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Alliierte Bomben kosten Brandenburg viel Geld

Bund zahlt nur für Entschärfung "reichseigener Munition“ Alliierte Bomben kosten Brandenburg viel Geld

Kein anderes Bundesland ist derart mit alter Kriegsmunition verseucht wie Brandenburg. Die Beseitigung wird noch Jahre dauern - und sie ist teurer. Der Bund zahlt lediglich die Kosten zur Beseitigung so genannter "reichseigenen" Munition. Die Stadt Potsdam zahlt die Begleitmaßnahmen und Personalkosten - für 2014 kommt da ein fünfstelliger Betrag zusammen.

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Granatenfund im Wildpark Potsdam

Luftbild von Potsdams Zentrum am 16. April 1945 aufgenommen.

Quelle: GEOBASIS BB

Potsdam. Nach der mit einer Evakuierung der südlichen Innenstadt (→ " Ganz Potsdam ist lahmgelegt") verbundenen Entschärfung einer Weltkriegsbombe bekräftigt Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) die Forderung nach einer Kostenerstattung durch den Bund.

Nach seinen Angaben waren am Mittwoch 650 Helfer im Einsatz, darunter 400 Mitarbeiter der Stadtverwaltung, 150 weitere Helfer sowie 100 Polizisten. Im Hauptausschuss begrüßte Jakobs die neuerliche Bundesratsinitiative Niedersachsens und Brandenburgs für eine Bundesbeteiligung an den Kosten für die Beseitigung der Weltkriegsmunition. Die Bombenentschärfung selbst wird aktuell vom Land bezahlt. Eine Ausnahme gilt nur für sogenannte „reichseigene Munition“. Demnach zahlt der Bund für die Entschärfung von Weltkriegsbomben aus deutscher Produktion.

Die Kommune trägt laut Rathaussprecher Jan Brunzlow die Kosten für Begleitmaßnahmen wie Absperrungen, Transporte hilfebedürftiger Menschen und Sicherheitsdienste. Hinzu kommen Personalkosten für die eingesetzten Mitarbeiter der Stadtverwaltung und der Feuerwehr. Der finanzielle Aufwand für die Bombenentschärfung am Mittwoch sei ebenso wie für jene vom 18. Dezember 2014 noch nicht exakt ermittelt. In beiden Fällen gehe die Stadt „von einem niedrigen fünfstelligen Betrag aus“.

Die größten Bombenfunde der letzten Jahre

Für die insgesamt fünf Bombenentschärfungen des vergangenen Jahres kamen „bis dato Kosten in Höhe von insgesamt 10.000 Euro zusammen“, der Gesamtbetrag lasse sich erst nach Vorliegen der Abschlussrechnung für die Entschärfung vom 18. Dezember beziffern.

Wie berichtet, rechnet die Stadt auf der 22.000 Quadratmeter großen Baustelle der Landesinvestitionsbank am Hauptbahnhof mit weiteren Bombenfunden. Der damalige Güterbahnhof war in der Nacht des verheerenden Bombardements vom 14. April 1945 eines der Zielgebiete.

Erneute Länderinitiative im Bundesrat

  • Nach dem erneuten Bombenfund fordert die Sprecherin der SPD-Landesgruppe im Bundestag, Andrea Wicklein, endlich eine Bundesbeteiligung an den Kosten für die Beseitigung von Weltkriegsmunition der Alliierten.
  • Bisherige Initiativen des Landes Brandenburg, darunter eine Bundesratsinitiative von 2002 sowie 2011 gemeinsam mit Niedersachsen blieben erfolglos. Die 2011er-Initiative versandete: „Erledigt mit dem Ablauf der Wahlperiode“, heißt es dazu im Informationssystem des Bundestages.
  • Im Sommer 2014 wurde eine weitere Initiative im Bundesrat gestartet.

Von Volker Oelschläger

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