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Fliegerbombe in Potsdam erfolgreich entschärft

Blindgänger am späten Abend unschädlich gemacht Fliegerbombe in Potsdam erfolgreich entschärft

Bombenentschärfung in Potsdam-Süd: In der Teltower Vorstadt wurde am Montagabend eine Weltkriegsbombe gefunden. Die Stadt hatte daraufhin die Evakuierung des betroffenen Gebietes eingeleitet, rund 300 Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen. Noch vor Mitternacht konnte Sprengmeister Mike Schwitzke Entwarnung geben.

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Mike Schwitzke vom Kampfmittelbeseitigungsdienst hat nach der Entschärfung gut lachen.

Quelle: Julian Stähle

Potsdam-Süd. Am Montagnachmittag ist in Potsdam erneut ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden. Die 250-Kilo-Fliegerbombe US-amerikanischer Bauart mit einem Heck und einem Aufschlagzünder wurde gegen 15 Uhr bei archäologischen Grabungen auf einem unbebauten Areal zwischen Horstweg, Heinrich-Mann-Allee und dem Fluss Nuthe entdeckt.

Am Montagabend, 17. März 2014, wurde in Potsdam-Süd eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft. Der Blindgänger lag auf einem unbebauten Areal zwischen Horstweg, Heinrich-Mann-Allee und dem Fluss Nuthe. Dennoch mussten rund 300 Anwohner evakuiert werden. Erst dann begab sich Sprengmeister Mike Schwitzke an die Arbeit – mit Erfolg.

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Erst am Abend, wurde das Ausmaß der Gefahr deutlich: Ein Baggerfahrer hatte den Sprengkörper mit seiner Schaufel bewegt, die in nur etwa einem Meter Tiefe lag. Sie galt damit als unberechenbar. Weil das Fundgebiet in der Nähe zu Wohnhäusern liegt, entschied der Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes, dass sie sofort entschärft werden muss.

Sperrkreis zwischen Horstweg, Heinrich-Mann-Allee und Nuthe

Die Evakuierungsmaßnahmen wurden um 20:30 Uhr gestartet. Im Sperrgebiet leben rund 300 Menschen, die ihre Wohnungen verlassen mussten.

Die Polizei riegelte den Horstweg vollständig ab.

Quelle: Julian Stähle

Alle Straßen zur so genannten Kolonie Daheim wurden gesperrt, zufahrende Autos schon am Horstweg abgewiesen, wo die Total-Tankstelle aus Sicherheitsgründen geräumt wurde; sie liegt nur wenige hundert Meter vom Bombenfundort entfernt. Der Horstweg als Verbindung zwischen Babelsberg, Waldstadt und Teltower Vorstadt wurde gesperrt.

Insgesamt waren 128 Einsatzkräfte, unter ihnen 63 von der Berufsfeuerwehr und Freiwilligenwehren, im Einsatz, um den Sperrkreis abzusichern.

Evakuierung am späten Montagabend

Gegen 21 Uhr rollten die ersten Lautsprecherfahrzeuge des städtischen Ordnungsamtes durch das schon verschlafene, dünn besiedelte Sperrgebiet und forderten die Anwohner auf, ihre Häuser zu verlassen.

Gegen 21.30 Uhr rollten Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr ins Sperrgebiet.

Quelle: Julian Stähle

Unaufgeregt verließen die Menschen ihre Wohnungen, bestiegen Autos und verließen das Gebiet. Frauke Bernhard etwa zeigte sich zwar verärgert, hatte aber auch Verständnis für die Evakuierung: „Besser, als wenn uns die Scheiben um die Ohren fliegen“, sagte sie. „Ich lasse erst noch den Hund sein Geschäft machen“, brummelte ein Rentner aus der Kolonie Daheim: „Soviel Zeit muss sein.“

Einsatzkräfte durchkämmten eine Gartenkolonie und mussten dabei auch eine private Feier auflösen.

Quelle: Julian Stähle

Trupps der Feuerwehr zogen da bereits mit Taschenlampen durch die Straßen und mahnten die Passanten, schnellstmöglich den Sperrkreis zu verlassen. In einer Gartenkolonie wurde eine kleinere private Feier abgebrochen. Als Ausweichquartier für die Zeit der Entschärfung stand die Waschhaus-Arena in der Schiffbauergasse zur Verfügung.

Warten auf das Ende der Entschärfung in der Waschhaus-Arena. Käthe Grinda (92) musste ihre Wohnung in der Kolonie Daheim räumen.

Quelle: Julian Stähle

Auf  Mike Schwitzke ist Verlass
Um 22.22 Uhr stand der Sperrkreis und Mike Schwitzke, Sprengmeister beim Kampfmittelbeseitigungsdienst, machte sich an die Arbeit. Er begann mit dem Ölen der Zünder, um sie leichter aus ihrem verrosteten Gewindedreht zu bekommen. Mit einer Rohrzange schraubte er schließlich den Zünder aus dem Heck des Blindgängers. Nach rund 50 Minuten, gegen 23:10 Uhr, konnte er Entwarnung geben. "Es lief reibungslos", sagte Schwitzke unmittelbar nach der Entschärfung. Die sofortige Evakuierung des Gebiets hielt auch er für notwendig: "Es wäre unverantwortlich gewesen, sie über Nacht neben dem Wohngebiet liegen zu lassen".

Auf ihn ist Verlass: Wenn in Potsdam eine Bombe entschärft wird, kann Mike Schwitzke seine Erfahrung ausspielen.

Quelle: Julian Stähle

Der Sperrkreis wurde kurze Zeit später von der Stadtverwaltung wieder aufgehoben. Etwa 300 Bewohnerinnen und Bewohner konnten zurück in ihre Wohnungen im Nuthewinkel und der Kolonie Daheim.

Bombe liegt bei archäologischer Grabungsstätte
Die Bombe wurde offenbar auf einem Baugrundstück der NCC-Gruppe gefunden. Auf einer Teilfläche eines rund sechs Hektar großen Geländes zwischen Horstweg und Schlaatzweg will die NCC in den nächsten Jahren im Rahmen des Eigenheim-Projekts „Nuthewinkel“ rund 40 Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser errichten. Hier haben Archäologen Mitte Dezember die Reste eines germanischen Dorfes aus dem 1. bis 4. Jahrhundert freigelegt.

Sperrkreis rund um den Fundort des Blindgängers.

Quelle: Stadt Potsdam

Das Besondere daran: Die Funde sind zum Teil römischen Ursprungs. Die einstigen Bewohner der vergleichsweise weit vom römischen Gebiet entfernten Siedlung am Nuthewinkel könnten also Angehörige germanischer Hilfstruppen des Imperiums gewesen sein, so die Schlussfolgerung die Experten. Die Archäologen haben ihre Arbeit derweil fast abgeschlossen und die letzten Funde gesichert.

Rainer Schüler/MAZonline

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