eltern ist nicht zu denken. Doch da kommt schon der Vater. Mit angesengten Haaren, aber ansonsten – wie der Rest der Familie – unverletzt  sagt er lediglich: "Kind, nun sind wir bettelarm". Nicht nur, dass das Haus zerstört ist. Das bisschen Habe, was zunächst gerettet schien, wird der Familie gestohlen.

Vom Neuen Palais aus, sieht die Familie des Schlösserverwalters Kühn Rauschschwaden über der Innenstadt. Wenig später kommen schon die ersten Obdachlosen in Richtung des gewaltigen Schlosses im Park Sanssouci und suchen hier Obdach.

Auf dem Alten Markt sind alle Gebäude mehr oder weniger stark beschädigt. Das Stadtschloss ist von den Bombentreffern gezeichnet und wird Opfer der Flammen. Ebenso wie der Palast Barberini. Die Nikolaikirche hat hingegen Glück; die Kuppel hat Stand gehalten und die anderen Schäden beeinträchtigen die Statik des Gebäudes nicht.

Die Familie des Schlossaufseher Max Nietsch verlässt das riesige Gewölbe mit den dicken Eichenfässern. Als sie aus dem sichersten Schutzraum der ganzen Stadt ins Freie treten, brennt es lichterloh. Der ganze Flügel in dem sie ihr Zuhause hatten ist weg.

Die historische Altstadt südlich des Stadtkanals ist durch das Bombardement zu über 50 Prozent zerstört. Auf der anderen Seiten der Havel sind die Schäden noch heftiger. Die Bahnanlagen sind schwer getroffen, fast alle Gebäude zerstört. Der Blick in Richtung Süden zur Leipziger Straße/ Brauhausberg offenbart einem das ganze Ausmaß des Infernos. Ein einziger qualmender Trümmerhaufen.

Massive Schäden gibt es auch bei einigen medizinischen Einrichtungen zu beklagen. Sowohl das Josefs- als auch das Städtische Krankenhaus werden von Bombentreffern nicht verschont.

Nachdem etwas Ruhe eingekehrt ist, schnappt die die Mutter von Horst Wedell ihre beiden Kinder und macht sich auf zurück in ihre Wohnung in der Paetowstraße. Ein bizarrer Anblick: Die Häuser in der Paetowstraße stehen in Flammen. Die Wände des Wohnhauses der Familie Wedell sind "bereits zusammengefallen", aber "die Treppen sind noch in Ordnung". Der Zehnjährige geht in die Küche und versucht „seine Schulmappe aus den Trümmern zu ziehen“. Es gilt "zu retten, was noch zu retten" ist. Auch aus dem Keller wollen sie noch „Dinge herausholen“. Dann plötzlich das Gerücht, dass ein zweiter Angriff folgt. Die drei flüchten in den Wald, aber es kommt kein Bomber mehr.

In Babelsberg hat sich nun auch Gertrud Jungbluth aus dem Keller getraut. Zwar ist das eigene Haus kaum beschädigt, aber im Umfeld sind erhebliche Schäden zu beklagen. In der Wallstraße sieht es "grauenvoll aus". Baumstümpfe und Trümmer überall an den Wegesrändern, auf der Straße massenweise nicht detonierte Bomben.

Im Park Babelsberg tritt nach langen Minuten in "höchster Lebensangst" auch der 42-jährige Hans Chemin-Petit wieder aus seinem Luftschutzbunker heraus, der erst auf sein "nachdrückliches Fordern" gebaut worden war. Der Musiker und Dirigent lebt wenige Meter entfernt im Kleinen Schloss im Park Babelsberg. Mehrere Bomben sind hier niedergegangen, das Gebäude zum Teil unbewohnbar geworden. Er bewundert die "Haltung der Kinder im Ganzen". Die restliche, "zum Glück nicht allzu kalte Nacht", verbringen sie "auf notdürftigen Quartieren".

Nach dem Ende des Bombardements steht fast gegenüber Gisela Heller . Von der Glienicker Brücke überblickt sie "die brennende Stadt in ihrem ganzen Umfang."

