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Munitionsfirma übersieht Bombe in Potsdam

Baugelände galt nach Überprüfung als munitionsfrei Munitionsfirma übersieht Bombe in Potsdam

Der Potsdamer Bombenfund vom Montag hat im Nachgang Fragen aufgeworfen. Nach MAZ-Informationen hatte ein privater Munitionsräumdienst aus Oranienburg das Baugrundstück zuvor auf Bomben untersucht und grünes Licht für Erdarbeiten gegeben. In der Kritik steht außerdem der zeitliche Ablauf der Evakuierung und der Entschärfung.

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Auf dem Gelände hätte eigentlich keine Bombe gefunden werden dürfen.

Quelle: Julian Stähle

Potsdam. Das Bombenfund-Gelände am Nuthewinkel galt offiziell als munitionsfrei. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst (KMBD) des Landes Brandenburg hatte dem Projektentwickler NCC, der dort Einfamilienhäuser bauen will, eine Freigabe erteilt, auf welcher Grundlage, erklärte die Behörde nicht.

Wie die MAZ erfuhr, soll ein privates Oranienburger Unternehmen das Gelände abgesucht und nichts gefunden haben. Ob dieses Unternehmen im Auftrag des staatlichen Räumdienstes aktiv war oder direkt für den Projektentwickler, war bisher nicht zu ergründen. Der KMBD beauftragt häufig private Firmen mit der Suche. Die NCC selbst erklärte am Dienstagnachmittag, sie habe vor Beginn der Arbeiten auf dem Grundstück in Potsdam eine Kampfmitteluntersuchung durchführen lassen: „Die Kampfmittelfreiheit für das gesamt Grundstück wurde von der Polizei bestätigt.“ Nach dem Fund der Bombe habe NCC die Arbeiten sofort eingestellt und werde das weitere Vorgehen mit den zuständigen Behörden besprechen.

Tatsächlich aber gingen die archäologischen Untersuchungen, bei denen man am Montag unvermutet auf die Bombe gestoßen war, am Dienstag weiter. Eine Archäologin erklärte der MAZ, sie habe keine Angst vor weiteren Funden. Die NCC hatte weiter schwere Technik zur Schuttberäumung auf dem Gelände im Einsatz.

Der Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes versicherte am Dienstag, man habe vor allem Kriegsluftbilder ausgewertet und das Ergebnis „mit historischem Wissen über Kriegshandlungen und aktuellen Ortskenntnissen über Aufkommen von Fundmunition“ zusammengeführt. Es seien Vermutungspunkte, Bombentrichter und Verdachtsflächen abgesucht worden. „Die exakte Stelle des Bombenfundes war mit den dem KMBD zur Verfügung stehenden Mitteln nicht als kampfmittelbelastet zu erkennen“, versicherte die Behörde gegenüber der MAZ. Es handele sich um einen „tatsächluichen Zufallsfund“.

Das dürfte den Baggerfahrer nicht beruhigen, der beim Abtragen einer Erdschicht über einer Ausgrabungsstelle mit seiner Schaufel die Bombe touchiert hatte. Er wog sich in Sicherheit.

Am Montagabend, 17. März 2014, wurde in Potsdam-Süd eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft. Der Blindgänger lag auf einem unbebauten Areal zwischen Horstweg, Heinrich-Mann-Allee und dem Fluss Nuthe. Dennoch mussten rund 300 Anwohner evakuiert werden. Erst dann begab sich Sprengmeister Mike Schwitzke an die Arbeit – mit Erfolg.

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Wegen der offensichtlich falschen Lagebeurteilung durch das Privatunternehmen brach am Dienstag dem Vernehmen nach ein Konflikt zwischen dem KMBD des Landes und der betreffenden Firma aus; bvestätigt wurde das nicht.

Fragen wirft auch der Ablauf der Evakuierung und der Entschärfung auf. Der KMBD hatte schon halb vier Nachmittags die Fundmeldung bekommen; eine halbe Stunde später war Sprengmeister Mike Schwitzke votr Ort, untersuchte die Bombe und rief zwei Kollegen zu Rat. Weitere Technik wurde geordert, die Stadt informiert und entschieden, dass am Fundort entschärft werden muss und eine Evakuierung der anliegenden Bevölkerung zwingend ist. Zwei Möglichkeiten gab es: Die Bombe über Nacht ruhen lassen, einen Sperrkreis von 100 Metern ziehen, 150 direkte Anlieger für die komplette Nacht zu evakuieren, am nächsten Morgen ohne Vorwarnung und weiträumig den Frühverkehr zu sperren und im Hellen entschärfen. Oder noch in der Nacht entschärfen und dafür 300 Menschen für mehrere Stunden evakuieren; das erschien am günstigsten. Die Medien wurden nicht informiert.

Bomben über Potsdam

  • Mike Schwitzke vom Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes Brandenburg hat am Montagabend die inzwischen 152. Fliegerbombe in der Landeshauptstadt seit 1990 entschärft.
  • Das amerikanische Modell hatte einen mechanischen Heckzünder.
  • Es war bereits die dritte Fliegerbombe in diesem Jahr, die in Potsdam unschädlich gemacht worden ist.

Gegen 17 Uhr gab es eine Voralarmierung für alle Berufs- und Freiwilligen Feuerwehren der Stadt. Jede verfügbare Kraft sollte sich in der eigenen Wache einfinden. Nach 18 Uhr rief man den Krisenstabn zusammen, sperrte die Sporthalle an der Heinrich-Mann-Allee und richtete die Waschhaus-Arena als Notqaurtier ein. Ab 19.15 Uhr beriet die Einsatzzentrale in der Hauptfeuerwache. Man rief alle Wachen in die Zentrale mit der Anweisung von Blaulicht und Martinshorn. Zeitgleich erfuhr die MAZ durch Zeugen von der Aktion, eine offizielle Information gab es bis dahin nicht. Die Pressestelle der Stadt war in Unkenntnis gelassen worden.

Mike Schwitzke hatte die Bombe am Fundort noch bei hellem Tageslicht untersucht und sogar erwogen, vor Ort zu sprengen, falls es sich um einen der höchst gefährlichen chemischen Langzeitzünder gehandelt hätte, der nicht mechanisch entschärfbar ist. Doch dem war nicht so.

22.22 Uhr konnte die Entschärfung beginnen; sie verlief ohne Probleme.

Von Rainer Schüler

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