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Mike Schwitzke im Wettlauf mit dem Wasser

Bombenentschärfung in Potsdam Mike Schwitzke im Wettlauf mit dem Wasser

Die Weltkriegsbombe im Strandbad Babelsberg war etwas Besonderes: Erstmals wussten die Entschärfer nicht, wie gefährlich sie ist, denn der Heckzünder steckte nicht einsehbar im weichen Boden unterhalb der Wasserlinie. Am Ende war Sprengmeister Mike Schwitzke schneller als das anrückende Wasser und hatte Glück mit dem Zünder: ein ganz normales Modell.

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Der Sprengmeister und die Bombe

Quelle: Julian Stähle

Babelsberg. Fast wäre der Bombentöter abgesoffen: Als Sprengmeister Mike Schwitzke die Weltkriegsbombe am Donnerstagmittag zur Hälfte mit dem Spaten ausgegraben hatte, wurde der Boden unter seinen Schuhen „weich wie Pudding.“ Wasser drang ein in 1,50 Meter Tiefe, Havelwasser, das Flussufer ist nur zehn Meter entfernt. Plötzlich musste Schwitzke sich beeilen, um den unbekannten Heckzünder freizulegen und zu entscheiden: „Entschärfen“ oder „Sprengen“. Wäre es einer der unberechenbaren chemischen Zünder gewesen, hätte er sprengen müssen. „Uns war aber schnell klar, dass es ein konventioneller Heckaufschlagzünder ist“, sagt er nach der abgeschlossenen Aktion: „Wir konnten die Bombe an den Kranhaken nehmen und auf festen Boden legen.“ Der Zünder war 2,20 Meter tief im nassen Boden bestens erhalten und leicht herauszudrehen; ein Kinderspiel für Potsdams Sprengmeister, seine 13. Bombe dieses Jahr in dieser Stadt.

Vier Verdachtsflächen zeigte das m Gelände des Freibads im Babelsberger Park auf den hochaufgelösten Fotos der Royal Air Force, die Potsdam in der Nacht vom 14. auf den 15. April 1945 angegriffen und über 100 Bomben auch auf den Park Babelsberg abgeworfen hatte. Nur einer der Verdachtspunkte im Bad enthielt auch eine Bombe. „Es gibt aber mehr Punkte“, bestätigte Schwitzke am Donnerstag vage. „Wenn wir keinen metallhaltigen Bauschutt finden, haben wir das Gelände im nächsten Frühjahr binnen 14 Tagen abgesucht und munitionsfrei.

Noch scharfe Bomben im Boden

Für den übrigen Park wird die Suche aber deutlich länger dauern. Bis zu 120 Bombentreffer gilt es zu überprüfen, 100 davon sind Trichter als Folge der Explosion, nach der von der Bombe gewöhnlich kaum mehr als Schrott bleibt. Aber es dürfte nach Schwitzkes Schätzung noch fünf bis zehn scharfe Bomben geben.

Die Schlösserstiftung lässt zunächst nur dort nach ihnen suchen, wo es Baumaßnahmen gibt. So wird nächstes Jahr im Zuge der Komplexsanierung der Bewässerungsanlagen des Parkes eine Trasse vom sogenannten Achterbecken hoch auf dem Gipfel des Babelsberges hinunter zum Kindermannsee saniert und vorher abgeprüft, rund ein Drittel des gesamten Parks. Zehn Verdachtsflächen gebe es hier, sagte Stiftungssprecher Frank Kallensee am Donnerstag. Die Erkundung läuft in Etappen je nach Baufortschritt und kostet die Stiftung eine Viertelmillion Euro. Die Räumungs- und Entschärfungskosten trägt ja das Land. In den anderen Parkbereichen geht die Stiftung davon aus, dass die Suche nicht dringend ist, weil es um Waldgebiete ohne öffentliche Wege und Nutzflächen geht, die im Normalfall nicht betreten werden. Aber auch die Bombe am Strand wäre nach Schwitzkes Einschätzung keine Gefahr für buddelnde Kinder gewesen: „Ich habe hier ja auch mit Hammer, Meißel und Spaten gearbeitet.“

Von Rainer Schüler

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