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Blindgänger in Potsdam Bombenentschärfung am Freitag: Das müssen Sie wissen
Lokales Potsdam Blindgänger in Potsdam Bombenentschärfung am Freitag: Das müssen Sie wissen
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08:32 03.08.2018
Hier wurde der Blindgänger gefunden..  Quelle: Peter Degener
Potsdam

Am Freitag, 3. August 2018, ist es wieder soweit. In Potsdam muss eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft werden.

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... dem aktuellen Liveticker

... den Einschränkungen im Nahverkehr

Alles, was Sie dazu wissen müssen, finden Sie hier im aktuellen Blindgänger-ABC:

AUSWEICHQUARTIERE

Während der Evakuierung [-> Sperrkreis] und Entschärfung stehen der Hauptbahnhof und für alte, kranke und transportbedürftige Menschen die Comeniusschule als Aufenthaltsorte zur Verfügung, teilte die Stadt Potsdam mit.

BOMBE

Bei dem am Mittwoch in der Nähe der Heinrich-Mann-Allee gefundenen Blindgänger handelt es sich um eine 250 Kilogramm schwere Fliegerbombe englischer Herkunft aus dem Zweiten Weltkrieg [-> Nacht von Potsdam]. Der Blindgänger liegt nur rund 60 Zentimeter unter der Erdoberfläche. Der Zünder der Weltkriegsbombe ist mechanisch. Es handelt sich um einen so genannten Heckaufschlagszünder, teilt die Stadt mit.

Übrigens: Die meisten Blindgänger in Potsdam sind englischer Herkunft, weil der Angriff von britischen Truppen durchgeführt wurde. Zwar werden auch ab und an amerikanische Fliegerbomben gefunden, aber dabei handelt es sich zumeist um Aushilfsware der Amerikaner, wie Sprengmeister Mike Schwitzke der MAZ verriet.

CRAYFISH

Der Codename für den alliierten Bombenangriff auf Potsdam war „Crayfish“. 512 Flugzeuge hoben am 14. April 1945 von mehreren britischen Flugplätzen nördlich von London ab – davon hatten 490, zumeist schwer beladende Lancaster-Bomber, das Ziel Potsdam. Der Bomber-Strom war fast 70 Kilometer lang.

DATUMSRECHNER

Wann genau die Bombe abgeworfen wurde, ist nicht klar. Die Teltower Vorstadt wurde 22. Juni 1944 gezielt angriffen, aber natürlich kann der Blindgänger auch beim großen Angriff am 14. April 1945 [-> Nacht von Potsdam] außerhalb des eigentlichen Zielgebietes [-> Quadrat] gefallen sein. Er liegt also wahrscheinlich über 26.774 Tagen an seinem Platz.

EVAKUIERUNG

Etwa 3.000 Menschen leben in dem Bereich rund um den Blindgänger. Sie müssen ihre Wohnungen am Freitag bis 7.30 Uhr selbstständig verlassen.

Im Sperrgebiet befinden sich zudem die Staatskanzlei sowie die Ministerien und Landesämter und die Bundespolizei am Standort Heinrich-Mann-Allee 103, zwei Pflegeheime, eine Einrichtung des betreuten Wohnens, eine Kindertagesstätte (Kita Nuthewinkel), das Freiland, zwei Friedhöfe und der Kletterpark.

Die Kita Nuthewinkel ist auch von dem Sperrkreis betroffen. Quelle: Peter Degener

„Die Arbeitsfähigkeit der Landesregierung wird voll gewährleistet sein“, versicherte Regierungssprecher Florian Engels der MAZ. „Wir haben das ja auch schon ein paar Mal geübt“, sagte er. Die Mitarbeiter in den Ministerien und in der Staatskanzlei würden am Freitag entweder Außentermine wahrnehmen oder Heimarbeit machen. „Alle Telefone werden umgestellt“, so Engels. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) ist ohnehin nicht vor Ort. Er werde zu einem Termin in Templin (Uckermark) erwartet.

FUNDORT

Die Bombe wurde auf einer Baustelle an der Heinrich-Mann-Allee gefunden. Dort, auf dem Areal zwischen Nuthewinkel, Kolonie Daheim und dem Alten Friedhof, will die kommunale Pro Potsdam bald mit dem Bau von 750 Wohnungen beginnen. Seit Monaten wird das Gelände nach Weltkriegsmunition abgesucht.