August Burda hört derweil Klopfzeichen aus dem nachbarlichen Keller. In der Charlottenstraße 55 war eine Bombe eingeschlagen und hatte den Ausstieg verschüttet. Vier Erwachsene und zwei Kinder können gerettet werden, der Rest liegt tot im Luftschutzbunker. Das Pfarrheim in der Charlottenstraße 49 hatte ebenfalls einen Volltreffer abbekommen. Zwei Erwachsene und zwei Kindern werden unter den Trümmern verschüttet. Die Kirche an sich bleibt unbeschadet – abgesehen von den zerstörten Fensterscheiben.

Karl-Heinz Redlin macht sich auf den Weg nach Hause. Auf seinem Weg von der Mammonstraße zur Jägerstraße 5 blickt er erstaunt auf einen kaum in Mitleidenschaft gezogenen Neuen Markt, passiert die durch den Bombenangriff kaum zerstörte Hodlitzstraße (heute: Wilhelm-Staab-Straße) und gelangt schließlich in eine ebenso fast intakte Jägerstraße. Lediglich eine verirrte Bombe hat das Haus Nr. 12 in Brand gesetzt. Einige Frauen haben bereits eine Eimerkette gebildet und löschen das Feuer.

Als der Bombenhagel aufhört, verschafft sich Frida Liese zusammen mit anderen Überlebenden einen Überblick über die Situation auf der Straße Am Kanal. Das Nachbarhaus Nr. 53 steht in Flammen. Sofort wird auch hier eine Eimerkette vom Kanal zum Haus gebildet. Das Feuer wird gelöscht. Frida Liese holte ihre Kinder aus dem Keller, schlägt sich durch die brennende Grünstraße (heute: Joliot-Curie-Straße) zu ihren Eltern in der Gardes-du-Corps-Straße (heute: Heilig-Geist-Straße) durch. Erstmal in Sicherheit. Doch zur Ruhe kommen sie nicht. Gegenüber liegt eine nicht detonierte Bombe. Die anliegenden Häuser werden geräumt. Erst am Abend kehrt die Familie wieder zurück.

Maria Froese hat Glück. Das Haus in der  (heutigen) Friedrich-Ebert-Straße ist "völlig zerstört" aber sie hat den Angriff im Keller überlebt. Im Gegensatz zu vielen Freunden. Deren Häuser "hatten keine Keller, die vor den Bomben schützen konnten".

Im Keller in der Saarmunder Straße in dem Renate Jungmann  sich aufhält kann man kaum atmen. Jeder presst sich ein nasses Tuch vor den Mund. Mit Stangen eines Bettgestells wird versucht, ein Luftloch zu schaffen. Plötzlich vernehmen die Eingeschlossen Stimmen. "Hilfe", rufen sie – und haben Glück. Jungen der gegenüberliegenden Kadettenanstalt durchkämmen die Straßen und suchen Überlebende. Renate Jungmann  wird als erstes gerettet. Zwanzig Menschen finden in dieser Nacht neben ihr den Tod.

Wolfgang Heese ist über die Lange Brücke gekommen, passiert jetzt die Bittschriftenlinden am brennenden Stadtschloss und rennt weiter zum Wilhelmplatz. Dort trifft er auf Hans Friedrch, Oberbürgermeister von Potsdam. Doch Heese hat keine Zeit. Er will zum Krankenhaus und ein Fahrzeug für Verletztentransporte organisieren – am Krankenhaus wird er nicht fündig. Dort sind alle Wagen zerstört.

Familie Lieberenz macht sich auf zum Winzerberg. Dort soll es einen Bunker im Berg geben, heißt es. Als die Familie dort ankommt, ist es "schon proppevoll und furchtbar eng". Obwohl der kleine Siegfried Asthma hat, werden sie diese Nacht dort ausharren.

Was mit dem Kahn und den Zwangsarbeitern in der Nähe der Langen Brücke geschehen ist, weiß niemand.

+++ Rückkehr der Lancaster Bomber +++

Lancaster NG 130 erreicht gegen 0:18 Uhr Koblenz. Von hier an geht es direkt in Richtung England. Knapp anderthalb Stunden später überfliegt der Bomber den Kanal, erreicht zehn Minuten später Eastbourne und dreht in Richtung Ausgangsbasis. Gegen 3 Uhr setzt NG 130 unversehrt wieder auf der Landebahn am  heimatlichen Stützpunkt in Wratting Common.

