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Blindgänger in Potsdam Diese Bombe wird nicht die letzte sein
Lokales Potsdam Blindgänger in Potsdam Diese Bombe wird nicht die letzte sein
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19:28 07.01.2015
Amerikanische Piloten haben dieses Luftbild von Potsdams Zentrum am 16. April 1945 aufgenommen.  Quelle: Geobasis BB, MAZ-Grafik: Scheerbarth
Potsdam

Es ist die 159. Bombe für Potsdam seit der Wende, die am Mittwoch auf ihre Entschärfung (→ Liveticker) wartet. Für Mike Schwitzke, der am Freitag 43 Jahre alt wird, ist es Nummer 60. "Und es wird nicht die letzte Bombe sein, die wir auf diesem Areal finden", prognostiziert der Sprengmeister vom Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes. Denn das Grundstück am Hauptbahnhof, auf dem die Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) gerade ihren 94 Millionen Euro schweren Neubau errichten lässt, ist laut Schwitzke "extrem mit Munition belastet".

Im Zentrum der Angriffe auf Potsdam

Das hat zwei Gründe. Zum einen liegt das Baufeld im Zentrum des schweren Luftangriffs, den britische Lancaster-Bomber in den Abendstunden des 14. April 1945 auf Potsdam flogen. Zum anderen befand sich auf dem Areal einst ein Güterbahnhof – und auf dem stand laut Schwitzke in den letzten Kriegstagen ein mit deutscher Artilleriemunition beladener Zug.

Luftbild

Potsdams Innenstadt nach dem Luftangriff vom 14. April 1945. Zum Vergrößern der Karte auf das Bild klicken.

An die Front rollte die tödliche Ladung aber nicht mehr. Bei dem schweren Luftangriff der Briten wurde der Güterbahnhof gezielt bombardiert. Ob der Zug dabei einen Volltreffer abbekam, lasse sich heute zwar nicht mehr sagen, sicher sei aber, dass er völlig ausbrannte. "Teils explodierte die Munition, teils nicht", erzählt Schwitzke. Die Überreste seien in die umliegenden Bomben trichter entsorgt worden – und sie schlummern dort bis heute im Erdreich.

"Wir haben von dort schon dreieinhalb Tonnen Munition weggeholt", sagt Mike Schwitzke. Die Sprengkörper für Kanonen und andere Geschütze mit einer Kalibergröße von 7,5 bis 12 Zentimetern seien allesamt transportfähig gewesen.

Hinter den Hügeln auf der linken Seite wurde der Blindgänger gefunden. Quelle: Friedrich Bungert

Der Blindgänger ist amerikanische Aushilfsware

Der Sprengmeister ist sich sicher, dass die beiden ILB-Blindgänger bei dem britischen Luftangriff am 14. April 1945 abgeworfen wurden. Dass beide US-amerikanischer Herkunft sind, sei kein Widerspruch: "Weil die Briten nicht über ausreichend Abwurfmunition verfügten, halfen ihnen die Amerikaner gewissermaßen aus", sagt Schwitzke. Als an jenem Samstag im April vor sieben Jahrzehnten um 22.15 Uhr die Sirenen in Potsdam ertönten, fielen aus den Schächten der Lancasters auch amerikanische Bomben. Insgesamt wurden 1752 Tonnen auf die von Leuchtzeichen markierte Stadt abgeworfen.

Verheerende Bilanz dieses Bombenhagels: 1593 Tote und viele zerstörte Straßenzüge. Von den 1656 Gebäuden der Innenstadt wurden 509 völlig zerstört und 103 zum Teil; 989 Gebäude galten noch als bewohnbar und nur 55 als unbeschädigt. Die bekanntesten Bauwerke, die der Bombardierung zum Opfer fielen, sind das Stadtschloss und die Garnisonkirche.

Von Nadine Fabian

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