Luftbild Potsdam 16.04.1945: Das Areal zwischen Heinrich-Mann-Allee und Kolonie Daheim. Quelle: Recherche und Beschaffung Kriegsluftbild: Luftbilddatenbank Dr. Carls GmbH.

Warum liegt die Bombe gerade an dieser Stelle? Die Antwort ist einfach: Das Areal liegt mitten im Zielgebiet [ -> Quadrat] der britischen Lancaster-Bomber aus dem Jahr 1945. Zum anderen befand sich auf dem Areal einst ein Güterbahnhof – und auf dem stand laut Sprengmeister Mike Schwitzke in den letzten Kriegstagen ein mit deutscher Artilleriemunition beladener Zug.

GEHÖLZ

Niemand kann mit Sicherheit sagen, ob die Gefahr mit dieser Entschärfung des Blindgängers gebannt ist oder ob nach weitere Fliegerbomben auf dem Areal zu finden sind.

Wie die städtische Immobilienholding Pro Potsdam mitteilte, sei der größte Teil des Geländes zwar abgesucht, aber eine kleinere Fläche kann erst nach dem Ende der Vegetationsperiode sondiert werden, da dort noch untermaßiges Gehölz entfernt werden muss, heißt es. Mit anderen Worten: Vor Oktober werden wir keine Gewissheit haben.

HELFER

Die Landeshauptstadt Potsdam teilte am Mittwoch mit, dass rund 200 Helferinnen und Helfer, unter anderem von der Landeshauptstadt Potsdam, der Berufsfeuerwehr, freiwilligen Feuerwehren, Bundespolizei und Polizei im Einsatz sein werden, um den Sperrkreis zu räumen und abzusichern.

INVALIDE PERSONEN

Alle Bewohnerinnen und Bewohner sind dazu aufgerufen, den Sperrkreis bis 7.30 Uhr selbstständig zu verlassen.

Personen, die jedoch nicht selbstständig den Sperrkreis verlassen können, melden sich bitte frühzeitig bei der Potsdamer Feuerwehr unter (0331) 370 1216, um einen Transport für Freitag zu bestellen.

JAHR 1945

Allein von Januar bis Mitte April 1945 heulten die Sirenen in Potsdam über 130 Mal. Jedes Mal heulen die Sirenen, die Menschen eilen in die Luftschutzräume. Doch der letzte zielgerichtete Angriff fand am 22. Juni 1944 statt. An einen erneuten Angriff glaubt daher in jedem Frühjahr keiner so richtig. Doch das ist ein Trugschluss. Potsdam steht seit Februar 1945 auf einer Liste mit 25 potenziellen Zielen (Operation ‚Thunderclap’). Am 12. April fällt die Entscheidung: Potsdam wird am 14. April 1945 [-> Nacht von Potsdam] angegriffen.

KAMPFMITTELBESEITIGUNGSDIENST

Der Kampfmittelbeseitigungsdienst (KMBD) gehört der Polizei des Landes Brandenburg an. Sein Sitz ist in Wünsdorf. Er ist zuständig für die Kampfmittelbeseitigung in Brandenburg „sowie die Nachweisführung über geräumte Flächen, die Entgegennahme, den Transport, die Lagerung und Vernichtung von Kampfmitteln“.

Das Land Brandenburg weist den höchsten Anteil an kampfmittelbelasteten Gebieten der Länder der Bundesrepublik Deutschland auf. Rund 392.000 ha seiner Gesamtfläche gelten noch als belastet, teilte der KMBD mit.

LIVETICKER

MAZonline wird am Freitag einen Liveticker zur Bombenentschärfung veröffentlichen. Darin halten wir Sie live über das aktuelle Geschehen auf dem Laufenden. Sie erfahren, wann der Sperrkreis geräumt ist, wann mit der Entschärfung begonnen wird und wann Sie wieder in Ihre Wohnungen zurück können. Nutzer der MAZ-MobilApp halten wir zusätzlich mit Push-Nachrichten über den aktuellen Stand der Räumung auf dem Laufenden..