Nach und nach kommen jetzt die letzten britischen Flieger zurück in ihre Stützpunkte. Die Piloten schreiben ihre Berichte.

+++ Das zerstörte Potsdam +++

In Potsdam herrscht das Inferno. Der Großteil der Bomben ging in einer knappen halben Stunden zwischen 22:40 und kurz nach 23 Uhr auf die Stadt nieder. Über 1700 Tonnen Bomben legten vor allem den Bahnhof und die Gleisanlagen in Schutt und Asche.

Daneben weisen auch große Teile der "zivilen" Potsdamer Gebäude gravierende Schäden auf:  Vor allem in der Altstadt (über 50% zerstört), in der Teltower Vorstadt und Hermannswerder (je über 30% zerstört) und in der Berliner Vorstadt sowie im Zentrum (je über 14% zerstört) sind die Auswirkungen der Bombardierung enorm. Aber auch Krankenhäuser, städtische Einrichtungen (bspw. das Wasserwerk an der Leipziger Straße, die Hauptpost oder das Feuerwehr-Depot) und schulische Einrichtungen werden getroffen bzw. zerstört.

Im ersten – von Hans-Werner Mihan ausgewerteten – britischen Auswertungsbericht zwei Tage nach der Bombardierung heißt es, dass "schwerer Schaden im Umkreis des Eisenbahn-Zentrums zu sehen" ist. Zudem, so heißt es weiter erstrecken sich die Beschädigungen „von Nowawes bis zur nordwestlichen Nauener Vorstadt[.] Im Eisenbahn-Zentrum ist das Halbrund-Haus des Lokomotiv-Depots ausgebrannt, und alle anderen wichtigen Einrichtungen sind beschädigt, einige schwer. Die Arado-Flugzeugwerke G.m.b.h. östlich des Eisenbahn-Zentrums und ein Depot in Richtung Süd sind auch getroffen[.] Zwischen dem Eisenbahn-Zentrum und der Charlottenstraße gibt es verschiedene Gebiete der Verwüstung, in denen die Mehrzahl der Gebäude zerstört oder ausgebrannt ist".

Bis auf das Stadtschloss bleiben die anderen Schlösser und Gebäude in den Parks von den Bomben verschont. Jedoch werden die Garnisonkirche, der Lange Stall und das ganze Ensemble am Alten Markt, wie der Palast Barberini oder das Alte Rathaus, beschädigt und getroffen. Lediglich die Nikolaikirche kommt in dieser Nacht relativ unbeschadet davon.

Der 14. April 1945 ist ein sonniger, warmer Frühlingstag – ein Sonnabend.  Um 22:15 Uhr ertönen die Sirenen, Bomben fallen auf Potsdam und wenig später marschiert die russische Armee in Potsdam ein. Das Stadtbild ist ein anderes geworden.

Das Protokoll zum Luftangriff: www.maz-online.de/Nacht-von-Potsdam

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Insgesamt werden in dieser Nacht über 1500 Menschen in Potsdam direktes Opfer des Luftangriffs.

Opfer des Bombenangriffs auf dem Neuen Friedhof in der Heinrich-Mann-Allee.

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Potsdams Innenstadt - vor und nach dem Krieg

Der 14. April 1945 ist ein sonniger, warmer Frühlingstag – ein Sonnabend.  Um 22:15 Uhr ertönen die Sirenen, Bomben fallen auf Potsdam und wenig später marschiert die russische Armee in Potsdam ein. Das Stadtbild ist ein anderes geworden.

Das Protokoll zum Luftangriff: www.maz-online.de/Nacht-von-Potsdam

Bombenentschärfungen in Potsdam

Immer wieder werden in Potsdam Blindgänger aus dieser Zeit gefunden. Seit der Wende wurden laut Angaben der Stadtverwaltung über 150 Blindgänger in der Landeshauptstadt unschädlich gemacht.

Blindgänger
Blindgänger bei Potsdam gesprengt
Sprengmeister Mike Schwitzke am Krater.

Nicht zum ersten Mal wurde eine Weltkriegsbombe im Sacrow-Paretzer-Kanal gefunden. Doch der Fund am Montag hatte es in sich: Für die Sprengung musste auf einem Acker ein tiefes Loch gegraben werden. Die Anwohner waren darüber wenig erfreut. Das wird ein Nachspiel haben.

