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Mit dem Roboter gegen den Blindgänger

Weitere Blindgänger in Potsdam vermutet Mit dem Roboter gegen den Blindgänger

Am Mittwoch wurde in Potsdam ein Blindgänger entschärft. Sprengmeister Mike Schwitzke hat die Stadt wieder ein Stück sicherer gemacht. Nach der Entschärfung gab er sich gewohnt gelassen, dabei war die Bombe eine ungeahnt große Herausforderung. Zudem brachte er gegenüber der MAZ seinen Ärger über die Unvernunft mancher Anwohner zum Ausdruck.

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Weitere Blindgänger vermutet: Die Strohballen bleiben erstmal neben der ILB liegen.

Quelle: Julian Stähle

Potsdam. Am Ende lief alles schneller als erwartet: Die Bombe, die am Montag neben der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) nahe dem Potsdamer Hauptbahnhof gefunden worden war, konnte am Mittwochmittag ohne größere Probleme entschärft werden. Es war seit der Wende die 187. Entschärfung in Potsdam – und die dritte auf dem Gelände zwischen Hauptbahnhof und Freundschaftsinsel. Sprengmeister war wiederum Mike Schwitzke.

Der hatte allerdings noch am Morgen keine Ahnung, welche Art von Zünder er entschärfen musste, einen „einfachen“ mechanischen Aufschlagzünder oder einen „tückischen“ chemischen Langzeitzünder, der jederzeit explodieren kann. Zu allem Übel war die amerikanische 250-Kilo-Bombe rund 15 Zentimeter dick von einer betonharten Schlammkruste überzogen, der man keinesfalls mit Hammer und Meißel zu Leibe rücken konnte.

Neue Technik im Einsatz

Erstmals setzte man in Potsdam deshalb einen Wasserschneider ein, der aus rund 100 Metern Entfernung und im Schutz des ILB-Gebäudes mit Hilfe einer Kamera ferngesteuert wurde. Mit 600 Bar Wasserdruck schoss das Gerät den Zünder frei. Es handelte sich um einen mechanischen Aufschlagzünder, den Schwitzke wie gewohnt mit einer speziellen Rohrzange aus dem geölten Heck der Bombe herausdrehen konnte. Die Arbeit direkt an der Bombe wäre lebensgefährlich gewesen, so Sprengmeister Schwitzke.

Erst danach ging es für Mike Schwitzke mit Handarbeit weiter. Mit einer Rohrzange wurde der Zünder aus der Bombe gedreht und anschließend noch auf dem Gelände gesprengt. Gegen 13 Uhr konnte der Sperrkreis wieder freigegeben werden.

Weitere Blindgänger wahrscheinlich

Die 250-Kilogramm-Bombe lag nur 20 Meter von der ILB entfernt in einer Tiefe von 1,50 Meter. Wäre sie gesprengt worden, hätte die ILB „eine neue Fassadengestaltung gebraucht“, sagt ein entspannter Mike Schwitzke nach der Entschärfung. Die Strohballen um die Bombe waren drei Meter hoch aufgerichtet.

Auf dem Gelände neben der Investitionsbank soll eine Grünfläche mit Spielanlagen entstehen. Dazu wird die Erde bis in vier Metern Tiefe ausgetauscht. Die Stadtverwaltung rechnet damit, dass bei der folgenden systematischen Absuche weitere Bomben gefunden werden. Die Strohballen bleiben daher erstmal vor Ort.

Einige Verzögerungen

Doch der Bomben-Tag verlief nicht ganz ohne Zwischenfälle. Mehrere Menschen hatten sich in ihren Wohnungen verbarrikadiert und wollten den Sperrkreis nicht verlassen. An einer Stelle begaben sich Menschen in den Sperrkreis. Daraufhin musste die Polizei erneut den Sperrkreis absuchen.

Schwitzke selbst war bei seiner gefährlichen Arbeit von den Verzögerungen nicht direkt betroffen, war aber sichtlich (siehe Video) darüber verärgert, dass die Menschen nicht rechtzeitig den Sperrkreis verlassen: Über die Bombenentschärfung wurde zwei Tage lang berichtet, so Schwitzke, „daher verstehe ich es absolut nicht, wenn Leute trotz aller Absperrungen die Absperrungen durchbrechen“.

Dank vom Oberbürgermeister

Neben Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) dankte auch Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) den Einsatzkräften. „Sprengmeister Mike Schwitzke und sein Team vom Kampfmittelbeseitigungsdienst KMBD haben wieder hervorragende Arbeit geleistet“, so Schröter. Er dankte auch den vielen Helfern, die die Evakuierung unterstützt haben.

Von Rainer Schüler

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