Weitere Informationen, Geschichten und Fotos finden Sie zudem unter: www.MAZ-online.de/bombe.

MIKE SCHWITZKE NICHT IM EINSATZ

Verantwortlicher Sprengmeister am Freitag in Potsdam ist Klaus Schulze, technischer Leiter des KMBD für Brandenburg-West. Mike Schwitzke, der den Potsdamern seit Jahren ein Begriff ist, wird am Freitag nicht im Einsatz sein.

Der Bereich West des KMBD ist für die Landkreise Potsdam-Mittelmark, Havelland, Teltow-Fläming, Dahme-Spreewald und die kreisfreien Städte Potsdam und Brandenburg zuständig. Der Sitz des Technischen Einsatzleiters ist in Wünsdorf.

Klaus Schulze ist ein erfahrener Sprengmeister. 2012 sagte er gegenüber der MAZ, dass er bei solchen Einsätzen selten aufgeregt sei und Lampenfieber nicht kennt.

NACHT VON POTSDAM

Am 14. April 1945 wurde Potsdam das Ziel eines alliierten Bombenangriffs. Unter dem Titel „Die Nacht von Potsdam“ hat der Potsdamer Historiker und Buchautor Hans-Werner Mihan ein Buch über die unheilvolle Nacht herausgegeben. Der Titel ist angelehnt an den „Tag von Potsdam“ und bis heute im Sprachgebrauch der Potsdamer verankert.

Der Angriff damals dauerte nur wenige Minuten, aber die Folgen waren verheerend: Tote und Verletzte liegen in den Trümmern. Der Bahnhof und ein Großteil der historischen Altstadt sind zerstört. Von den 1656 Gebäuden der Innenstadt wurden 509 völlig zerstört und 103 zum Teil; 989 Gebäude galten noch als bewohnbar und nur 55 als unbeschädigt.

Das Protokoll der Bombennacht in Echtzeit: Zeitzeugenberichte, Hintergründe und Bilddokumente.

ORDNUNGSWIDRIGKEIT

In der Vergangenheit – so wie beim vorletzten Mal oder im „Fall der Waschmaschinen-Anlieferung“ – kam es zu Störungen und Verzögerungen durch Passanten. Die Landeshauptstadt hat daher zur letzten Entschärfung im Juli entschieden, „jede Störung bei der Evakuierung und Entschärfung zur Anzeige zu bringen beziehungsweise selbst Bußgeldverfahren einzuleiten“.

Menschen, die sich gegen diese Gefahrenabwehrmaßnahme wehren, verstoßen gegen die Kampfmittelverordnung für das Land Brandenburg.

Also: Rechtzeitig raus aus dem Sperrkreis! Diese Ordnungswidrigkeit kann mit einem Bußgeld von bis zu 5.000 Euro geahndet werden.

PERSONENNAHVERKEHR

Betroffen von der Sperrung sind die Straßenbahnlinien 91, 92, 93, 96 und 98 vom Hauptbahnhof in Richtung Süden sowie die Buslinien 690, X1, 601, 611, 619 und 750.

Ab 7.30 Uhr fahren diese Linien vom Hauptbahnhof ohne Halt durch bis zum nächsten Haltepunkt außerhalb des Sperrkreises. Sobald der Sperrkreis abgesichert ist und der Sprengmeister mit der Entschärfung beginnt, wird der Verkehr auf diesen Linien ganz unterbrochen. Die Vollsperrungen gelten bis zur offiziellen Entwarnung.

» Detaillierte Informationen unter www.vip-potsdam.de. Das Kundenzentrum am Hauptbahnhof bleibt während der Munitionsbergung geschlossen.

QUADRAT

Nach mehreren übereinstimmenden Historiker-Berichten wurde während des Angriffs auf Potsdam ein Zielgebiet in Form eines Quadrates über der historischen Innenstadt markiert.

RÜCKBLICK

Die letzte große Bombenentschärfung gab es in der Teltower Vorstadt am 17. März 2014 – gar nicht weit entfernt vom jetzigen Fundort Ein Baggerfahrer war am Vormittag auf die Bombe gestoßen und das Gebiet musste umgehend evakuiert werden.

SPERRKREIS

Rund um den Fundort wird am Freitagmorgen ein etwa 800 Meter großer Sperrkreis gezogen.