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Blindgänger im Sacrow-Paretzer-Kanal
Bombenfund im Sacrow-Paretzer-Kanal. Die Bombe liegt abgedeckt in der Baggerschaufel.

Vor den Toren des Potsdamer Ortsteils Uetz ist im Sacrow-Paretzer-Kanal Montagmorgen eine Bombe entdeckt worden. Sie musste kontrolliert gesprengt werden. Die A10 zwischen Leest und Potsdam-Nord war voll gesperrt. Um kurz nach 15:30 Uhr gab es Entwarnung. Die A10 war wieder frei. Zurück blieb ein riesiger Krater.

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Bombensprengung in Potsdam
Roland Sponholz (links) und Jörg Seeger gehören zum Team von Mike Schwitzke.

Sprengmeister Mike Schwitzke ist in Potsdam bekannt wie ein bunter Hund. Kein Wunder, ist er doch schließlich der Mann, der regelmäßig Bomben in der Landeshauptstadt entschärft. Doch wer sind die Männer hinter ihm? Wir stellen sein Team vor, dass für einen reibungslosen Ablauf bei den Bombenentschärfungen sorgt.

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Luftangriff am 14. April 1945
Am 14. April 1945 war Potsdam das Ziel eines alliierten Fliegerangriffs.

Am 14. April 1945 ist der Tag des Untergangs des alten Potsdams: Britische Bomber legen an diesem Tag einen Großteil der historischen Innenstadt in Schutt und Asche. Als Orientierung für die Piloten wurde während des Angriffs das Zielgebiet optisch markiert – doch viele Bomben verfehlten die Zone. Unter anderem die, die am Donnerstag entschärft werden muss.

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250 Kilogramm schwerer Sprengkörper
Am Donnerstag wird in Potsdam ein großer Sperrkreis eingerichtet.

Auf viele Potsdamer kommt am Donnerstag eine Bombenentschärfung zu. In Babelsberg ist am Dienstag eine 250 Kilogramm schwere Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden. Der Sperrkreis betrifft mehr als 3000 Menschen, außerdem wird die Humboldtbrücke gesperrt. Die Entschärfung nimmt ein alter Bekannter vor.

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Bombensprengung im Potsdamer Forst
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Die drei Bomben aus dem letzten Weltkrieg, die in diesen Tagen in einem Potsdamer Waldstück gefunden wurden, sind von Sprengmeister Mike Schwitzke erfolgreich unschädlich gemacht worden. Zwei Blindgänger konnten entschäft werden, der dritte musste gesprengt werden.

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Sperrkreis wird ab 8 Uhr gezogen

Am Donnerstag ist in Potsdam wieder Mike-Schwitzke-Tag. Der Sprengmeister vom Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes Brandenburg wird am Morgen drei Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg unschädlich machen. Bahnreisende müssen sich auf eine Umleitung einstellen.

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Blindgänger im Waldgebiet
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Drei 250 Kilogramm schwere Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg sind im Forst Potsdam zwischen der Michendorfer Chaussee sowie den Gemeinden Nuthetal und Michendorf gefunden worden. Am Donnerstag werden die Bomben entschärft. Der Autoverkehr und Anwohner sind dadurch nicht gefährdet, nur Spaziergänger müssen sich eine alternative Route überlegen.

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Sperrung am Templiner See wieder aufgehoben

In Potsdam sind am Donnerstag drei Fliegerbomben entschärft worden. Kurz nach 11 Uhr war der Sperrkreis wieder aufgehoben. Auto- und Bahnverkehr normalisierten sich schnell. Der nächste Bombenfund und entsprechende kostenintensive Bergungsmaßnahmen werden jedoch kommen. Wann ist ungewiss - und auch die Kostenfrage ist noch lange nicht geklärt.

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In Potsdam werden am Donnerstag drei Blindgänger entschärft

In Potsdam müssen am Donnerstag erneut Weltkriegsbomben von Sprengmeister Mike Schwitzke entschärft werden. In einem Waldstück am Templiner See sind bei Aufräumarbeiten drei Bomben gefunden worden. Im Sperrkreis befinden sich keine Wohnungen. Auto- und Bahnfahrer müssen sich auf Staus und Behinderungen einstellen.

