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Blindgänger in Potsdam Fliegerbombe im zweiten Versuch gesprengt
Lokales Potsdam Blindgänger in Potsdam Fliegerbombe im zweiten Versuch gesprengt
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20:07 03.08.2018
Am Mittwoch wurde auf dieser Baustelle an der Heinrich-Mann-Allee eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Quelle: Friedrich Bungert
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„Was, Bombenentschärfung? Davon habe ich nichts mitbekommen“, sagt ein Mann, der  um 9 Uhr im Pyjama die Tür öffnet. Auch eine ältere Frau bringt nur ein genervtes „schon wieder“ hervor und verlässt dann unter dem Blick der Einsatzkräfte die Wohnung. 

Schon seit 7 Uhr laufen am Freitagmorgen  alle Fäden am Potsdamer Hauptbahnhof zusammen.  350 Einsatzkräfte sind unterwegs. Der Grund: Eine 250 Kilogramm schwere Fliegerbombe englischer Herkunft aus dem Zweiten Weltkrieg, die am Mittwoch auf dem ehemaligen Tramdepot an der Heinrich-Mann-Allee gefunden wurde, soll in wenigen Stunden unschädlich gemacht werden. Spätestens bis 8.30 Uhr sollten die 3000 Anwohner den 800-Meter-Sperrkreis rund um die Bombe verlassen.

Um  9.33 Uhr kann endlich vermeldet werden, dass drei von vier Kreisen geräumt sind – nur das City-Quartier fehlt noch.  Die Polizei hilft schließlich mit, um die letzten Personen aus dem Sperrkreis zu begleiten. „Wir haben damit gerechnet, dass es länger dauert, aber dass es so lange dauert, damit haben wir nicht gerechnet“, erklärt Einsatzleiterin Ilona Hönes  in der Zentrale am Potsdamer Hauptbahnhof. Viele Menschen hätten die Bombenentschärfung wahrscheinlich auf die leichte Schulter genommen. Es war die Zweite innerhalb von fünf Wochen.

Am 3. August 2018 wird in der Landeshauptstadt Potsdam eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft.

Im Horstweg beleidigte ein Mann sogar eine Frau vom Einsatzteam. Anschließend drang er in den Sperrkreis ein. „Es wird jetzt auf jeden Fall ein Bußgeld-Verfahren eingeleitet – die Höhe wird dann geprüft“, sagt Hönes.

Um 10.18 Uhr ist der Sperrkreis endlich geräumt und Sprengmeister Klaus Schulze kann loslegen. Es vergehen zehn Minuten. Dann kommt die Rückmeldung: Entschärfen ist nicht möglich, die Bombe muss gesprengt werden. Die Feuerwehr fährt 20 000 Liter Wasser zum Fundort in die Teltower Vorstadt. Die Bombe muss tiefergelegt und mit Wasser bedeckt werden, damit die Explosionswucht gemindert wird.

Zunächst scheint alles nach Plan zu laufen. Gebannt warten alle auf den großen Knall, doch es passiert nichts. Der Zünder funktioniert nicht, der erste Spreng-Versuch misslingt. Die 20 000 Liter Wasser müssen wieder abgepumpt und ein neuer Zünder an der Bombe befestigt werden.

Im Hauptbahnhof sammelten sich unterdessen immer mehr Menschen, die nicht in ihre Wohnungen zurückkonnten. Der Zugverkehr Richtung Berlin wird über Golm umgeleitet. Die Bahn war vorbereitet: Mehrere Servicemitarbeiter stehen für die Reisenden bereit. Helfer verteilen wegen der Sommerhitze, das  Thermometer klettert auf 33 Grad, kostenlose Wasserflaschen.

14.38 Uhr ist der  zweite Sprengversuch vorbereitet – statt Wassers war jetzt Sand verwendet worden – doch gibt es erneut eine Verzögerung: Zwei Jugendliche hatten unbemerkt die Absperrung durchbrochen. Die Polizei durchkämmt das Gebiet, benötigt aber eine Dreiviertelstunde, bis der Sperrkreis wieder frei war.

Um 15.16 Uhr macht es endlich „Bumm“. Übrig bleibt ein etwa drei Meter tiefer und fünf Meter breiter Krater. Von der Bombe ist nicht mehr viel zu sehen. Vereinzelt liegen Splitter im Sand der Fläche am alten Straßenbahndepot.
Wahrscheinlich wird es nicht die letzte Weltkriegsbombe gewesen sein, die in Potsdam geräumt werden muss. Der Bauboom werde weitere Funde zu Tage fördern, da waren sich alle Beteiligten am gestrigen Tag einig.

Der Tag zum Nachlesen:

Von MAZonline/Anne Knappe/Jonas Nayda

Am Freitag, 3. August 2018, wird in Potsdam ein Blindgänger entschärft. Ab 7.30 Uhr muss der Sperrkreis geräumt werden. Dann beginnt der Sprengmeister mit der Arbeit – und das ist dieses Mal nicht Mike Schwitzke.

03.08.2018

In der Landeshauptstadt Potsdam wurde erneut eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Am Freitag wird der Blindgänger entschärft. 3000 Menschen müssen den Sperrkreis verlassen.

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Der 250-Kilo-Blindgänger am Nuthepark wurde entschärft. 10 000 Menschen mussten ihre Wohnungen im Sperrkreis verlassen – einige Male musste die Polizei dazustoßen.

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