Von den Sperrungen betroffen sind die Teltower und die Templiner Vorstadt zwischen Friedrich-List-Straße, Nuthestraße, Horstweg und Albert-Einstein-Straße. Die Heinrich-Mann-Allee ist zwischen Brauhausberg und Horstweg gesperrt, die Friedrich-Engels-Straße zwischen Leipziger Dreieck und Nuthestraße. Autofahrer werden gebeten, das Gebiet weiträumig zu umfahren [-> Verkehr].

TELEFON

Informationen rund um die Entschärfung und den Sperrkreis erteilen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Landeshauptstadt Potsdam unter der Nummer (0331) 289 1677 oder unter der (0331) 289 1642.

UNSCHÄDLICH

Klaus Schulze wird am Freitag versuchen, die Fliegerbombe vor Ort zu entschärfen. Er wird den Zünder der Bombe entfernen und kontrolliert sprengen. Die Bombe an sich wird dann abtransportiert und später unschädlich gemacht.

VERKEHR

Autofahrer werden am Freitagvormittag einige Probleme haben, in die Innenstadt zu kommen. Von den Sperrungen betroffen sind die Teltower und die Templiner Vorstadt zwischen Friedrich-List-Straße, Nuthestraße, Horstweg und Albert-Einstein-Straße.

Autofahrer werden am Freitagvormittag einige Probleme haben, in die Innenstadt zu kommen. Von den Sperrungen betroffen sind die Teltower und die Templiner Vorstadt zwischen Friedrich-List-Straße, Nuthestraße, Horstweg und Albert-Einstein-Straße.

Die Heinrich-Mann-Allee ist zwischen Brauhausberg und Horstweg gesperrt, die Friedrich-Engels-Straße zwischen Leipziger Dreieck und Nuthestraße. Autofahrer werden gebeten, das Gebiet weiträumig zu umfahren.

Der Hauptbahnhof, die Humboldtbrücke, die Lange Brücke und die Nuthestraße sind frei, ebenso die Albert-Einstein-Straße und die Zufahrt zum Wissenschaftspark. Sowohl die Friedrich-List-Straße als auch der Horstweg sind befahrbar.

Die Nuthe ist für Wassertouristen ab Horstweg gesperrt, der Schlaatzweg ist auch für Radfahrer nicht passierbar.

WEITERE BLINDGÄNGER

In der Vergangenheit hatte Sprengmeister Mike Schwitzke immer davor gewarnt, dass noch weitere Blindgänger im Boden der Landeshauptstadt zu finden sind. Vor allem das Gebiet rund um den Hauptbahnhof [ -> x-te Bombe] wurde bei dem Angriff auf Potsdam massiv bombardiert.

X-TER BLINDGÄNGER

Seit 1990 werden Fliegerbomben ab 100 Kilogramm in Potsdam statistisch erfasst. Der jetzt gefundene Blindgänger ist Nummer 189. Kleinere Kaliber werden in dieser Statistik nicht erfasst.

ZUGVERKEHR

Sowohl der Hauptbahnhof als auch der Bahnhof Babelsberg liegen außerhalb des Sperrkreises und sind frei zugänglich. Ein Teil der Gleisanlagen befindet sich jedoch im Sperrkreis, sodass während der Entschärfung zwischen S-Bahnhof Babelsberg und Hauptbahnhof keine S-Bahnen oder Regionalbahnen fahren, teilte die Stadt mit.

» Mehr Informationen unter www.bahn.de sowie telefonisch unter (0331) 235-6881 und (0385 750) 2405 zur Verfügung.

Von MAZonline

In der Landeshauptstadt Potsdam wurde erneut eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Am Freitag wird der Blindgänger entschärft. 3000 Menschen müssen den Sperrkreis verlassen.

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Der 250-Kilo-Blindgänger am Nuthepark wurde entschärft. 10 000 Menschen mussten ihre Wohnungen im Sperrkreis verlassen – einige Male musste die Polizei dazustoßen.

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Es war die vierte Weltkriegsbombe neben dem Hauptbahnhof, und es könnten mehr werden. „Gebaut wird hier erst wieder, wenn alles abgesucht und sicher ist“, sagt die Stadt.

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