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Blindgänger in der Landeshauptstadt

Erneut musste Mike Schwitzke vom Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes Brandenburg ran. In einem Waldgebiet am Templiner See in Potsdam musste eine 250 kg schwere Fliegerbombe entschärft werden. Um 9:50 Uhr gab es Entwarnung. Die Bombe konnte erfolgreich entschärft werden. Eine Frage steht aber immer noch im Raum: Wer zahlt zukünftig für die Einsätze?

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Verkehreinschränkungen an der Templiner Straße

Erneut ist in Potsdam eine Bombe aus dem 2. Weltkrieg gefunden worden. Der 250 Kilogramm schwere Blindgänger, der im Wald zwischen Templiner See und Michendorfer Chaussee liegt, soll am Freitag entschärft werden. Im Sperrkreis befinden sich diesmal keine Wohnhäuser, doch der Verkehr wird beeinträchtigt sein.

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Interview
Widersprüchliche Stadtentwicklung nach dem Krieg
Bei dem Bombenangriff wurden große Teile Potsdams zerstört.

Der Bombenangriff vom 14. April 1945 ist eines der dunkelsten Kapitel der Potsdamer Stadtgeschichte. Im Interview spricht Historiker Thomas Wernicke über die Stadtentwicklung nach dem Krieg. Auf MAZonline kommen am Dienstag ab 13 Uhr Zeitzeugen zu Wort, und im Ticker lesen Sie die Ereignisse der Nacht von Potsdam in Echtzeit.

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Zeitzeugin
Anneliese Sotschek erinnert sich an den 14.04.1945

Potsdamer schildern ihre Erlebnisse beim britischen Luftangriff vom 14. April 1945 und in den Tagen danach. Anneliese Sotschek erinnert sich noch gut an den Angriff - und an den Großvater, der lieber ins Bett als in den Luftschutzkeller ging.

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Alliierte Flugblätter
Horst Goltz sammelt Flugblätter der Alliierten

Horst Goltz hat ungewöhnliche Sammelleidenschaft. Der heute 83-Jährige sammelte Flugblätter der Alliierten und begann damit im Zweiten Weltkrieg, als der Besitz von "Feindpropaganda" lebensgefährlich war.

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Zeitzeuge
Gerhard Burr erinnert sich an den 14.04.1945

Potsdamer schildern ihre Erlebnisse beim britischen Luftangriff vom 14. April 1945 und in den Tagen danach. Gerhard Burr wurde in einem Lazarett auf Hermannswerder versorgt, als die Bomber kamen.

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Zeitzeuge
Horst Wedell erinnert sich an den 14.04.1945

Potsdamer schildern ihre Erlebnisse beim britischen Luftangriff vom 14. April 1945 und in den Tagen danach. Horst Wedell war in dieser Nacht mit seiner Familie nur von einem Unterstand aus Balken geschützt, den sein Vater errichtet hatte.

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Zeitzeuge
Martin Petrzak erinnert sich an den 14.04.1945

Potsdamer schildern ihre Erlebnisse beim britischen Luftangriff vom 14. April 1945 und in den Tagen danach. Martin Petrzak hat am Brauhausberg gelebt als die Bomben fielen. Den Bunker haben sie im alelrletzten Moment erreicht.

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Zeitzeugin
Anneliese Boick erinnert sich an den 14.04.1945

Potsdamer schildern ihre Erlebnisse beim britischen Luftangriff vom 14. April 1945 und in den Tagen danach. Anneliese Boick wurde verschüttet und übrlebte nur, weil ihr Vater schnell reagierte.

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Zeitzeugin
Renate Jungmann erinnert sich an den 14.04.1945

Potsdamer schildern ihre Erlebnisse beim britischen Luftangriff vom 14. April 1945 und in den Tagen danach. Renate Jungmann hatte Glück, sie wurde vorgewarnt.

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Teure Blindgänger
Länder fordern Kostenbeteiligung
In Brandenburg werden immer wieder Bomben gefunden.

In Brandenburg werden immer wieder Weltkriegsbomben gefunden. Sie zu entschärfen ist teuer. Das Bundesland fordert daher Unterstützung vom Bund. Nun kommt Bewegung in die Sache, davon könnte Brandenburg profitieren.

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